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Nichts geht mehr ohne Kassenbon

Umstrittene Verordnung : Nichts geht mehr ohne Kassenbon

Schon jetzt ein großer Aufreger des noch jungen Jahres 2020? Die neu eingeführte Kassenbonpflicht. Der Wuppertaler Unverpacktladen und der Bio-Bäcker Myska spielen dabei nicht mit. Der Bäcker Polick lässt mit den Bons für Kunden sichtbar lange Papierschlangen wachsen.

Ab sofort muss jeder Händler, der mit einem elektronischen Kassensystem arbeitet, seinen Kunden einen Bon ausstellen. Das führt zu unnötigem Müll und längeren Wartezeiten an der Kasse.

„Wenn ich auch nur im Ansatz eine Sinnhaftigkeit darin sehen würde, würde ich es machen“, erklärt Diana Lantzen vom Wuppertaler Unverpacktladen „Ohne Wenn und Aber“. Doch die sieht sie nicht. Für sie sind unerwünscht ausgedruckte Kassenzettel eine Umweltsünde. Es ist nur unnötiger Abfall, die Bons werden zudem auf Thermopapier gedruckt, das mit Chemikalien behandelt ist. In den sozialen Netzwerken erklärt Lantzen öffentlich ihre Weigerung, der neuen Pflicht nachzukommen – und erntet von ihren Kunden Zuspruch. „Mutig!“, kommentieren sie ihren Post. Im Unverpacktladen verlangen ohnehin gerade einmal fünf Prozent der Einkäufer einen Bon, und der könnte auch digital übermittelt werden. Ein Bußgeld droht den Händlern, die sich weigern, nicht. „Aber es kann als Indiz gewertet werden, dass wir unserer Aufzeichnungspflicht nicht nachkommen, und das Finanzamt könnte eine Betriebsprüfung durchführen.“

Auch der lokale Bio-Bäcker Myska verweigert sich der neu eingeführten Kassenzettel-Pflicht. In den Filialen erklären Hinweisschilder den Kunden, dass nur auf Nachfrage Bons gedruckt werden. „Wir stehen als Bio-Bäcker nicht hinter dieser Papierverschwendung“, erklärt Janine Klöcker, Verkaufsleiterin bei Myska. „Wir verstehen das Gesetz, aber unser Kassensystem ist ohnehin transparent genug.“

Ein Hingucker: die Bon-Papierschlange in einer Filiale der Bäckerei Policks. Foto: Wuppertaler Rundschau

Bäcker Dirk Polick lässt die ausgedruckten, aber von den Kunden abgelehnten Kassenzettel sichtbar als lange Papierschlange die Verkaufstheken herab. „Noch finden die Kunden das lustig und amüsieren sich über die Bonpflicht. Mal sehen, wie lange das hält. Umweltfreundlich ist das nicht. Die Bons sind aus beschichtetem Thermopapier, das lässt sich nicht so einfach recyceln. Und wir haben einige Filialen, da kommt was zusammen.“ Und weiter: „Der Sinn der Bonpflicht erschließt sich mir nicht, unsere Kassensysteme zeichnen sowieso alle Transaktionen auf – ob der Bon gedruckt wurde oder nicht. Die Belege sammele ich und entscheide, was ich mit ihnen mache. Ich habe von Kollegen gehört, dass sie den Papiermüll nach Berlin zu den Verantwortlichen schicken möchten.“

Die neue Bon-Pflicht soll Steuerhinterziehung vermeiden. Ist das eine sinnvolle Regelung? Hier geht es zu unserer Online-Umfrage.