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Ukraine-Hilfe aus Wuppertal​: „Riecht nach Feuer und Tod“​

Ukraine-Hilfe aus Wuppertal : „Dort riecht es nach Feuer und Tod“

Die Berufsfeuerwehr spendet der Ukraine ein Löschfahrzeug für schwieriges Gelände. Zur Überführung kam Vladim Kisilov direkt von der Front nach Wuppertal – und brachte sowohl erschütternde Berichte als auch seine Eindrücke über den starken Zusammenhalt der Bevölkerung mit.

Zwei Gründe bewegen Vladim Kisilov dazu, regelmäßig nach Wuppertal zu kommen: Kurz nach Kriegsausbruch hat Ehefrau Tatjana mit den beiden gemeinsamen Kindern hier eine temporäre Heimat gefunden. Außerdem nutzt er seine Besuche, um als Fahrer die vom Verein „Mensch zu Mensch“ akquirierten Spenden und Hilfsgüter direkt in die Krisenregion zu bringen. Aktuell ist er im Auftrag der Militärverwaltung von Winnyzia hier, um das von der Wuppertaler Berufsfeuerwehr an den Verein gespendete Löschfahrzeug der Marke Magirus Deutz zu überführen.

Bevor er vom pensionierten Feuerwehrmann Stephan Besche in das Fahrzeug, das mit permanentem Allradantrieb und einer speziellen Ausrüstung für Einsätze in schwierigem Gelände konzipiert ist, eingewiesen wird, nimmt er sich Zeit, um im Gespräch mit der Rundschau kurz über die Situation in der Ukraine zu reden. Tanja Kamp, gebürtige Ukrainerin, die seit 28 Jahren in Wuppertal lebt, bei der Caritas arbeitet und seit Jahren als ehrenamtliche Dolmetscherin für „Mensch zu Mensch“ aktiv ist, übersetzt.

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„Wenn ich in der Dämmerung von Polen aus in die Ukraine einreise, ist es wie eine Fahrt durch das Licht in die Dunkelheit. Während Polen hell erleuchtet ist, gibt es aufgrund der zerstörten Stromversorgung nur noch selten funktionierende Lampen und Leuchten in den umkämpften Regionen. Dort riecht es nach Feuer und Tod. Ihr kennt die Fotos von zerbombten Häusern, von Leichen auf den Straßen.

Was in den Medien nicht oder nur selten gezeigt wird, sind Bilder von schwer verletzten Menschen. Menschen mit Schussverletzungen oder solchen, denen Minen Gliedmaßen abgerissen haben. Das sind, gerade auch wenn es sich um Kinder handelt, schreckliche Anblicke. Wie überhaupt die Situation insgesamt schwer erträglich ist: Vor allem im Osten ist die Versorgungsinfrastruktur mit Strom, Wasser und Heizung kaputt. Dazu kommt die Kälte, und dass die Lebensmittel knapp sind“, erklärt Kisilov.

Aber, so der 40-jährige Kfz-Mechaniker weiter, dem gegenüber stehe ein unglaublicher Zusammenhalt der Bevölkerung, die sich gegenseitig hilft und Mut macht: „Jeder tut, was er kann und alle hoffen, dass dieser sinnlose Krieg bald vorbei und die Ukraine dann ein freies, demokratisches Land ist.“

 Der Allrad-Löschzug der Wuppertaler Feuerwehr, der jetzt in der UIkraine zum Einsatz kommt.
Der Allrad-Löschzug der Wuppertaler Feuerwehr, der jetzt in der UIkraine zum Einsatz kommt. Foto: Manfred Bube

Vladim Kisilov betont, wie wichtig die Unterstützung ist, die von Wuppertal, Deutschland und international geleistet wird: „Ohne diese militärische und humanitäre Hilfe wären wir längst Putins Land. Wenn wir diesen Krieg, der keine Gewinner kennt, erfolgreich überwinden wollen, dann geht das weiterhin nur mit Unterstützung von außen.“

Tanja Kamp, die im täglichen telefonischen Kontakt mit Verwandten und Bekannten in der Ukraine steht, ergänzt: „Über der Ukraine liegt ein furchtbarer und trauriger Schleier, der das Leben prägt. Besonders schlimm ist diese Belastung für Kinder. So weit es geht, wird versucht, sofern ein geeigneter Schutzkeller in der Nähe ist, mit Online-Unterricht, an dem übrigens auch geflüchtete Kinder teilnehmen können, ihnen etwas Normalität zu bieten. Doch auf den Nenner gebracht, bleibt festzustellen: Glückliche Kinder gibt es in der Ukraine nicht.“

Wie traumatisiert diese Mädchen und Jungen sind, schildert sie an einem Beispiel: „In einem deutschen Heim, wo aktuell Flüchtlingskinder leben, brach Silvester Panik aus. Als die Knallerei begann, hatten sie Angst, angegriffen zu werden, und begannen in Todesangst zu schreien. Es hat Stunden gedauert, sie zu beruhigen.“

Angst hat auch Vladim Kisilov. Und er gibt unumwunden zu, diese mit Antidepressiva zu verdrängen. „Es geht nicht anders. Wenn du Raketen vorbeifliegen siehst und weißt, die schlagen in Sekunden da oder dort ein und bringen Zerstörung und Tod, damit rechnen musst, dass es auch dich unmittelbar treffen kann, dann musst du diese Angst ins Abseits schieben, sonst funktioniert du nicht mehr.“

Peter Klein, ehemaliger Wuppertaler Polizeihauptkommissar und Vorsitzender von „Mensch zu Mensch“, ist froh, mit dem Löschfahrzeug einen weiteren Beitrag zur Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung leisten zu können. „Auch wenn das nur ein punktueller Lichtblick im Kampf gegen die Folgen des barbarischen Krieges ist, sie brauchen Hilfe und wir können und sollten helfen“, sagt er.