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Debatte um das Osterholz: Was bedeutet eigentlich „Verlust“?

Debatte um das Osterholz : Was bedeutet eigentlich „Verlust“?

Betr.: Debatte um das Osterholz

Nachdem die Firma Oetelshofen bekanntgegeben hat, dass ihnen der Planfeststellungsbeschluss zur Genehmigung der Haldenerweiterung vorliegt, für die sie fünf Hektar Wald mit altem Baumbestand des schönen Osterholzes abholzen wollen, äußern sich die Geschäftsführer in der Wuppertaler Rundschau wie folgt: Die entstehende Halde werde wieder „großflächig aufgeforstet, so dass es letztendlich keinen Verlust an Waldfläche“ gebe.

 Nach dieser Logik können wir auch das Briller Viertel abreißen, denn wenn wir statt der alten historischen Gründerzeitvillen Neubauten dort hinstellen, haben wir letztendlich auch keinen Verlust von Wohnfläche.

 Vielleicht sollte man das Wort „Verlust“ aber etwas vielfältiger interpretieren. Wenn ein alter Wald mit vielen 70 Jahre alten Buchen, einige sogar bis 140 Jahre alt, einer Abraumhalde des Kalkabbaus weichen muss, dann ist das ein Verlust von altem Baumbestand, ein Verlust von Lebensraum für Tiere, ein Verlust von Erholungsraum für Menschen, ein Verlust von Wanderwegen, ein Verlust von einem Teil der grünen Lunge Wuppertals, ein Verlust von Grün, ein Verlust von Nachhaltigkeit, ein Verlust von Denken an die Kinder und die nachfolgenden Generationen, ein Verlust von Zukunft – denn die Kalkwerke bauen noch maximal 20 Jahre ab, die alten Bäume könnten uns aber noch länger helfen.

 Von mir aus darf das Briller Viertel gerne stehen bleiben. Es soll sogar unbedingt! Aber das Osterholz bitte auch.

Denn alte Villen und alte Wälder kommen nicht zurück!

 Marina Jenkner