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Aus dem Tagebuch der Redaktion: Contra Hass

Aus dem Tagebuch der Redaktion : Contra Hass

Der Mensch ist der, der interessiert. Als Journalistin liebe ich den Umgang mit Menschen. Ich höre ihre Beweggründe, ihre Sorgen und Wünsche und mache ihre Geschichten zu meinen Texten.

Ich begegne ihnen auf der Straße, im Café — und seit kurzem auch im Netz. Manche von denen sitzen gerade im Bett, vor dem Fernseher oder am Mittagstisch. Und sie denken, ich sehe sie nicht. Dabei bin ich gerade ihnen näher als jedem anderen in der Schwebebahn. Ich sehe ihre Gesichter, ihre Arbeitgeber, ihre Hunde und Kinder. Diese Menschen schreiben von daheim, aus einer scheinbaren privaten Sicherheit heraus, auf unsere Facebook-Seite.

Einige von ihnen beleidigen Menschen mit anderer Herkunft, anderen politischen Überzeugungen und Meinungen. Und wenn ich eingreife, beleidigen sie mich und unsere Zeitung. Sie rügen ohne Rücksicht auf Grammatik und Rechtschreibung den "miesen Journalismus". Und sie merken nicht einmal, wie sie diesen Vorwurf selbst der Lächerlichkeit preisgeben.

Diese Wut ist nicht schön, aber ich komme damit klar. Manchmal schaue ich mir diese Menschen genau an. Ich sehe ihre Gesichter und ihre Bilder aus dem letzten Urlaub. Sie zeigen mir ihr inszeniertes Leben und gleichzeitig ihre hässlichste Seite. Und so sehr mich der Mensch interessiert, bilden diese Leuten die Ausnahme. Wer andere Nationalitäten und Meinungen nicht achtet, wer nicht argumentiert, sondern leere Hassbotschaften verschickt, dessen Sorgen und Wünsche erreichen mich nicht.