Leserbrief „Jetzt ist das Geheule groß“

Wuppertal · Betr.: E-Roller/E-Scooter-Debatte in Wuppertal

Symbolbild.

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Foto: Rundschau

Jetzt ist das Geheule groß. Überall in der Stadt stehen diese E-Roller. Gedacht waren sie mal zur Ergänzung des Nahverkehrs. Verbindungen schaffen, die der ÖPNV nicht bedient.
Die Grundidee ist toll, die Umsetzung ist schlicht mangelhaft. Und unnötigerweise mit Ansage.

Spulen wir zurück. Am 27. Juli 2021 habe ich selbst über fragdenstaat.de die Stadt Wuppertal dazu befragt, wie sie sicherstellen wollen, dass es eben kein Chaos geben wird. Es folgte eine juristisch überhaupt nicht falsche Stellungnahme, welche aber erahnen ließ, dass man sich null damit auseinandergesetzt hat, wie man die Dinge gestalten möchte.

Blicken wir an den Rhein, in die Landeshauptstadt, die ich seit Mitte letzten Jahres mein Zuhause nenne. In Düsseldorf lernt man schneller. In einer der ersten Phasen hat sich die Stadt Düsseldorf damit begnügt, an die Anbieter zu kommunizieren, wo man die E-Scooter abstellen darf. Dies geschah über ein offenes Werkzeug zum Managen des Verkehrs im öffentlichen Raum. Wie gut hat das funktioniert? Darüber wird auch in Düsseldorf lebhaft debattiert.

In der Innenstadt jedenfalls hat die Stadt Düsseldorf die Zügel angezogen. Die Zonen, wo man die E-Roller und Räder abstellen darf, sind nun erheblich kleiner, aber dafür ausgeschildert und mit Bodenmarkierungen versehen worden. Die Situation mit den E-Rollern hat sich durch diese Sharing-Stationen spürbar verbessert. Es gibt noch immer Bereiche, wo die Roller durchaus freier und flexibler abgestellt werden dürfen. Aber das gibt es nur noch dort, wo auch Platz dafür ist. Der Stadtrat hat sich mehrfach und erfreulich konstruktiv damit auseinandergesetzt und Regelungen geschaffen, die jetzt von anderen Städten kopiert werden.

Bonn übernimmt nun das Düsseldorfer Modell mit als erste Kommune. Stellenweise opfert man sogar PKW-Parkplätze für diese Sharing-Stationen. Ich weiß, in Wuppertal wäre dies ein Sakrileg! Die Unsitte, Parkplätze zugunsten von Fahrradabstellbügel wegfallen zu lassen, trieb schon so manchen autofahrenden Mistgabelträger in die Telefonleitungen der hiesigen Stadtverwaltungen.

Was lernt die Stadt Wuppertal gerade? Wir wissen es nicht. Die Stadt Wuppertal war noch nie gut darin, auf Augenhöhe mit ihren Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren (eines der Hauptgründe für meinen Wegzug), und das wird sich auch bei diesem Thema nicht ändern. Auf der Seite der Stadt bis heute kein Kommentar über den Frust der Menschen. Auf beiden Seiten im Übrigen.

Denn nicht nur die Abstellsituation ist ja in der Kritik, sondern auch die Situation im rollenden Verkehr. Würde man sich im Stadtrat zur Abwechslung auf die Umsetzung des hart erarbeiteten Radverkehrskonzeptes konzentrieren, anstatt um parteipolitische Machtspielchen, könnten wir damit auch bereits viel erreichen, denn mit den E-Rollern darf man auf den Radwegen fahren.

Aber nööö, man will ja lieber auf die Autofahrerlobby hören und vergrößert sich selbst ja auch, indem man die WSW den ÖPNV weiter kaputttrampeln lässt.

Benedikt Matthes

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