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Frisuren-Projekt: "Bellissima" hübscht auch die Seele auf

Frisuren-Projekt : "Bellissima" hübscht auch die Seele auf

Bei dem Projekt "Bellissima" können Friseure sozial schwachen Frauen eine neue Frisur und ein gestärktes Selbstwertgefühl schenken. Die Gründerin ist Daniela Canta, Privatperson, zweifache berufstätige Mutter.

Sie sagt: "Dass Frauen in der Gesellschaft hinten anstehen, möchte ich nicht hinnehmen."

Auf einmal liegt vor Daniela Canta dieser hässliche Satz, mitten auf ihrem Schreibtisch. "Die Armut ist weiblich." Er steht auf einer Broschüre, die ihr Arbeitgeber, "der Paritätische" herausgegeben hat. Die Sachbearbeiterin stutzt, nimmt sie in die Hände und beginnt zu blättern. Ein paar Seiten weiter liest sie: "Packen wir es an." Und in diesem Moment hat es bei der 35-Jährigen "Klick" gemacht. Diesen Schlüsselmoment erlebte die Wuppertalerin im Dezember.

Seitdem ist viel passiert. Die zweifache Mutter hat die Initiative "Bellissima" gegründet, die schwachen Frauen eine Auszeit nur für sich — und vielleicht die nötige Unterstützung auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben — schenken soll. "In Kooperation mit sozialen Organisationen vermitteln wir Frauen an Friseure, die sie zum Beispiel für ein Vorstellungsgespräch kostenlos hübsch machen", erklärt Canta die "Bellissima"-Idee.

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Erst vor ein paar Tagen lagen dicke Briefe in der Post. In dem einen die Gutscheine, die die Frauen bekommen sollen. "Dies ist ein Liebesbrief an dich selbst", steht da in geschwungenen Lettern. Es soll eben nicht bedürftig aussehen, sondern Zeichen von Solidarität und Wertschätzung sein. Aus dem zweiten Umschlag zog Daniela Canta die Urkunden, die die teilnehmenden Friseure erhalten werden. Denn soziales Engagement sei für die Salons auch ein Aushängeschild. Unter Urkunden und Gutscheinen das "Bellissima"-Logo mit dem E als geschwungener Welle, das eine Grafikdesignerin aus Stuttgart entworfen hat. "Ich habe im Netz um ehrenamtliche Unterstützung geworben", sagt Canta, immer noch überwältigt von der Mühe der Stuttgarterin und dem wunderschönen Resultat.

Auch in Wuppertal hat sie für "Bellissima" bereits weibliche Unterstützung gefunden: Barbara Steins erfährt in ihrem Job seit Jahren, dass Frauen häufiger von Armut bedroht sind als Männer. Sie ist Leiterin des Bereichs "Arbeit und Qualifizierung" beim gemeinnützigen Verein Alpha. "Wir bekommen Kinder", nennt sie den entscheidenden Fakt, der es Frauen oft viel schwerer macht, zum Beispiel wieder zurück in den Beruf zu finden. Alpha vermittelt solche Frauen in Maßnahmen, die sie für den Weg in den Beruf fit machen. Barbara Steins wird an genau diese Teilnehmerinnen die "Bellissima"-Gutscheine verteilen. "Denn dass Frauen sich zum Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch optisch wohl fühlen, kann für den Erfolg entscheidend sein", sagt Steins. Dass sich um "Bellissima" gerade ein rein weibliches Netzwerk bildet, findet sie übrigens gar nicht schlimm: "Männer verstehen es seit Jahrhunderten, sich gegenseitig nach vorne zu bringen. Zeit, dass wir es ihnen gleich tun."

Daniela Canta sucht Friseure, die sich bei "Bellissima" engagieren wollen. Mehr Infos gibt sie gern per Mail: projekt.bellissima@gmail.com