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Wie verändert Corona unseren Alltag? Krankenschwester erzählt

Wie verändert Corona unseren Alltag? - Wuppertaler erzählen : „Wir waren schon immer ‚systemrelevant’“

Wie verändert die Corona-Krise unseren Alltag? Wir haben nicht mit Politikern und Entscheidungsträgern gesprochen, sondern mit „ganz normalen“ Wuppertalerinnen und Wuppertalern, die erzählen worüber sie sich in letzter Zeit gefreut haben, was sie verärgert hat und worüber sie sich Sorgen machen. Ihre Antworten haben wir aufgeschrieben.

Eine Gesundheits- und Krankenpflegerin aus Wuppertal:

„Natürlich freut es mich, dass unser Berufsstand endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Allerdings finde ich es auch irgendwie traurig, dass es erst eine Pandemie braucht, damit unser Job als „systemrelevant“ angesehen wird. Das waren wir schon immer und werden es auch nach der Corona-Krise weiterhin sein. Es wäre toll, wenn wir auch in Zukunft weiterhin wertgeschätzt werden würden. Plakate und Banner mit Grüßen und das abendliche Klatschen an offenen Fenstern, das sind alles tolle Gesten, aber wer uns und unsere Arbeit wertschätzt, sollte uns einfach in Ruhe unseren Job machen lassen. Haltet Euch bitte an Besuchsverbote. Wenn Ihr in die Notaufnahme kommt und länger warten müsst, macht bitte keinen Stress. Die Abläufe dort folgen einem bestimmten System. Diskutiert nicht mit uns, während wir versuchen unsere Patienten trotz der Corona-Situation bestmöglich zu versorgen. Wenn wir Patienten genesen entlassen und von ihnen die Rückmeldung bekommen, dass sie sich trotz der aktuellen Krise und den besonderen Umständen großartig von uns versorgt gefühlt haben, dann ist das unser größtes Lob.

Und ganz wichtig: Schaut einfach mal über den Tellerrand! Hinter jedem Job steckt auch ein Mensch mit Persönlichkeit. Ich bin nicht nur Krankenschwester. Mich ärgert es, wenn ich immer nur gefragt werde, ob wir denn Covid-19-Fälle in der Klinik haben. Ob die Notaufnahme voll sei, oder wir noch genug Schutzausrüstung haben. Mich würde es freuen, wenn Menschen fragen würden, wie es mir geht nach einer Woche Nachtdienst oder einer Schicht in der Ambulanz. Das gilt nicht nur für mich. Denkt zum Beispiel an Euren Post- bzw. Paketboten, der auch Tag für Tag raus muss, damit Ihr Briefe und Bestellungen erhaltet. Jeder ist systemrelevant, wir sollten nicht klassifizieren.

Nett gemeint, aber klatschen ist nicht notwendig. Seid in Gedanken bei den Menschen. Wenn Ihr sie kennt, ruft sie an, schreibt sie an, fragt sie, wie es ihnen geht, ob Ihr etwas für sie tun könnt. Ich denke oft an meine Großeltern und halte telefonisch Kontakt zu ihnen, da ich sie zurzeit leider nicht besuchen kann. Besonders gefreut hat mich eine liebe Geste einer Nachbarin. Sie hat mir gezeigt, dass sie an mich denkt, indem sie mir einen Vergissmeinnicht mit einer netten Botschaft vor die Tür stellte. Danke!“