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Verdächtiger Gegenstand an der Schloßbleiche: Die wichtigsten Fakten zur Kampfmittelbeseitigung

Verdächtiger Gegenstand an der Schloßbleiche : Die wichtigsten Fakten zur Kampfmittelbeseitigung

Ein Bohrkopf ist an der Schloßbleiche auf Metall gestoßen. Liegt etwa eine Fliegerbombe oder eine Granate in Elberfeld? Und wie geht so eine Kampfmittelbeseitigung vonstatten? Die Bezirksregierung Düsseldorf hat Antworten auf die wichtigsten Fragen gegeben.

Von wie vielen noch verborgenen Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg geht man aus?

Eine wirklich belastbare Zahl gibt es hier nicht. Bezogen auf ein Flächenland wie NRW ist eine Aussage nicht seriös möglich. Pauschal lässt sich aber sagen, dass im Zweiten Weltkrieg etwa 2,7 Millionen Tonnen abgeworfen wurden (inklusive aller Brand- und sonstiger Munition), davon etwa die Hälfte auf deutsches Reichsgebiet und davon nochmals knapp die Hälfte auf NRW. Allerdings ist für die Kampfmittelbeseitigung aus diesen Zahlen kaum belastbarer Nutzen zu ziehen, da Flächen auch mehrmals angegriffen wurden.

Wie viele davon sind vermutlich noch scharf?

Hierüber gibt es keine Erkenntnisse, auch Schätzungen sind nicht möglich.

Warum gibt es eigentlich Blindgänger?

Vermutlich waren technische Defekte die Ursache. Manchmal wurden die Bomben beim Abwurf auch nicht entsichert.

In welcher Tiefe liegen sie meist?

In der Regel sind Bomben beim Abwurf bis zu acht Meter in den Boden eingedrungen. In welcher Tiefe Bomben und andere Kampfmittel schlussendlich gefunden werden, ist sehr unterschiedlich. Es kommt u.a. auf die Bodenbeschaffenheit an. Zudem müssen Bodenbewegungen der letzten Jahrzehnte berücksichtigt werden.

Welche Wucht kann eine Fliegerbombe bei der Detonation entfalten?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es kommt immer auf den Zustand, das Gewicht und die jeweilige Lage an. Liegt sie noch im Erdreich? Wenn ja, wie tief? Um welches Erdreich handelt es sich? Wie ist die Ausrichtung? Dies sind u.a. Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.

Handelt es sich bei den Blindgängern um verschiedene Bombenarten oder sind sie mehr oder weniger gleich und auch gleich zu entschärfen?

Grundsätzlich lässt sich bei den Blindgängern zwischen hauptsächlich britischem und amerikanischem Ursprung und wenigen deutschen unterscheiden, die in der Größe variieren. Bei diesen Sprengbomben gibt es solche mit Aufschlagzündern oder Langzeitzündern. Letztere werden von uns auf Grund der Unberechenbarkeit meist nicht entschärft, sondern direkt gesprengt.

Handelt es sich bei den Kampfmittelfunden immer um Blindgänger oder können es auch unterirdische Waffenlager oder ähnliches sein?

Kampfmittel ist der Oberbegriff. Hierunter zählen neben Bomben aller Art auch z.B. Granaten, Minen, Handgranaten, Infanteriemunition oder Munitionsteile.

Kann es vorkommen, dass eine Bombe explodiert, ohne dass gerade Bauarbeiten stattfinden?

Selbstdetonationen von Kampfmitteln sind glücklicherweise äußerst selten. Verbleiben Blindgänger unbewegt im Erdreich, ist damit nicht zu rechnen.

Wie oft wurden in den vergangenen Jahren Personen durch Blindgänger des Zweiten Weltkriegs verletzt bzw. sogar getötet?In

NRW ereignete sich der letzte Unfall beim Entschärfen einer Fliegerbombe im Jahr 1965. Jede Entschärfung birgt ein Risiko, deshalb werden die gefährdeten Bereiche vor der Entschärfung evakuiert und — soweit möglich — Fernentschärfungsverfahren eingesetzt. Leider ist Anfang 2014 in Euskirchen ein Baggerfahrer durch die Detonation einer Bombe ums Leben gekommen. Die meisten Unfälle ereignen sich aber mit Brandmunition. Hier gibt es fast jedes Jahr Unfälle, bei denen Personen durch das Einatmen von Phosphordämpfen bzw. Brandgasen verletzt werden.

Woran wird festgemacht, ob ein Baugrundstück auf Kampfmittel überprüft wird?

Die jeweilige Kommune ist als örtliche Ordnungsbehörde für die Gefahrenabwehr zuständig und entscheidet, ob wir vor geplanten Bauarbeiten beteiligt werden. Stellen wir durch die Luftbildauswertung fest, dass es einen Kampfmittelverdacht gibt, so entscheidet die Kommune in der Regel auch, dass das Grundstück weiter untersucht wird.

Warum gibt es nur bei geplanten Bauvorhaben Überprüfungen und warum wird nicht ganz NRW systematisch auf Kampfmittel untersucht?

Die Vielzahl der anlassbezogenen Anträge auf Luftbildauswertung und die zeitaufwendige Interpretation nehmen die personellen und zeitlichen Kapazitäten bereits voll in Anspruch und lassen eine systematische Auswertung aller 320.000 Luftbilder für NRW nicht zu.

Wie läuft eine Prüfung vor Ort genau ab?

Zunächst erfolgt eine Luftbildauswertung. Hierfür verfügen wir über Luftbilder der alliierten Streitkräfte, die gegen Ende bzw. kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurden. Diese werden mit aktuellen Luftbildern und verfügbaren Geodaten abgeglichen. Bei der Auswertung lassen sich z.B. Laufgräben, Schützenlöcher und auch Einschlagstellen von Bombenblindgängern erkennen. Diese Stellen werden dann vor Ort durch uns untersucht. Mit Hilfe von geophysikalischen Messverfahren versuchen wir im unmittelbaren Umfeld die Einschlagstelle den Bombenblindgänger im Untergrund zu lokalisieren. Diese Messungen werden entweder an der Oberfläche oder mit der Hilfe von Bohrungen über Bohrlöcher durchgeführt. Wenn sich hierbei ein Hinweis auf einen Bombenblindgänger ergibt, so wird der Bereich anschließend aufgegraben. Für diese Untersuchungen setzen wir neben unseren eigenen Mitarbeitern auch gewerbliche Kampfmittelräumfirmen ein.

Welche Schwierigkeiten können dabei auftreten?

Unsere Suchverfahren haben technische Grenzen. Die Detektion kann erschwert werden, wenn sich im Boden in unmittelbarer Nähe zur Verdachtsstelle Störfaktoren, wie Versorgungsleitungen oder Schuttreste befinden. Das Freilegen der Bombe kann unter Umständen ebenfalls Schwierigkeiten bereiten, je nachdem wie das Erdreich und die Umgebung beschaffen sind.

Wie ist das Verhältnis zwischen Zufallsfunden und Funden durch gezielte Suche?

Die meisten Kampfmittel werden durch gezielte Suchmaßnahmen geborgen. Allerdings gibt es auch zahlreiche Zufallsfunde. Diese gibt es sowohl in Bereichen, in denen wir auf Grund der Störfaktoren nur begrenzt suchen können und auch in Bereichen, in denen keine Kampfmitteluntersuchung durchgeführt wurde, wie z.B. auf Äckern bei der Ernte oder in Wäldern. Gerade im Herbst werden wir z.B. häufig von Pilzsammlern über Kampfmittelfunde informiert.

Was läuft im Vorfeld einer Entschärfung ab?

Bei einer Entschärfung oder Sprengung legen unsere Mitarbeiter in Absprache mit der Ordnungsbehörde fest, welcher Bereich evakuiert werden muss und in welchen Bereichen der Aufenthalt im Freien untersagt wird. Die Größe dieser Bereiche ist im Wesentlichen abhängig von der konkreten Lage der Bombe und der Sprengstoffmasse. Die Ordnungsbehörde evakuiert die Bereiche und sperrt in Abstimmung mit der Polizei die Straßen. Dabei setzt die Ordnungsbehörde neben dem Personal des Ordnungsamtes oftmals auch Kräfte der Feuerwehr oder Hilfsorganisationen ein, z.B. für den Transport von betreuungsbedürftigen Bewohnern oder Patienten. Ist die Evakuierung abgeschlossen, entschärfen unsere Mitarbeiter die Bombe.

Wer trägt die Kosten für Luftbildauswertung, Suche und Beseitigung von Kampfmitteln?

Die Kosten für alle Arbeiten, die unmittelbar mit der Kampfmittelbeseitigung zusammen hängen, trägt das Land NRW, bis auf eine Ausnahme: Auf Liegenschaften des Bundes und ehemaligen Liegenschaften des Bundes trägt das Land die Kosten nicht. Diese Form der Kostenteilung hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Staatspraxis entwickelt. Bei den Kosten für die Evakuierung handelt es sich nicht um Kosten, die unmittelbar der Kampfmittelbeseitigung angerechnet werden. Diese übernehmen die Kommunen.