Jugend-Projekte im Quartier: Dabei ist Oberbarmen so viel mehr

Jugend-Projekte im Quartier : Dabei ist Oberbarmen so viel mehr

Die Vielfalt ist das, was den Stadtteil ausmacht, da sind sich Marc Ossenbrink und Karla Spennrath ziemlich sicher. "Über 90 Nationen leben in Wichlinghausen und Oberbarmen", erklären die Mitarbeiter des Jugendmigrationsdienstes.

Und die leiden unter dem schlechten Image des Stadtteils.

"Viele Wuppertaler reduzieren Oberbarmen nur auf den Berliner Platz", beklagt sich Karla Spennrath. Dabei ist Oberbarmen so viel mehr. Die Färberei, die Pflanzbar an der Hilgershöhe, das BOB Kulturwerk und natürlich die Menschen. "Ja, vor allem die Menschen sind es, die den größten Kontrast zum Berliner Platz darstellen." Um die Lebenssituation dieser Menschen zu verbessern und den Zusammenhalt zu stärken, initiiert der Jugendmigrationsdienst, mit Unterstützung des Internationalen Bunds, drei Mikroprojekte im Stadtteil. Das erste Projekt startete bereits Mitte September.

"Die Flotte" klingt nach Abenteuer und Aufbruch, und genau das soll es auch sein. Eine Fahrrad-Flotte, die gemeinsam den Stadtteil auf zwei Rädern erkundet, sich neue Wege und neue Ziele im Quartier sucht und Touren organisiert. Wer kein eigenes Fahrrad hat, bekommt eines vom Radbahnhof Wichlinghausen. BMX-Training und eine Flotten-Fahrradprüfung, um sicher durch den Stadtteil zu kommen, sind ebenfalls geplant.

Für Jugendliche, die weniger sportlich und lieber künstlerisch unterwegs sind, initiiert der Jugendmigrationsdienst das Graffitiprojekt "Stenciled" im Quartier. Dabei lernen junge Wuppertaler nicht nur das Graffiti-Handwerk und entwickeln ihr eigenes "Piece", sondern erschließen zusätzlich gemeinsam Flächen im Quartier, die legal von ihnen gestaltet werden dürfen. "Wir wollen damit illegales Graffiti im Stadtteil stoppen und gleichzeitig Orte zeigen, an denen Sprayen erlaubt ist", erklärt Karla Spennrath. Die Identifikation mit dem Quartier steht bei allen drei Mikroprojekten im Vordergrund. Junge Oberbarmer und Wichlinghauser mit und ohne Migrationshintergrund sollen sich selbst ein Quartier schaffen, in dem sie gerne leben wollen.

Belebte Ladenlokale gehören natürlich auch zu einem lebenswerten Viertel dazu, und genau die fehlen in Wichlinghausen. Viele Leerstände im Viertel sind aber gleichzeitig leerer Raum für kreative Ideen. "Ob und wi(e) — Orte, Träume, Räume" heißt das dritte Mikroprojekt, in dem Leerstände aufgespürt und künstlerisch-digital in Szene gesetzt werden sollen.
Eine Art Kulturrevolution von unten, das ist eine Vision von Marc Ossenbrink und Karla Spennrath. "Es gibt viele Menschen im Stadtteil, die bemüht sind, das Quartier für sich schön zu machen. Unsere Stadtteilkonferenzen sind immer besonders voll", sagt Karla Spennrat. Sie hofft, dass etwas von ihrer Begeisterung für Oberbarmen und Wichlinghausen auch auf die Teilnehmer der drei Projekte abfärbt.

Alle drei Projekte haben Ende September begonnen und werden in den Herbstferien fortgesetzt. Wer Interesse hat, meldet sich einfach unter 02 02/281 56 558 oder schreibt eine E-Mail an karla.spennrath@ib.de.