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Jürgen Albiez: Der Junge, den alle „Tuffi“ nannten

Jürgen Albiez erzählt die Geschichte seines Spitznamens : Der Junge, den alle „Tuffi“ nannten

Jürgen Albiez trägt seit seinem zehnten Lebensjahr den Spitznamen „Tuffi“. Wie es dazu kam, hat er in einer Geschichte festgehalten, die er vor Jahren für das Kinder-Gästebuch der Schule Liegnitzer Straße geschrieben hat.

In der Winter-Ausgabe 2018 unseres Top Magazins gab es eine Story über den in Wuppertal geborenen Kinder- und Jugendbuchautor Jürgen Walbrecker, der heute in München lebt. In der Überschrift hieß es „Dirk Walbrecker hat Tuffi immer im Koffer“. Diese Geschichte erreichte jetzt über Umwege den in Wuppertal aufgewachsenen und heute 75-jährigen Jürgen Albiez, der in Quickborn in Schleswig-Holstein zu Hause ist. Jürgen Albiez war in seinen Kindertagen mit Dirk Walbrecker befreundet, und trägt seit seinem zehnten Lebensjahr den Spitznamen „Tuffi“. Wie kam es dazu?

Vor vielen, vielen Jahren lebte in Wuppertal-Barmen ein Junge, der auf einen ordentlichen Namen hörte. Alle Leute riefen ihn bei diesem Namen. Die Eltern und Geschwister, die Tanten und Onkel, ebenso wie die Nachbarn, die Lehrer und die Freunde. Auch Opa und Oma nannten den Jungen so, wie er getauft war.

Doch eines schönen Tages, vor etwa einem halben Jahrhundert, geschah etwas Merkwürdiges, etwas, das den Jungen seinen Namen vergessen ließ: Der Junge spielte nach der Schule gerne mit seinen Freunden in den Ruinen der Westkotter Straße Fangen oder Fußball in der Schwarzen Gasse. Manchmal auch im Nordpark, wo die Mädchen Rollschuh liefen. Auch ging er gerne zum Schwimmen zur Mählersbeck oder in die Kleine Flurstraße. Und dort geschah dann das, wovon diese Geschichte erzählt.

 Jürgen Albiez heute.
Jürgen Albiez heute. Foto: Fotos: Familie Albiez

Der Junge tollte auf dem „Einer--Sprungbrett“ und hüpfte, dass dem Bademeister ob dieser Kühnheit die Haare zu Berge standen. Die Erwachsenen waren entsetzt, weil sie ein Unglück befürchteten. Nur die Kinder fanden das cool (obwohl sie dieses Wort ja noch gar nicht kannten).

Der Bademeister blähte seine Wangen auf und stieß seinen Atem mit rotem Kopf in seine Trillerpfeife. Dabei ruderte er mit seinen Armen in der Weltgeschichte umher und gab unmissverständlich zu verstehen, dass er solche Missetat nicht dulden werde. Doch zu spät, mit einem mächtigen Satz hüpfte der Junge bis fast an die Decke der ehrwürdigen Schwimmhalle. Es sah so aus, als wollte er sich die Badegäste aus der Vogelperspektive ansehen und wie ein Seeadler nach Beute Ausschau halten. Ein wahrhaft majestätischer Anblick.

Wie lange der Junge sich in dieser luftigen Höhe aufgehalten hat, weiß niemand so genau. Alle Schwimmer und Nichtschwimmer staunten aber nicht schlecht, als der Junge zur Landung ansetzte und mit einem gigantischen Plitsch-Platsch ins Wasser eintauchte. Und zwar mit dem Allerwertesten zuerst! So eine Wasserfontäne hatte man an der Wupper noch nie gesehen!

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„Raus, raus!“, schrie der Bademeister empört. „Unerhört!“, bemerkte die Oma mit der gelben Badekappe. „Bin ich hier etwa im Wellenbad?“, scherzte ein anderer Badegast. „Eine Mega-A...bombe“, meinten die Freunde des Jungen begeistert und forderten eine Zugabe.

Als sich die Wogen geglättet hatten und der Wasserspiegel wieder den Erwartungen des Bademeisters entsprach, war die zarte Stimme eines kleinen Mädchens zu vernehmen: „Wie Tuffi!“

Wie wer? Wie Tuffi? Meinte es etwa den kleinen Elefant, den man aus der Schwebebahn in die Wupper geschubst hatte? Ja, den meinte das Mädchen. War das ein sensationeller Vergleich. Keiner hätte es treffender ausdrücken können. Gab es für diese tollkühne Aktion überhaupt Worte? „Wie Tuffi!“, schallte es durch die Halle und das Echo kam aus allen Ecken „Wie Tuffi! Wie Tuffi!“

Von nun an hörte der Junge nur noch auf diesen neuen Namen, denn alle nannten ihn „Tuffi“, als hätten sie seinen richtigen Namen schon vergessen. „Wie Tuffi“, hieß es, als er das erste Mal vom „Zehner“ in der neuen Schwimmoper hüpfte und dieser Name ist dem Jungen lieb geworden. Er sollte ihn auch nie mehr verlieren, auch nicht, als er längst von der Wupper an den Rhein und später an die Elbe gezogen ist. Immer blieb er für alle der „Tuffi“.

Und wenn er nicht ertrunken ist, nennt man ihn wohl heute noch so! Und vielleicht traut er sich auch mal, mit der Schwebebahn zu schweben.