Auf ein Wort Bangen? Hoffen? Aufbruch!

Auf ein Wort Bangen? Hoffen? Aufbruch!

Nur wer aufbricht, kann ans Ziel gelangen, sagen die Geistlichen Werner Jacken und Werner Kleine und ziehen einen weiten Bogen von den Aposteln bis zur Nordbahntrasse.

50 Tage liegen zwischen dem niederschmetternden Scheitern und dem Aufbruch. Der Aufbruch muss reifen. Wie ein Samenkorn in dunkler Erde, wie eine Frucht verborgen im Innern der Blüte muss der Aufbruch reifen. Wer vor der Zeit aufbricht, kann sich leicht verirren. 50 Tage warteten sie damals in Jerusalem hinter verschlossenen Türen, angstvoll trotz der Gewissheit, dass der Gekreuzigte wieder lebt. 50 Tage im Grau zwischen Tod und Leben. Und dann dieser Aufbruch.

Wuppertal ist eine Stadt im Aufbruch. Die Zeit ist reif für diese Stadt, die immer noch nicht weiß, ob sie noch bangen oder schon hoffen soll. Nach der Schließung des altehrwürdigen Schauspielhauses blüht ein kleines Hoffnungszeichen hinter dem Engelsgarten. In einer Stadt mit wunderschöner, aber eher fahrradfeindlicher Topographie nimmt die Umgestaltung einer Bahntrasse in einen Fahrradweg eine quasi-religiöse Dimension an. Senior- und Junioruniversität erweitern generationsübergreifend den Horizont und machen den alten Industrie- nun auch zu einem exzellenten Bildungsstandort. Hoffnung wider alle Hoffnung — eines Tages werden viele ebenso einträchtig den neuen Döppersberg feiern, wie die vielen stolzen Väter der Nordbahntrasse damals in Wichlinghausen gemeinsam das Zeichen auf grün stellten.

Es sind nicht nur diese neuen Leuchttürme, die über die Stadt hinaus strahlen. Es sind die Menschen, die sie lebenswert machen — ungeschminkt und ungekünstelt, ehrlich und eigenwillig. Genau so war es damals an Pfingsten auch, bei diesem Aufbruch nach 50 grauen Tagen. Es heißt, die Apostel seien vom Geist erfüllt gewesen, als sie Angst und Sprachgewirr überwanden und aufbrachen. Die vielen Kirchtürme, die das Stadtbild Wuppertals schon lange prägen, bezeugen konfessionsübergreifend, dass sich dieser Aufbruch gelohnt hat. Wenn Wuppertal was anders machen will, dann kann es aus diesen Erfahrungen schöpfen.

(Rundschau Verlagsgesellschaft)