1. Corona Virus

Ev. Kirchenkreis Wuppertal: Jugendliche dürfen nicht abgehängt werden

Corona-Pandemie : „Jugendliche dürfen nicht abgehängt werden“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen Jugendarbeit im Kirchenkreis Wuppertal machen auf die Not bei den Jugendlichen aufmerksam, die durch die Corona-Einschränkungen entstehen. Stellvertretend für die Evangelische Kinder- und Jugendarbeit wurden vier Kolleginnen und Kollegen zu ihren Erfahrungen befragt.

Pandemiebedingt findet seit einigen Monaten keine Offene Kinder- und Jugendarbeit statt. Für die Kids ist das in der Corona-Zeit, unter der sie besonders zu leiden haben, extra schwer.

„Ohne die Offene Kinder- und Jugendarbeit bleibt vieles auf der Strecke: Gute Gespräche, der Austausch mit Gleichaltrigen, gesunde Ernährung. Und uns Jugendarbeitern fehlt der Blick in die Familien. Wir erreichen die Jugendlichen einfach nicht“, sagt Daniel Lünenschloß, Synodalbeauftragter für Jugendarbeit im Kirchenkreis Wuppertal. Bettina Hermes, Jugendreferentin im Kirchenkreis Wuppertal, ergänzt: „Die Kinder- und Jugendarbeit ist aus unserer Sicht momentan zu stark auf die schulische Bildung beschränkt. Schule ist nur ein Teil. Es muss einen Gegenpol zu Schule und Leistungsdruck geben. Und der kommt momentan viel zu kurz.“

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Daran ändern auch die Corona-Vorschriften, die gerade angepasst wurden, nicht viel: Maximal fünf junge Menschen bis einschließlich 18 Jahren dürfen drinnen momentan gleichzeitig betreut werden, draußen sind es 20 Kinder bis einschließlich 14 Jahren. Dadurch werden Treffen zwischen den jungen Leuten schnell in den Bereich des Verbotenen gedrängt - eine Tatsache, die die Jugendarbeiter besonders traurig stimmt. So sei das Bergische Plateau beispielsweise immer übervoll mit Jugendlichen, die ständig vom Ordnungsamt angesprochen würden. „Die jungen Leute brauchen einen sicheren und geschützten Ort, in dem sie sich außerhalb ihrer Familien bewegen können“, sagt Lünenschloß. Schließlich sei die Belastung in den Familien enorm.

Paradoxerweise gelten für den Bereich der schulischen Notbetreuung ganz andere Regeln als für die Offene Jugendarbeit. Das ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der verbandlichen Jugendarbeit schwer nachzuvollziehen. Beziehungsarbeit, wie sie in den Jugendzentren geleistet wird, kann nicht durch digitale Angebote ersetzt werden, so die Profis. „Die Sehnsucht nach Austausch ist groß“, sagt Matthias Spilker, Jugendleiter in der Kirchengemeinde Wichlinghausen.

Zumal viele der Jugendlichen digital regelrecht abgehängt sind. „Viele fallen durch das digitale Raster. Sie haben zwar ein Handy, aber kein Netz und kein Guthaben. Manchmal sehe ich die Jugendlichen in Wichlinghausen auf der Straße, wie sie offensichtlich auf der Suche nach einem freien W-LAN sind. Bei uns im Jugendhaus wäre das kein Problem“, so Spilker.

Kontakte massiv beschränkt

Catrin Seelig (Jugendleiterin in der Gemeinde Sonnborn) sorgt sich um entwicklungspsychologische Defizite bei ihren Schützlingen: Obwohl sich die Jugendlichen eigentlich in einem natürlichen altersbedingten Abnabelungsprozess vom Elternhaus befinden würden, seien ihre Kontakte massiv beschränkt, ohne Möglichkeit des Austauschs mit Gleichaltrigen und ohne Möglichkeit dem anderen Geschlecht zu begegnen. Außerdem seien Äußerlichkeiten in diesem Alter enorm wichtig, sodass es für Jugendliche auch schwer sei, dass beispielsweise Einkäufe und Frisörbesuche nur eingeschränkt möglich sind.

Den Jugendarbeiterinnen und -arbeitern geht es dabei nicht darum, die Corona-Maßnahmen zu kritisieren, aber sie wollen auf den Mangel und die Not bei den Jugendlichen aufmerksam machen, die durch die Verbote entstehen. „Wir wollen soziale Kontakte und Austausch ermöglichen. Damit die Kids nicht abgehängt werden", so die Jugendarbeiter unisono.

„Wir stehen in den Startlöchern und haben vieles zu bieten, was genauso wichtig ist wie Schule", sagt Jugendreferentin Bettina Hermes. Jugendarbeit könne auch den Stress in den Familien entzerren und damit die Eltern entlasten.