Uellendahl Die „Oase“ als Gemischtwarenladen der Sozialarbeit

Wuppertal · Seit 25 Jahren unterstützt der Bewohnertreff „Oase“ der Diakonie Wuppertal Menschen aus 25 Nationen im Stadtteil Uellendahl – mit Beratung, Bildung und Begegnung. Ein Erfolgsmodell, das dennoch jedes Jahr um seine Finanzierung bangen muss.

Von li.: Gabriela Ebert, Christian Looft-Kaufmann und Karin Weber.

Foto: Sabine Damaschke

Noch ist es ruhig im Treppenhaus der „Oase“, dem Quartierszentrum der Wuppertaler Diakonie in der Gustav-Heinemann-Straße. Christian Looft-Kaufmann holt sich noch schnell einen Kaffee, bevor die Menschen hier Schlange stehen werden, um ihre vielen Fragen loszuwerden. „Da geht es um Bescheide vom Ausländeramt und Jobcenter, Verträge, Rechnungen und Formulare – schlicht um alles, was mit der deutschen Bürokratie zu tun hat“, erklärt der Sozialarbeiter.

Seit 25 Jahren gibt es den Bewohnertreff „Oase“ im Wuppertaler Stadtteil Uellendahl schon. Der helle, zweistöckige Holzbau, der von Architekturstudenten entworfen wurde, liegt zwischen drei Hochhäusern. In ihnen leben rund 750 Menschen aus 25 Nationen. Mit 14 ehrenamtlich Mitarbeitenden ist Christian Looft-Kaufmann täglich für sie da.

Die „Oase“.

Foto: Sabine Damaschke

In der Oase gibt es Hausaufgabenhilfe für Kinder, Freizeitprogramme, Quartiersfeste und Gruppen für Jugendliche, Frauen, Familien und Senioren. Und es gibt die Sozialberatung, die Looft-Kaufmann jeden Montag gemeinsam mit geschulten Ehrenamtlichen anbietet, die dort wohnen und mehrere Sprachen sprechen.

Brückenbauerinnen der Integration

„Alle Mitarbeitenden der Oase sind Brückenbauerinnen und Brückenbauer, denn sie haben viele der Probleme, mit denen die Menschen zu uns kommen, selbst bewältigen müssen“, betont der Sozialarbeiter. „Mit ihrer eigenen Biografie zeigen sie, dass Integration gelingen kann – und das macht hier ganz vielen Menschen Mut.“

Da gibt es die syrische Studentin, die sich in der Hausaufgabenhilfe engagiert, die armenische Mitarbeiterin, die sieben Sprachen spricht und eine Frauengruppe leitet oder den jungen Iraner, der eine Ausbildung bei der Polizei macht und sich in einer Jugendgruppe einbringt. Ärzte, Altenpfleger, Erzieherinnen – die Liste der Menschen mit Migrationshintergrund, die dank der „Oase“ in den vergangenen 25 Jahren gut in der deutschen Gesellschaft angekommen sind, ist lang.

Sozialarbeiter Christian Looft-Kaufmann.

Foto: Sabine Damaschke

Erfolgsmodell der Quartiersarbeit

„Dieses Zentrum ist ein Erfolgsmodell für Quartiersarbeit in einem sozial schwierigen Umfeld“, sagt die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert (SPD), „aber leider gibt es keine Planungssicherheit, weil es fast jedes Jahr um eine auskömmliche Finanzierung kämpfen muss.“ Auch in diesem Jahr hofft die Diakonie wieder darauf, dass die wichtige soziale Arbeit der Oase im klammen, kommunalen Haushalt Berücksichtigung findet.

„Dabei wäre das Quartier ohne die Oase ein sozialer Brennpunkt mit vielen Nachbarschaftskonflikten und einer hoher Kriminalitätsrate“, ist Gabriela Ebert überzeugt. Das friedliche Zusammenleben von 25 unterschiedlichen Nationen führt sie auch auf die gute Vernetzung des Bewohnertreffs mit sozialen Angeboten der Diakonie und Stadt, Kirchengemeinde, Wohnungsbaugesellschaft und Polizei zurück.

„Hier leben die Menschen nicht anonym zusammen“, ergänzt Christian Looft-Kaufmann. „Wir sehen, wenn jemand einsam ist, wenn es zwischen Nachbarn Konflikte gibt oder Jugendliche in Drogen- oder Kleinkriminalität abdriften. Wir greifen ein, bevor es zu großen Krisen kommt.“

Kirche unterstützt mit Patenschaften

Dabei profitiert die Oase auch von der guten Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum. Seit 2015 engagiert sie sich mit ihrer „AG Willkommen“ und einem Patenschaftsprojekt für Geflüchtete im Stadtteil. „Wir haben viele Menschen intensiv dabei begleitet, hier eine neue Heimat zu finden“, erzählt die pensionierte Pfarrerin Karin Weber.

Ein besonderes Augenmerk hat die ehemalige Gehörlosenpfarrerin und Inklusionsexpertin dabei auf geflüchtete Menschen mit einer Behinderung. Von ihnen leben mehrere in den drei Hochhäusern in der Gustav-Heinemann-Straße, weil sie mit Aufzügen ausgestattet sind. „Oft wissen sie nicht, dass sie in Deutschland Anspruch auf einen Rollstuhl und Arztbesuche oder für ihre Kinder mit Behinderung auf den Schulbesuch mit Integrationshelfern haben.“ Doch all das muss beantragt und nicht selten erkämpft werden.

Auch dabei unterstützt die Oase. „Wir sind ein Gemischtwarenladen der Sozialarbeit“, sagt Christian Looft-Kaufmann stolz. „Aber einer, bei dem es ganz viel um Hilfe zur Selbsthilfe und Begegnung geht.“ Eine Oase eben, in der Menschen finden, was sie zu einem guten Leben brauchen.