Grundschule Haarhausen Der Kampf gegen das „Elterntaxi“

Wuppertal · Morgens vor der Grundschule Haarhausen spielt sich fast täglich dasselbe Bild ab: Autos halten am Straßenrand, Eltern setzen ihre Kinder direkt vor dem Schultor ab, andere suchen nach einer Lücke zum Wenden oder Aussteigen. Für Schulleiterin Kathrin Hellemann ist das nichts Neues. „Seit Jahrzehnten“, sagt sie, seien sogenannte „Elterntaxis“ an der Schule ein Thema.

Der Schulweg ist oft die erste Gelegenheit des Tages, Selbstständigkeit im Alltag zu üben.

Foto: ACE

Dabei wünschen sich viele Kinder etwas anderes. „Die Kinder wollen laufen, rollerfahren, selbstständig ankommen“, berichtet Hellemann. Daran knüpft auch das bundesweite Projekt „SpoSpiTo“ an, an dem die Grundschule in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal teilgenommen hat.

Die Aufgabe für die Kinder: Innerhalb von sechs Wochen mindestens 20-mal ohne Auto zur Schule kommen – zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad. Bundesweit beteiligten sich mehr als 133.000 Kinder aus 6.131 Grundschulklassen an der Aktion. Ziel ist es, Bewegung zu fördern und gleichzeitig die Verkehrssituation vor Schulen zu entschärfen.

An der GGS Haarhausen kommt das Projekt bei den Kindern erneut gut an. Die größere Herausforderung sei jedoch, das Verhalten der Erwachsenen dauerhaft zu verändern. Die Schulleitung beobachtet einen Unterschied zwischen der großen Motivation der Kinder und den Gewohnheiten vieler Erwachsener. „Kinder sind auf die Entscheidungen ihrer Eltern angewiesen“, sagt Hellemann.

Im vergangenen Jahr hätten tatsächlich einige Familien ihr Verhalten zumindest vorübergehend geändert, dieser Effekt sei diesmal allerdings weitgehend ausgeblieben. Das spiegelt sich auch in der Beteiligung wider: Während vergangenes Jahr noch über 100 der insgesamt 225 Schüler ihren Bewegungspass vollständig abgaben, waren es in diesem Jahr 78.

Die Situation vor der Schule bleibt angespannt. Die Straße Haarhausen sei eng, der Zugang zur Schule und zur benachbarten KiTa nur begrenzt übersichtlich. Immer wieder würden Fahrzeuge zu nah an Einmündungen halten oder Bereiche nutzen, die eigentlich Fußgängern vorbehalten seien. Einen Unfall habe es bereits gegeben.

Für die Schulleiterin geht es beim Schulweg um weit mehr als Bewegung. Wer den Weg eigenständig bewältige, lerne Orientierung, sicheres Verhalten im Straßenverkehr und gewinne Selbstvertrauen. „Kinder, die ihren Schulweg selbst meistern, lernen etwas, das kein Unterricht ersetzen kann“, betont sie.

Auch wenn sich das Schulwegverhalten nicht von heute auf morgen verändert, hält die Schule an ihrem Ansatz fest. Sie setzt darauf, den Bewegungsradius der Kinder Schritt für Schritt zu erweitern – zunächst zu Fuß, später vielleicht auch mit dem Fahrrad. Doch genau das sei vielerorts schwierig. Zwar investiere die Schule viel Zeit in die Verkehrserziehung, etwa durch Radfahrtage, Gruppentrainings auf dem Schulhof, Besuche der Jugendverkehrsschule oder Angebote in der Skaterhalle. Die Straße vor der Schule sei für viele Kinder jedoch schlicht zu gefährlich, um sie täglich allein mit dem Fahrrad zu befahren.

Für Hellemann steht fest: Damit Kinder ihren Schulweg selbstständig bewältigen können, braucht es neben dem Engagement von Schule und Eltern vor allem auch geeignete Rahmenbedingungen. „Ich wünsche mir vor allem, dass wir als Gesellschaft ehrlich darüber reden, was Kinder brauchen, um das zu können“, sagt die Schulleiterin.

Dazu gehörten Straßen, die langsam befahren werden, Schulwege, auf denen sich Kinder sicher fühlen können und Eltern, die ihren Kindern Schritt für Schritt mehr Selbstständigkeit zutrauen.