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Prozess: "Ich knall dich ab!"

Prozess: "Ich knall dich ab!"

Mehr als 20.000 Euro Wochenendeinnahmen eines Innenstadt-Cafés waren während eines Überfalls am Kipdorf auf der Straße gelandet.

Das Amtsgericht hat einen 35-jährigen Gelegenheitsarbeiter aus dem Zooviertel wegen des brutalen Überfalls auf den Betriebsleiter (32) des Lokals verurteilt. Der mehrfach Vorbestrafte erhielt bei zwei Jahren Haftstrafe knapp erneut eine Bewährungschance: Er hatte zu Sitzungsbeginn 1.000 Euro als erste Rate Schmerzensgeld an sein Opfer bezahlt. Vor Gericht hatte er erklärt: "Es tut mir sehr leid, was ich gemacht habe. Der Raub war nicht geplant."

Laut Geständnis ging der 35-Jährige am 14. März vermummt und alkoholisiert dem Betriebsleiter nach. Vor einer Bank am Kipdorf habe er angegriffen, allerdings nur, um das Opfer zu verprügeln. Er habe geglaubt, dass der Café-Chef zuvor eine Verwandte "blöd angemacht" habe. Ein Irrtum, wie er inzwischen wisse. Das Geld — in einem Karton verpackt — will der Angeklagte erst bemerkt haben, als erste Scheine im Gerangel auf die Straße fielen. Er habe sich sofort entschlossen, möglichst viel einzusammeln und weg zu laufen.

Das Gericht ließ das als unwiderlegt stehen. Es bestrafte die Tat dennoch wie einen Raubversuch: Der Angeklagte hatte bei seiner kurzen Flucht Helfer bedroht. Einen Bank-Mitarbeiter ging er gar mit einem "Ich knall dich ab!" an.

Der tatsächlich wohl unbewaffnete Angeklagte wurde Minuten später an der Haltestelle Morianstraße festgenommen. Überzeugt hatte seine Drohung ohnehin nicht: Die Umstehenden hatten erkannt, dass der Mann den Geldkarton festhielt und keine Hand (für eine eventuelle Waffe) frei hatte.

Das Gericht ging um sechs Monate über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus: Der Angeklagte muss 120 Stunden arbeiten, damit er in Freiheit bleiben kann. Der Überfallene verließ das Gericht sichtlich erleichtert. Er hatte berichtet, immer noch unter einer Schulterverletzung und unter Verfolgungsangst zu leiden. Die Entschuldigung des 35-Jährigen hat er angenommen. Sein Unternehmen habe die Sicherheitsvorkehrungen geändert.

Der Angeklagte hat übrigens erklärt, demnächst mit einem Partner einen Gastronomiebetrieb eröffnen zu wollen...

Das Geld des Innenstadt-Cafés wurde bis auf 60 Cent sichergestellt. Kurioserweise hatten Passanten ausgerechnet dem Angeklagten beim Einsammeln geholfen — in der Annahme, er sei der Besitzer...