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Musik in der JVA: "Ich habe eine Stimme"

Musik in der JVA : "Ich habe eine Stimme"

In einem Pilotprojekt haben Dozenten und Musik-Studenten der Bergischen Uni mit inhaftierten Jugendlichen der JVA Ronsdorf gearbeitet.

Man spürt sowohl die Begeisterung für das Projekt als auch für das vorläufige Ergebnis, wenn Annette Ziegenmeyer und Andreas Hallmann-Rieger erzählen. Die beiden Lehrenden im Fach Musikpädagogik an der Bergischen Universität haben im vergangenen Sommersemester ein Pilotprojekt an einem außeruniversitären Ort angeboten: in der Justizvollzugsanstalt Ronsdorf.

"Die Idee, über ein Semester lang mit Studierenden ein Musikprojekt für die inhaftierten Jugendlichen zu konzipieren und durchzuführen, entstand aus dem Wunsch, zukünftigen Musiklehrkräften unterschiedliche Arbeitsfelder musikpädagogischen Handelns im Bereich der Sonderpädagogik aufzuzeigen", lautet die Konzeptgrundlage. "Die Königsdisziplin der Sonderpädagogik", nennt es Andreas Hallmann-Rieger im Gespräch.

Annette Ziegenmeyer und er waren lediglich als Begleitpersonen im Hintergrund. Die Ausführenden waren sechs Studentinnen in zwei Gruppen und eben die Teilnehmer: inhaftierte Jugendliche, die in der JVA auch schulisch unterrichtet werden. Gemeinsam mit dem dortigen Koordinator des pädagogischen Dienstes, Frank Zipfel, und dem Lehrer Matthias Dreger wurde das ungewöhnliche Projekt auf den Weg gebracht. "Das bedeutete auch für das gesamte Personal deutliche Mehrarbeit", berichtet Annette Ziegenmeyer. "Aber alle haben uns fantastisch unterstützt." Angefangen bei zahlreichen Formalitäten, die im Vorfeld erledigt werden mussten, über logistische Abläufe und die Sicherheitsmodalitäten vor Ort bis hin zu Vollzugsdiensten. Außerdem wurden einzelne Instrumente wie zum Beispiel Cajons, Kistentrommeln, angeschafft — keine Selbstverständlichkeit.

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Bei den Teilnehmern mussten sich alle "Neulinge" die Kooperation allerdings erst mal erarbeiten. "Wir waren ja da, um vorrangig im Bereich Gesang und Songwriting zu arbeiten", so die Dozentin, "und die Teilnehmer fanden es anfangs doch sehr befremdlich, Stimm- und Atemübungen zu machen." Jedoch entwickelte sich im Verlauf weiterer Termine ein "Geist der Kooperation", wie Andreas Hallmann-Rieger es formuliert. Das lag zum einen sicher auch am sensiblen und trotzdem souveränen Umgang der Studentinnen mit den Teilnehmern, zum anderen an der selbstkritischen Herangehensweise: "Es wurde jeweils viel nachbereitet und reflektiert."

Und Überraschungen gab es auch. So brachte ein Teilnehmer zum Beispiel zu den Proben neue, selbstverfasste Texte mit. Eine gewisse Eigendynamik entstand. "Es wurde auch bei allen viel gelacht", so Annette Ziegenmeyer. "Dieses neue gemeinschaftliche Erleben hat alle gestärkt. Die Teilnehmer haben sich überwunden, haben Mut gewonnen. Auf einmal interessiert sich da jemand für sie und bringt ihnen Wertschätzung entgegen. Und sie merken: Ich habe eine Stimme und meine Stimme kann was!"

Und Andreas Hallmann-Rieger, selber begeisterter Musiker, schwärmt auch vom Ergebnis: einmal ein Mashup, ein Mix aus Lieblingssongs der Jugendlichen, einmal ein Rap-Song zum Thema Freiheit. "Mit einem wirklich ergreifenden Text." Beide Stücke wurden aufgenommen und den Teilnehmern abschließend als CD überreicht.

"Der Höhepunkt einer durchweg von Wertschätzung und Anerkennung geprägten Atmosphäre in den Proben, in denen die Jugendlichen zunehmend an Selbstvertrauen gewannen und wichtige Kompetenzen wie zum Beispiel soziale Umgangsformen und Ausdrucksvermögen lernten." So verfasst für eine erste Zwischenbilanz, wird das Projekt doch auf jeden Fall langfristig fortgesetzt, als Kooperation zwischen der Bergischen Universität und der JVA Ronsdorf, unterstützt von der Anstaltsleiterin Karin Lammel.