OB-Wahl: Parteien bleiben unter sich

OB-Wahl: Parteien bleiben unter sich

Die Bürgerplattform "Wuppertal 3.0" schickt keinen Kandidaten ins Rennen. Der Grund: Es gab niemanden, der diese Aufgabe übernehmen wollte.

Nein, es gibt ihn nicht. Einen parteiunabhängigen Kandidaten, der bei der OB-Wahl im September den Vertretern von CDU, SPD, Linke und der PARTEI etwas entgegensetzen könnte. Das gab Jörg Heynkes stellvertretend für die Bürgerplattform "Wuppertal 3.0" in einer Pressekonferenz am Donnerstag (21. Mai 2015) bekannt.

Seit Beginn des Bürgerdialog-Prozesses im vergangenen Jahr habe man zahlreiche "verdiente Persönlichkeiten der Stadt" angesprochen und gebeten, über eine Kandidatur nachzudenken. "Leider haben die meisten dieser potenziellen Kandidaten entweder direkt oder nach einiger Bedenkzeit eine solche Kandidatur abgelehnt", erklärte Heynkes, dem die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben stand.

Er saß, umringt von Vertretern der Grünen, der FDP, Wuppertal-Bewegung und "Utopiastadt" — alle mit im "3.0"-Boot — in der alten Kantine des Rathauses. Der erfolgreiche Unternehmer sprach Klartext: "Unter der Prämisse, nur einen wirklich aussichtsreichen Kandidatenvorschlag vorzulegen, ist unser Ziel also nicht erreicht." Dem frischen Wind, mit dem die Bewegung so manches Staubkorn aus dem Rathaus wehen wollte — ihm war auf den entscheidenden Metern die Luft ausgegangen...

Guido Mengelberg von den Grünen sprach von einer "sehr großen Enttäuschung". "Wir hatten uns sehr viel mehr versprochen und gehofft, der Hinterzimmer-Politik der Großen Kooperation etwas entgegensetzen zu können." Jetzt müsse man neu überlegen, ob die Grünen, die wie die FDP eigentlich einen OB-Kandidaten von "3.0" unterstützen wollten, nun doch noch einen eigenen Aspiranten ins Rennen schicken. Enthusiastisch klingt er dabei nicht.

Marcel Hafke (FDP), der einräumt, dass ein Bewerber aus den Reihen der FDP wohl keine realistischen Chancen bei der OB-Wahl habe, bedauerte, dass es offenbar niemanden gebe, der "den Mut und das Rückgrat besitzt", sich mit der Stadtspitze anzulegen. "Man kann nicht immer nur mit dem Finger auf andere zeigen, man muss auch mal selbst machen."

Das wollten jedoch weder Jörg Heynkes — er gilt als wesentlicher Motor von "Wuppertal 3.0" —, noch Carsten Gerhardt von der "Wuppertalbewegung". "Ich hätte mir meine Lebensfreude genommen und wäre kein glücklicher OB geworden", sagte Heynkes. Als Unternehmer sei er es gewohnt, Dinge zu entscheiden und umzusetzen. Das gehe in der Politik nicht. Carsten Gerhardt, er galt als aussichtsreichster Kandidat, sagte: "Ich kann von außen mehr für die Stadt bewirken." Zudem befürchte er, als ewiger "Nörgler" abgestempelt zu werden.