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Rundschau-Kommentar zur (Elberfelder) Innenstadtentwicklung​

Kommentar zur (Elberfelder) Innenstadtentwicklung : Wenn wenigstens Stillstand herrschte ...

... in der Elberfelder City. Aber nein – es geht immer weiter: Jetzt ist quasi die halbe Alte Freiheit von den City-Arkaden bis hinauf zum Döppersberg großflächig aufgerissen und mit Baustellenabsperrungen zugepflastert.

Für die Fußgängerströme bleibt nur noch ein viel zu schmaler Durchgang. Auf der Hauptmeile zwischen Bahnhof und Innenstadt. Mitten in der Weihnachtszeit.

Ich will nicht akzeptieren, dass diese Situation, die auf Poststraße & Co. schon seit Monaten und Monaten herrscht, in dieser Art umgesetzt und vor allem zugelassen werden konnte. Und dass diese Situation – in Zukunft das Innenstadtgebiet sogar bis hinüber zur Aue betreffend – das Elberfelder City-Bild noch (mindestens) zehn (!) Jahre lang prägen soll.

Der Cocktail aus offenbar technisch unvermeidlicher Fernwärmeleitungssanierung und NRW-denkmalschutzrechtlichem Umgang mit in der Erde gefundenen Bodendenkmälern hat sich als Mischung erwiesen, deren stimmungsexplosive Tragweite offenbar niemand in der Verwaltungsspitze und in der Politik auch nur ansatzweise erkannt hat.

Wann lagen die folgenschweren Pläne der WSW bei wem auf dem Tisch? Wer hat sie sich (nicht) angesehen? Wer hat sie, ohne Vorstellungskraft die Folgen betreffend, abgenickt? Warum hat nicht der Oberbürgermeister angesichts all dessen die Spitzenkräfte der Beteiligten an einen Tisch geholt und klipp und klar gesagt: Nein, so geht das nicht!

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Jetzt sind – siehe Poststraße bis hoch zum Döppersberg – Fakten geschaffen. Weit und breit niemand in Sicht, der das Kind noch aus dem Brunnen holen könnte.

Im Stadtentwicklungsausschuss gab es am Donnerstag eine Anfrage von SPD, CDU und FDP mit dem klangvollen Titel „Mittel und Wege in der Baustellenkommunikation“: Die Parteien wollen (viel zu spät) von der Verwaltung wissen, welche Möglichkeiten es gibt, ein ähnliches Baustellenkommunikationskonzept für die Citys von Elberfeld und Barmen (denn dort droht ähnlich Finsteres) umzusetzen, wie es Lübeck bei der dortigen Innenstadt-Sanierung angewendet hat.

In der Holstentor-Stadt nämlich musste ebenfalls das City-Leitungsnetz umfassend erneuert werden. Aber mit großer Info-Kampagne durch Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung. Mit Erklär-Feuer aus allen analogen und digitalen Rohren.

In Wuppertal gab es nichts dergleichen. Großes Schweigen von Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung, aus dem Rathaus. Geschaffen wurden keine bürgernahen Kommunikationsplattformen, sondern riesige Straßenlöcher mitten in schwarz geteerten Holperstrecken – und City-Bäume hat man abgeholzt.

Plus große, hässliche Baustofflager etwa auf dem Neumarkt oder am Kirchplatz errichtet. Auf zwei wichtigen und (theoretisch) attraktiven City-Flächen. Ein weiteres solches Lager ist am Kasinokreisel geplant. Wer verhindert das? Wer versammelt die Spitzen aller Beteiligten am Tisch und sagt klipp und klar: Nein, so geht das nicht!

Das Thema Stadtentwicklung für die Citys in Elberfeld und Barmen ist im Rathaus seit mindestens zehn Jahren mit vielen wohlklingenden Konzepten und mit (versandeten) Aktionen wie etwa der „Qualitätsoffensive Innenstadt“ bei lebendigem Leib begraben worden.

Zusammen mit der schon viele Jahrzehnte eingebürgerten, fast ausnahmslosen Abnick-Attitüde der großen Parteien bei weitreichenden Verwaltungsvorschlägen hat das zu dem geführt, was jetzt Realität ist: eine Alte Freiheit, deren Anblick man nicht fassen mag. Und ein mager besetztes sowie bürgerunfreundlich geöffnetes Elberfelder Baustellen-Infobüro, das (natürlich) nicht offen und sichtbar mitten im Problem-Areal liegt.

Was Bürger von ihrer Stadt und deren Führung denken, hat unglaublich viel mit Stimmung zu tun. In Sachen Innenstadtentwicklung ist die gründlich versaut.

Wer das zulässt, betreibt das Gegenteil von Stadtentwicklung.