Wenn Else Geburtstag feiert ...

Herzlichen Glückwunsch, Else Lasker-Schüler! : Wenn Else Geburtstag feiert ...

... dann ist in Wuppertal ordentlich etwas los. Anlässlich ihres 150. Jahrestages haben wir uns auf die Spuren der Dichterin begeben. Einen Überblick über alle Feste zum Geburtstag gibt es auf www.els2019.de.

In diesem Jahr wäre Else Lasker-Schüler 150 Jahre alt geworden. Für Wuppertal ist das ein Riesending. Trotzdem gibt es nach wie vor Menschen, die zwar den Namen kennen, aber nicht wissen, wer sich dahinter verbirgt. Wer war Else Lasker-Schüler?

Die Rapper Maybe und Cyrill wussten so gut wie gar nichts über die Dichterin, bis sie gefragt wurden, ob sie einen Rap über sie schreiben können. Foto: privat

Wuppertalerin auf jeden Fall, sogar Elberfelderin. Deshalb steht auch ein Denkmal von ihr am Kasinokreisel, zwischen "Mio3" und "Sausalitos". Ziemlich finster sieht sie darauf aus. Fast wie ein Mann, mit buschigen Augenbrauen. Auf anderen Bildern blickt sie freundlicher in die Kamera. Geschmückt mit Turban oder einer adretten Frisur.

Aufgewachsen ist Else in der Sadowastraße 7, in der Nähe des Robert-Daum-Platzes. Das Haus steht heute noch, Altbau, schöne Fassade, hohe Decken. Typisch Wuppertal. Bis zu ihrem elften Lebensjahr besuchte Elisabeth Schüler das Lyceum West an der Aue.

Der Weg zur Schule war nicht weit. Rund 800 Meter, die Else täglich zurücklegte, einmal durch den Deewerthschen Garten und zurück. Eine kleine, heile Welt, die sich im Lauf ihres Lebens veränderte und öffnete. Gestorben ist sie in Israel, in Jerusalem. Dort findet sich heute auch ihr Grab. Und Israel ist nicht mehr kleine Welt.

Was bedeutet Else uns heute?

"Crazy und aufmüpfig soll sie gewesen sein, ist eher explodiert, anstatt still zu bleiben", das erzählen die beiden Wuppertaler Rapper Cyrill und Maybe über Else Lasker-Schüler, die Dichterin, Malerin, Dramaturgin.

Als Leonard Cyrill Schrom alias Cyrill und Maximilian Barski alias Maybe gefragt wurden, ob sie anlässlich des 150. Geburtstags von Else Lasker-Schüler etwas über sie rappen könnten, wussten die beiden Abiturienten nicht, wer sie ist.

Kalle Waldinger vom Wuppertaler Rockprojekt nahm die beiden mit auf einen Spaziergang, vom Else-Denkmal am Kasinokreisel bis zu ihrem Wohnhaus im Briller Viertel. Auf Elses Spuren erzählte er von ihrem Leben und ihren Werken. Was den beiden Rappen im Kopf blieb: "Teufelsbrühe", Kunstfreiheit und Ausbeutung der Arbeiterklasse. "Wir wollten ihre Themen auf unsere Zeit übertragen, schließlich sind sie immer noch aktuell", erzählte Cyrill. Statt von "Teufelsbrühe" (so bezeichnete Else die Wupper), rappen sie von "Blauem Wasser" und fragen sich: Ist das alles nur Schein?

"Unser Lebensstandard, echte Utopie, und der Rest der Welt denkt, wir sind das Paradies, und der Rest der Welt ist ausgebeutet.
In der Wupper fließt jetzt blaues Wasser, ein Augenpflaster, und aus den Boxen kommt graue Musik."

Elses Themen bewegen die Jugendlichen noch heute. Und genau das ist es, was Hajo Jahn, Vorsitzender der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, erreichen wollte. "Mir geht es darum, mit der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft zu wirken", sagte er. Deshalb hat er versucht, zusammen mit Kalle Waldinger eine Brücke zu schlagen — zwischen der Else von vor 150. Jahren und der Else heute, wie sie der jüngeren Generation begegnet.

Sein Engagement gegen das Vergessen ist für ihn zu großen Teilen auch ein sehr persönliches Anliegen. Sein erstes Else-Gedicht hörte Hajo Jahn in der Schule, "Weltende": "Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär". Diese Zeilen ließen den 1941 geborenen Wuppertaler nicht mehr los. "Wo war der liebe Gott bei Hitler, Stalin, Mao oder heute beim ISS?" fragt er.

Weltflucht
"Meinwärts" — unter diesem Motto wird in Wuppertal gefeiert. Der Begriff stammt aus Else Lasker-Schülers Gedicht "Weltflucht".

Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht — ist's schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehn —
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!

Das Denkmal am Kasinokreisel, erdacht und aufgestellt von Stephan Huber, trägt den selben Titel. Zwei Elses blicken sich an, beziehungsweise eine Else blickt in den Spiegel, blickt "meinwärts".

Was sie dabei wohl sah?

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