Briefe von Leserinnen und Lesern „Mehr miteinander reden, mehr Rücksicht nehmen“

Wuppertal · Betr.: E-Scooter – und weitere diskussionswürdige Themen

So geht es auch: Mehrere E-Scooter stehen ordentlich zusammen und lassen den Gehweg frei.

Foto: Jan Hendrik Wegermann

Seit Monaten lese ich immer wieder Beiträge darüber, wie schlimm E-Scooter und ihre Fahrer für unsere Stadt seien. Ich kann den Ärger darüber durchaus verstehen. Auch ich ärgere mich, wenn ein Roller mitten auf dem Gehweg liegt oder so abgestellt wurde, dass man mit einem Kinderwagen oder Rollator kaum vorbeikommt.

Trotzdem möchte ich einmal meine persönliche Sicht schildern. Ich selbst nutze E-Scooter regelmäßig und bin froh, dass wir diese Möglichkeit in Wuppertal haben. Für mich sind sie eine praktische Ergänzung zu Bus, Fahrrad und Auto. Deshalb finde ich es schade, wenn aus dem Ärger über einzelne falsch abgestellte Roller schnell eine grundsätzliche Ablehnung von E-Scootern und ihren Nutzern wird.

Natürlich müssen die bestehenden Regeln eingehalten werden. Wer einen Roller fährt, trägt Verantwortung dafür, ihn vernünftig abzustellen. Gleichzeitig sollten wir nicht automatisch davon ausgehen, dass der Fahrer selbst für jeden Roller verantwortlich ist, den wir irgendwo sehen. Ich habe auch schon Roller gesehen, die offensichtlich umgeworfen oder bewusst quer auf dem Gehweg platziert wurden. Auch das sollte man bei der Diskussion berücksichtigen, bevor man vorschnell den Nutzer verantwortlich macht.

Genau deshalb finde ich den Weg, den die Polizei zuletzt am Kasinokreisel gegangen ist, richtig. Dort wurde ein öffentlicher Stand eingerichtet, um E-Scooter-Fahrer direkt anzusprechen, über die bestehenden Regeln zu informieren und aufzuklären. Genau solche Aktionen würde ich mir häufiger wünschen. Miteinander ins Gespräch kommen, erklären und sensibilisieren und dort, wo Regeln bewusst missachtet werden, natürlich auch konsequent handeln.

Ich wohne selbst auf dem Rott und kenne das Problem falsch abgestellter Roller. Auch ich ärgere mich darüber. Aber ich glaube, wir sollten dabei beide Seiten sehen: den Menschen, der den Roller nutzt, und den Menschen, der dadurch vielleicht behindert wird. Ein bisschen mehr Verständnis füreinander würde uns allen guttun.

Für mich ist das eigentlich ein viel größeres Thema als nur E-Scooter. Wenn ich durch Wuppertal gehe, gibt es viele Dinge, über die ich mich täglich ärgere: Hundekot auf dem Gehweg, volle Hundekotbeutel im Wald, Müll neben Containern oder in Gebüschen und Sperrmüll, der über die Straße verteilt wird. Auch offene Bücherschränke und Tauschstellen, die eigentlich für die Gemeinschaft gedacht sind, werden teilweise mutwillig beschädigt oder leergeräumt.

All diese Beispiele zeigen für mich, dass wir nicht jedes Problem allein durch neue Vorschriften lösen können. Viel wichtiger ist, dass jeder Einzelne ein Stück Verantwortung für sein Verhalten und für den gemeinsamen öffentlichen Raum übernimmt.

Wer einen E-Scooter nutzt, sollte sich bewusst sein, dass sein Verhalten andere Menschen beeinträchtigen kann. Wer einen falsch abgestellten Roller sieht, sollte aber auch nicht gleich alle Nutzer verurteilen. Wenn ein Roller im Weg steht und es problemlos möglich ist, ihn ein Stück zur Seite zu stellen, kann auch das ein kleiner Beitrag zu einem besseren Miteinander sein.

Mir geht es nicht darum, Fehlverhalten schönzureden. Mir geht es darum, dass wir nicht immer sofort gegeneinander arbeiten. Wuppertal ist unsere gemeinsame Stadt, und der öffentliche Raum gehört uns allen. Mehr miteinander reden, mehr Rücksicht nehmen und weniger pauschal verurteilen. Vielleicht kommen wir damit weiter als mit der nächsten neuen Verordnung.

Denn am Ende geht es nicht nur um E-Scooter, sondern darum, wie wir miteinander in Wuppertal leben wollen.

Jan Hendrik Wegermann

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