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Wuppertaler Mitglieder der "Prepper"-Szene: "Ich lebe nicht in ständiger Angst"

Wuppertaler Mitglieder der "Prepper"-Szene : "Ich lebe nicht in ständiger Angst"

Panikmache wurde Innenminister Thomas des Maizière vorgeworfen, als er sein neues Zivilschutzkonzept vorstellte. Die Mitglieder der Prepper-Szene sehen das anders: Sie sind täglich auf Katastrophen wie Kriege, Reaktorunfälle oder Unwetter vorbereitet.

Auch der Wuppertaler Benjamin Hann wird oft als Prepper (to prepare = vorbereiten) bezeichnet. Er selbst weist das aber von sich. "Prepper richten ihr ganzes Leben danach aus, rechnen immer mit der Katastrophe. Ich lebe nicht in ständiger Angst, gehe nicht mit Rucksack, Zelt und weiterem Notfallgepäck aus dem Haus. Ich bin sicher, dass Bund und Land im Falle einer Katastrophe gut gerüstet sind, aber es kann besonders im Anfang einer Notlage zu Engpässen kommen", erzählt der Sicherheitsingenieur, der seinen Bachelor an der Uni Wuppertal machte. Und da Benjamin Hann in seiner Freizeit nicht nur bei der Freiwilligen Feuerwehr in Wülfrath aktiv ist, sondern sich auch im Tierschutz engagiert, schrieb er seine Abschlussarbeit über vorbeugende Maßnahmen, Notfallsituationen und Evakuierungen in Tierheimen und Zoos.

Hann sieht im neuen Zivilschutzkonzept keine Panikmache, damit habe die Regierung nur auf Veränderungen reagiert. "Wenn man allein die letzten Wochen Revue passieren lässt, Sturm, Blitzeinschläge, Starkregen, Hagel und Überschwemmungen, das ist schon bedrohlich. Und daher gehören zum Bevölkerungsschutz auch Informationen über bauliche Maßnahmen, die Haus und Wohnung sicherer machen und an den richtigen Versicherungsschutz muss man auch denken", erklärt der Fachmann sachlich und unaufgeregt. Und genauso schätzt er auch die Pläne des Landes ein, angesichts der maroden belgischen Atommeiler Jodtabletten zu bunkern. "Damit reagiert man auf medizinische Erkenntnisse nach Fukushima. Aber jeder sollte wissen, dass diese Tabletten nur für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie für Schwangere bereit gestellt werden. Alle anderen müssen selber Vorsorge treffen".

Für die eigene Vorsorge empfiehlt Benjamin Hann zuerst solide Kenntnisse in der Ersten Hilfe, um direkt eingreifen zu können. Dazu Lebensmittel, wie haltbare Konserven, Trink- und Brauchwasser, Hygieneartikel, und eine leitungsunabhängige Wärmequelle, etwa einen Propangasofen oder einen Kamin, Gasflaschen und ausreichend Brennholz.

"Im Jahr 2011 hat der Bundestag einen flächendeckenden Stromausfall von ein bis zwei Wochen simuliert. Man kann nicht kochen, nicht kühlen, Heizung und Telefon fallen aus, unter Umständen die Wasserversorgung. Im Idealfall ist dann mein Auto vollgetankt, denn die Zapfsäulen funktionieren genauso wenig wie EC-Automaten. Also sollte man immer Bargeld im Haus haben. Das Handy immer aufladen, Feuerzeug, Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampen, Transistorradio und Batterien gehören in greifbare Nähe, Decken und ein Campingkocher sind ebenfalls wichtig", gibt Hann Tipps, die er auch selber beherzigt.

Außerdem weist der Familienvater auf eine mögliche Evakuierung hin, "dazu sollte das Notfallgepäck mit den wichtigsten Dokumenten immer greifbar sein".

Zuletzt sei es noch wichtig, die individuelle Vorsorge zu treffen: "Man muss die Bedürfnisse der Familie kennen, leben Säuglinge oder Kleinkinder im Haushalt, gibt es Haustiere? Auch für sie muss ich Vorräte bereit halten, für den Evakuierungsfall überlegen, wo ich die Tiere sicher unterbringen kann, denn wenn der Notfall eingetroffen ist, bleibt keine Zeit für Überlegungen", ist Hann ganz Profi.

Zum Wintersemester wird Benjamin Hann an die Wuppertaler Universität zurückkehren. Denn nach dem Bachelor- soll nun der Masterstudiengang folgen