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Demografischer Wandel: Ladenlokale zu Wohnungen?

Demografischer Wandel : Ladenlokale zu Wohnungen?

"Schwerter zu Pflugscharen" war ein bekanntes Motto in Zeiten der Abrüstungsdebatte. In Abwandlung dazu schlägt "Haus und Grund" in Wuppertal momentan vor, leerstehende Geschäftsräume in Alten- und behindertengerechte Wohnungen umzubauen.

In Wuppertal stehen rund 12.000 Wohnungen leer. Oft sind sie im sanierungsbedürftigen Zustand oder befinden sich in wenig attraktiven Stadtteilen. Daneben , so schätzt der Hausbesitzerverein "Haus und Grund Wuppertal und Umgebung" stehen knapp 400 Ladenlokale leer. "Haus und Grund"- Vorsitzender Hermann Josef Richter schätzt, dass 30 Prozent davon im Umbau sind oder auf Grund ihrer Lage für neue Nutzungen nicht geeignet sind: "Das bedeutet aber, dass rund 250 leere Ladenlokale in Größen von 50 bis 150 Quadratmetern im Prinzip zu Wohnungen umgebaut werden könnten."

Vor allem am Rand der Nebenzentren wie Langerfeld, Heckinghausen, Oberbarmen und Wichlinghausen stehen viele Geschäfte und Imbissbuden leer, in denen sich nach langjährigen Beobachtungen kein Handel mehr rentiert. Allerdings befinden sie sich oftmals in schwierigem Umfeld und in ungepflegten Häusern.

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Deshalb fordert Richter Anreize für Vermieter als wichtigen Beitrag zur Quartierentwicklung mit Verbesserung der gegenwärtig negativen Außendarstellung. Das ist auch ein Ansatz für die städtische Quartierentwicklung mit dem Förderprojekt "Soziale Stadt" und ihrer Koordinatorin Patricia Knabenschuh.

Die Chance ist günstig, durch Investitionen in diesem Bereich modernen Wohnraum zu schaffen. Obendrein sind viele dieser Ladenlokale barrierefrei oder mit ein bis zwei Stufen erreichbar, so Richter: "Hier kann man altersgerechten Wohnraum schaffen, der durch fehlende Wände sogar individuell gestaltet werden könnte." In Wuppertal wurden bereits Fabrikgebäude, Kirchen und Gemeindezentren zu alten- und behindertengerechten Einrichtungen umgebaut.

Für solch eine neue Nutzung wären die Eigentümer der Immobilien verantwortlich. Richter: "Die Wohnraumförderung der Stadt, KfW- und NRW-Bank fördern mit mehreren Programmen die Schaffung von Wohnraum für behinderte Menschen oder die Beseitigung von Barrieren, bis hin zum Einbau von Aufzügen, Liften und Rampen." Von Kommune und Land fordert "Haus und Grund Wuppertal und Umgebung" dazu ein vereinfachtes, rechtliches Genehmigungsverfahren, ähnlich wie in den 1990er Jahren mit dem Ausbau von Dachflächen zur Schaffung von Wohnraum. Die Stadt sollte ihren Ermessensspielraum nutzen. Richter weiter: "Der demografische Wandel — im Jahr 2050 werden voraussichtlich 60 Prozente der Wuppertaler über 60 Jahre alt sein -, aber auch der Wunsch älterer Menschen, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung zu leben, kommt in der Diskussion zur Schaffung von Wohnraum zu kurz. Ein Förderprogramm wirkt nachhaltig und sollte auch für Erdgeschosswohnungen gelten, denn in viele Häuser lässt sich kein Aufzug einbauen."

Nikolai Spies vom Büro für Quartierentwicklung bietet dazu Beratung an: "Im ersten Schritt muss bei der Stadt ein Antrag auf Nutzungsänderung gestellt und die Bewilligung abgewartet werden. Dann gibt es Informationen zu Fördertöpfen." Und Baudezernent Frank Meyer weist bei derartigen Umnutzungsüberlegungen auf die "Bürgerberatung Bauen" hin, die wertvolle Hinweise zu notwendigen baurechtlichen Schritten geben kann. Wuppertal hat von 2007 bis 2012 im Rahmen des Förderprogramms "Stadtumbau West" eine Zwischennutzungsagentur eingerichtet, doch angesichts des generellen Bevölkerungsrückgangs in jener Zeit stand bei dem Projekt die Umwandlung von Ladenlokalen in neuen Wohnraum nicht im Fokus. Doch gegenwärtig wächst Wuppertal wieder. Richter fordert deswegen, die Sanierung vorhandener Altbau-Wohnungen und die Umnutzung von leeren Ladenlokalen in den Fokus der Planer und Politiker zu rücken.
So sieht das auch Oberbürgermeister Andreas Mucke, bis vor seiner Amtsübernahme Chef der Wuppertaler Quartiergesellschaft (WQG): "Die Umnutzung kann im Einzelfall eine Chance sein, Leerstand zu beseitigen und gleichzeitig barrierearmen Wohnraum zu schaffen." Realistisch betrachtet werde sich allerdings nur ein begrenzter Teil der Ladenlokale tatsächlich für eine solche Umnutzung eignen. Mit einer temporären "Leerstandsgalerie" hat Uwe Sippel vom Verein "Kultur und Künste" versucht, einem Geschäft in Heckinghausen Leben einzuhauchen. Doch nur wenige Eigentümer zeigten Interesse — einige hatten enorme Mietpreisvorstellungen. Umnutzungen kann sich Sippel für Nebenstraßen vorstellen, jedoch nicht für Hauptstraßen: "Wer will gerne im Erdgeschoss an einer Hauptverkehrsachse wohnen, mit Lärm, Staub und gaffenden Fußgängern?"