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Wuppertaler Firma kritisiert Feuerwerksverbot als "Vorwand".

Wuppertaler Firma : „talfeuerwerk“: Verbot „nur ein Vorwand“

Seit dem 13. Dezember stand fest: Mit einem Feuerwerk im bisher bekannten Rahmen würde das Jahr 2020 nicht schließen. Den Wuppertaler Maik Lorenzen (39) hat die Entscheidung des Bundes, den Feuerwerksverkauf zu verbieten, besonders hart getroffen. Er ist Unternehmer, staatlich geprüfter Pyrotechniker – und Inhaber der Firma „talfeuerwerk“.

Seit fünf Jahren verkauft „talfeuerwerk“ am Dörkesdohr Raketen und Co. Für Hochzeiten, Heiratsanträge, Geburtstage, Firmen-Events – und eigentlich vor allem für die letzte Nacht des Jahres, Silvester. Denn während die Branche das gesamte Jahr arbeitet, wird der Jahresverdienst hauptsächlich drei Tage vor Neujahr eingeholt. „Seit Wochen packen wir bereits bezahlte Vorbestellungen, die unsere Kunden aus ganz Deutschland an den Verkaufstagen abholen können“, klagt Maik Lorenzen. Und dann das: Verkaufsverbot, bundesweit.

Mit einem Abbrennverbot an beliebten Plätzen, also mit einer Verschärfung der Maßnahmen, damit hatte der Wuppertaler gerechnet und bereits kalkuliert. „Eine Einschränkung an diesen Plätzen halten wir für absolut sinnvoll. Leuchtfeuerwerk sollte aber auch dort erlaubt bleiben. Ein generelles Verbot aufgrund von Corona ist unserer Meinung nach nur ein Vorwand“, sagt der Unternehmer. Er vermisst in diesem Beschluss auch die Gerechtigkeit gegenüber anderen Branchen. „Alle Händler dürfen unter der aktuellen Corona-Vchutzverordnung ihre Waren ausliefern und eine kontaktfreie Abholung bestellter Ware anbieten. Verkaufsstellen zum Verkauf von Weihnachtsbäumen wird in der Verordnung explizit der Verkauf gestattet, was wir zur Brauchtumspflege als sehr positiv empfinden“, erklärt Lorenzen. „Zur Brauchtumspflege gehört allerdings auch das Feuerwerk an Silvester.“

Das Argument, durch das Feuerwerk-Verkaufsverbot würden die Krankenhäuser entlastet, sieht Lorenzen kritisch: „Viele besorgen sich ihr Feuerwerk auf dem Schwarzmarkt, über Internetplattformen oder direkt aus dem Ausland. Dort ist der Verkauf weiterhin erlaubt. Viele dieser Feuerwerkskörper können jedoch bei falscher Handhabung schwere Verletzungen verursachen. Dann werden die Krankenhäuser tatsächlich mehr Notfälle an Silvester behandeln müssen.“ Es gebe auch keine belegbaren Zahlen, dass sich durch in Deutschland zugelassenes Feuerwerk viele Menschen verletzen.

Den Verlust für sein Unternehmen schätzt Maik Lorenzen bei einem hohen fünftstelligen Betrag ein. Für die Zukunft des Feuerwerks sehe er schwarz. Er glaubt, die Politik nutze Corona als einen passenden Zeitpunkt, um Feuerwerk zu Silvester grundsätzlich zu verbieten. Trotz dieser düsteren Einschätzung plant er 2021, sofern es erlaubt sei, wieder in Wuppertal Feuerwerk zu verkaufen. Dafür hat er sich vor Silvester noch einmal in Erinnerung gebracht. Denn das Team um Maik Lorenzen war in mehreren Stadtteilen unterwegs und verteilte an den Haustüren – natürlich mit Abstand und Maske – kostenloses Kinderfeuerwerk.

Das in dem Paket enthaltende Kleinstfeuerwerk (F1) darf über das ganze Jahr von Kindern ab zwölf Jahren gezündet werden. Die Idee dahinter: „In Erinnerung bleiben. Und den Wuppertalern zeigen, dass ein kleines Feuerwerk doch riesengroße Freude macht.“