Wuppertal: 40 Tage ohne Auto ...

“Fasten“-Aktion : 40 Tage ohne Auto ...

... stattdessen mit Bus und Bahn unterwegs. Nach der Hälfte der Zeit zieht die Wuppertalerin Simone Oertel Bilanz.

„Fastenbrechen Teil 1“ postete sie bereits in der ersten Woche der Fastenzeit in die Facebook-Gruppe „Autofasten Wuppertal“. Dazu ein Foto ihrer regennassen Autoscheibe – Perspektive Innenansicht. Das schlechte Wetter hatte sie dann doch davon abgehalten, morgens den Weg zum Bahnhof zu Fuß hinter sich zu bringen. Das gibt sie ehrlich zu.

Simone Oertel gehört zu einer Gruppe von Wuppertalern, die in der Fastenzeit 40 Tage lang auf ihr Auto verzichten (wollen) und dafür ein „Ticket 2000“ zur Verfügung gestellt bekommen. Die zweifache Mutter möchte durch die Nutzung von Bus und Bahn „mal aus der Komfortzone herauskommen“. Bei Katharina Nowak von der Katholischen Citykirche, Koordinatorin des Projekts in Wuppertal, bewarb sie sich für das Autofasten mit „Ticket 2000“-Ersatz. Ihre Begründung, „den inneren Schweinehund überwinden“ zu wollen, überzeugte.

Nach gut vier Wochen Autofasten sagt Simone Oertel: „Es gab blöde, aber auch schöne Momente.“ Blöd waren die Tage, an denen sie im strömenden Regen auf dem Bahnsteig stand, der erste Zug ausfiel und der zweite ausnahmsweise nicht an ihrem Bahnsteig hielt. Schön waren die Tage, an denen der ganze Stress des Tages auf dem Fußweg vom Bahnhof nach Hause wie von Zauberhand einfach von ihr abfiel. „Es entschleunigt“, sagt sie zur Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Wege, zu Fuß zu den Bus- und Bahnhaltestellen zurückgelegt, bringen Bewegung in ihren Alltag. Und die nervige Suche nach einem Parkplatz in der Innenstadt erübrigt sich.

Im Alltag so ganz auf ein eigenes Auto zu verzichten, das kann Simone Oertel sich trotzdem nicht vorstellen. „Ich bin vollzeitberufstätig, habe zwei Kinder, das würde ich ohne Auto nicht schaffen. Alleine das Einkaufen, diese ganze Schlepperei.“

Eine Überlegung wert ist es für die Wuppertalerin aber allemal, eines der zwei Familienautos gegen ein Bahnticket einzutauschen. „Da werden wir nach der Fastenzeit in der Familie drüber reden.“ Ihre beiden Kinder machen es vor. Sie fahren täglich, ausgestattet mit dem „Schokoticket“ für Schüler, mit dem Bus zur Schule.

Bis Ostern nun wird sich Simone Oertel weiterhin bemühen, nicht aus lauter Bequemlichkeit zum Autoschlüssel zu greifen.

Mehr als die Hälfte der Fasten-Tage hat sie mit Bus und Bahn bewältigt. „Eine wirklich schöne Aktion“, so ihr Resümee. „Und eine gute Gelegenheit, Gewohnheiten zu hinterfragen.“

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