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Wuppertaler Gleichstellungsstelle: „Wann, wenn nicht jetzt“

Internationaler Frauentag : Gleichstellungsstelle: „Wann, wenn nicht jetzt“

Der Internationale Frauentag am 8. März ist traditionell ein Anlass für die städtische Gleichstellungsstelle in Wuppertal, auf die Situation von Frauen hinzuweisen. Die Pandemie vergrößert Probleme, auf die Gleichstellungsstellen und Frauenbüros sowie zahlreiche Verbände bereits seit Jahrzehnten aufmerksam machen.

Die Corona-Pandemie habe das Leben in Deutschland und in der Welt grundlegend verändert. Vor allem Frauen seien die Leidtragenden: „Sie sind es, die bis an ihre Belastungsgrenze im Gesundheitsbereich arbeiten, sie sind es, die nach Wegfall ihres Minijobs keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. Hauptsächlich sind sie es, die neben Homeoffice auch das Homeschooling und den Haushalt übernehmen. Das ist das Ergebnis mehrerer Studien.“

In einer Stellungnahme heißt es: „Wann, wenn nicht jetzt wird deutlich, welche Berufe unter den Bedingungen der Corona-Pandemie als systemrelevant gelten. Es sind Kranken- und Altenpflegerinnen und -pfleger, Verkäuferinnen und Verkäufer, medizinische Fachangestellte, Erzieherinnen und Erzieher und alle, deren Arbeit in der Öffentlichkeit oft nicht wahrgenommen wird. Menschen, die in den Küchen, den Wäschereien, in der Verwaltung der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen und in den Rettungsdiensten arbeiten. Es sind die so genannten ,Frauenberufe‘, die in Deutschland schlecht bezahlt und häufig unter schwierigen Arbeitsbedingungen erledigt werden müssen. Daraus ergibt sich, dass diese gesellschaftlich notwendige Arbeit neu bewertet werden muss.

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Wann, wenn nicht jetzt wird deutlich, dass Minijobs, in denen überwiegend Frauen (62 Prozent) arbeiten, keine Existenzsicherung in der Krise sind. Von den Regelungen des Kurzarbeitergeldes können Minijobberinnen nicht profitieren, da sie nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Damit bricht für sie eine wichtige Einnahmequelle weg. Es wird deutlich: Minijobs müssen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden, um sie krisensicher zu machen.

Wann, wenn nicht jetzt wird deutlich, dass Care-Arbeit überwiegend von Frauen geleistet wird. Frauen sind es, die wegen geschlossener Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulen den Part der Versorgung der Familie übernommen haben, einschließlich des Homeschoolings – neben ihrem systemrelevanten Beruf oder im Homeoffice. Besonders betrifft dies alle Alleinerziehenden. Eine gerechte Aufteilung der Carearbeit ist dringend nötig!“

Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen setzt sich die Gleichstellungsstelle der Stadt ein für
● eine finanzielle Aufwertung der Berufe in den Bereichen Pflege, Gesundheitswesen, Erziehung und Einzelhandel sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
● eine Abschaffung der Sonderregelungen für geringfügige Beschäftigung.
● eine Abstimmung der Steuer-, Sozial- und Familienleistungen, damit sie zu einer tatsächlichen finanziellen Verbesserung für Mütter, Väter sowie insbesondere für Alleinerziehende führen.
● die Schaffung von Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten, die es Müttern und Vätern ermöglichen, sich die Care-Arbeit gerecht zu teilen.