Machtwechsel bei der CDU in Wuppertal

Lokalpolitik : CDU im Tal: Ein Machtwechsel

Nachdem der städtische Beigeordnete Matthias Nocke am Freitag (10. Mai 2019) Rainer Spiecker an der Parteispitze ablöste, trat Fraktionsvorsitzender Michael Müller zurück. Jetzt werden die Karten in der CDU neu gemischt.

Der bergische CDU-Europakandidat Uwe Pakendorf nannte die Vorgänge beim Kreisparteitag „lebendige Demokratie“. Die beliebte Steigerungsformel „Feind - Todfeind - Parteifreund“ hätte allerdings auch gepasst. Schließlich legte die Kampfabstimmung um die Führung der Wuppertaler CDU eine Menge Nerven blank und schon lange schwelende Animositäten bloß. Bis Verlierer Spiecker widerwillig die finale Umarmung von Sieger Nocke über sich ergehen lassen musste, war viel christdemokratisches Porzellan zerschlagen worden.

Schon die Art und Weise, wie Ordnungs-, Sport- und Kulturdezernent Nocke wenige Tage vor dem Parteitag per SMS seinen Hut in den Ring geworfen hatte, sorgte für böses Blut. Das kochte endgültig hoch, als der Ratsfraktions-Vorsitzende Michael Müller noch vor der Abstimmung Nocke in einer regelrechten Wutrede aufs Korn nahm. Der 68-Jährige machte den Kandidaten für die ungelösten Probleme in dessen Ressorts verantwortlich und verwahrte sich gegen den Vorwurf aus Nockes Bewerbungsrede, die CDU werde in Wuppertal nicht wahrgenommen und müsse mit der „Selbstverzwergung“ Schluss machen.

Dass Nocke am Ende trotzdem mit 112 zu 76 Stimmen als Sieger auf der Bühne der Gesamtschule Barmen stand, war mit Blick auf den unbeholfenen Auftritt seines Konkurrenten dann trotzdem keine große Überraschung. Nocke konnte den hölzernen Vortrag des seit 2014 amtierenden Spiecker mit einigen kernigen Formulierungen („Der Laden fährt vor die Wand“; „Wir können Wuppertal“) und solider Rhetorik locker toppen und kündigte dabei an, nur zwei Jahre amtieren und den Posten nach der Kommunalwahl wieder abgeben zu wollen.

Ob er bei dieser Wahl selbst als Oberbürgermeister-Kandidat antreten will? Diese Frage ließ Nocke zwar letztlich offen, betonte aber, dass die Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten oder einer Kandidaten für CDU und Grüne im Vordergrund stehe. Und wie will Nocke als Dezernent im Verwaltungsvorstand mit jenem OB zusammenarbeiten, den er in seiner Rolle als Vorsitzender der CDU vom Thron stoßen soll? „Freundlich und professionell“ - das war seine Antwort auf dem Parteitag. Da sagte er aber auch: „Wer ist Andreas Mucke? Niemand, vor dem sich die Wuppertaler CDU fürchten muss!“

Die Szene des Parteitags: Sparsamer Blick bei Verlierer Spiecker (l.), höflicher Applaus von Sieger Nocke (r.) und ein bedienter (Ex-)Fraktionsvorsitzender Müller im Hintergrund. Foto: Wuppertaler Rundschau

Nägel mit Köpfen machte derweil Michael Müller, der nach Nockes Sieg konsequenterweise als Fraktionsvorsitzender zurücktrat. Als Nachfolger sollen vor der Ratssitzung am kommenden Montag seine bisherigen Stellvertreter Ludger Kineke und Hans-Jörg Herhausen gewählt werden, die dann eine Doppelspitze bilden.

Die Grünen sehen die Entwicklung beim „Kernbündnis“-Partner CDU gelassen. „Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass sich an den gemeinsamen Plänen etwas ändert“, so der Fraktionsvorsitzende Marc Schulz. Das habe ja auch Nocke mehrfach geäußert, den er außerdem nicht als Anhänger der ehemaligen „GroKo“ wahrgenommen habe.

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