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Schauspielensemble: Kostlich, der Humor, kostlich!

Schauspielensemble : Kostlich, der Humor, kostlich!

Mit "Pension Schöller" bringt das Schauspielensemble einen Komödien-Klassiker auf die Bühne des Opernhauses. Dank eines ausgelassenen Ensembles ist die überdrehte Inszenierung sehenswert.

Es beginnt ganz luftig-leicht. Ein Kellner mit buschigem Schnauzer und ebensolchen Augenbrauen trägt ein Tablett eiligen Schrittes über die Bühne. Dabei weht ihm die Papierserviette immer wieder vors Gesicht. Doch er ist nicht dumm, dreht sich um und geht einfach rückwärts. Was mit so zart-poetischem Spiel beginnt, entwickelt sich in den darauffolgenden zwei Stunden zu einer handfesten Komödie mit allem, was eben so dazu gehört: Verwechslung, Sprachfehler, Slapstick. Denn die Zuschauer tauchten am vergangenen Wochenende ein in die Welt der "Pension Schöller", die das Schauspielensemble auf die Bühne des Opernhauses brachte.

Damit griff Intendant Thomas Braus auf einen wahren Komödienklassiker zurück. Zahlreiche Verfilmungen und bis heute kaum ein Theater, das den Stoff von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby von 1890 nicht in den Spielplan aufnimmt. Kein Wunder, bietet die "Pension Schöller" einerseits alle nötigen Zutaten für Schenkelklopfer und Brüller aller Art, liefert aber durch seine Frage nach "Was ist verrückt, was normal?" zugleich einen noch immer zeitgemäßen Ansatz.

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Der Gutsbesitzer Klapproth (Stefan Walz) möchte zu gerne einmal von seinem Neffen Alfred (Alexander Peiler), den er dafür finanziell bei einer Geschäftsgründung zu unterstützen verspricht, eine Irrenanstalt von innen gezeigt bekommen und echte Irre erleben. Zusammen mit Francesco bzw. Francesca Schöller (Julia Reznik), der Tochter des Pensionsinhabers (Thomas Braus) beschließt Alfred, ihm die Pension Schöller zu zeigen, deren Gäste allesamt ziemlich exzentrisch sind.

So begegnet Klapproth dort der mannstollen Schriftstellerin Josephine Zillertal (Philippine Pachl), einem weltreisenden Großwildjäger (Konstantin Rickert), einem ehemaligen General (Miko Greza) und dem angehenden Schauspieler mit Sprachfehler (Martin Petschan). Und der Plan geht auf: Der Gutsbesitzer, der die Gäste wirklich für irre hält, amüsiert sich prächtig. Die Situation eskaliert allerdings, als Klapproth, zurückgekehrt zu seiner gouvernantenhaften Schwester (Lena Vogt) auf sein Gut, von diesen vermeintlichen Irren besucht wird...

Regisseur Alexander Marusch verlegt die Pension in eine Art Nobelitaliener, bei dem sich vor dem Florenz-Panorama auf Fototapete die illustren Künstler-Gestalten treffen. Da begrüßt Schöller seinen Gast mit dem typisch italienischen Akzent. Bietet — ganz so, wie es der Deutsche in seinem Stammlokal liebt — einen Limoncello auffe Hausse — und schmiert dem treudoofen Klapproth immer wieder Honig ums Maul "Kostlich, der Humor, kostlich!" Das ist alles schön gedacht und auch durchaus unterhaltsam mitanzusehen, bleibt jedoch irgendwie ungenutzt in diesen Ansätzen stecken. Einen Sinn ergibt das aber nicht.

Auch nicht, als zum Ende ein Hitlergruß angedeutet und darüber sinniert wird, alle Verrückten wegzusperren, steht das irgendwie isoliert. Ja, die Verrückten sind normal, die Norm

len sind verrückt und gefährlich — aber das ist dann doch etwas zu platt.
Gregor Sturm hat dazu ein kluges Bühnenbild geschaffen. Was im ersten Teil eine edle Fauteuillandschaft im Luxus-Italiener (bzw. Irrenhaus) ist, zeigt im zweiten Teil als Gut von Klapproth — von hinten — ein verschachteltes Labyrinth. Verkehrte Welt also auch hier. Die Kostüme dazu sind grotesk überzeichnet, die Figuren somit fast eine Karikatur. Das angestaubte Stück erhält so einen moderneren Anstrich. Dem Humor hilft es allerdings nicht auf die Sprünge.

Das ist wirklich schade, denn das Ensemble beweist eindeutig Spiellaune und hat Spaß an der Übertreibung. Allen voran Martin Petschan avanciert mit seinem Sprachfehler — statt eines "L", kann er nur "N" sprechen — zum Publikumsliebling. Mit Vorliebe zur Deutschen "Knassik" rezitiert er etwa "Hamnet": "So nimm deinen Weg in ein Knoster, Ophenia!" Aber auch Stefan Walz als "Normalo" inmitten dieser überzeichneten Figuren gelingt eine beeindruckende Präsenz.

Abgesehen vom leider etwas halbgaren Regiekonzept, ist die "Schöller"-Inszenierung im Opernhaus einfach ausgelassen gespielte, leichte Kost. Nach den spannenden und herausfordernden Stücken im Kleinen Haus, gerade richtig, um möglichst viele — und andere — Theaterfans ins Opernhaus zu locken.