Netto-Filiale: "Dümmster Dieb" steht in Wuppertal vor Gericht

Nach versuchtem Einbruch in Netto-Filiale vor Gericht : Das traurige Leben des „dummen Diebes“

Mit dem Einbruch in den Netto-Supermarkt an der Hochstraße in Elberfeld im Dezember 2018 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen im Fortsetzungsroman: „Dümmer, als die Polizei erlaubt.“ Am Dienstag (18. Juni 2019) stand der Einbrecher vor Gericht und bekam für seine Straftaten zwei Jahre ohne Bewährung.

Kriminelle brauchen einen Plan? Ach woher, sowas ist doch vollkommen überbewertet. Es soll schon Diebe gegeben haben, die sich nach Schampus und Häppchen vom Hausbesitzer unter der Dusche haben erwischen lassen. Oder solche, die des nachts mit einem LKW an der Bank vorfuhren, um erst später zu merken, dass sie das Stahlseil um den Kontoauszugsdrucker gewickelt hatten. Ein Wuppertaler Bankräuber hatte es einst zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht, weil er einen „Das ist ein Überfall“-Zettel auf den Tresen legte und dabei übersah, dass die auf der Rückseite lesbare Adresse die Polizisten geradewegs zu seiner Wohnung führte.

Nun zu Wuppertals „dümmsten Dieb“, der im Dezember um Weihnachten herum verzweifelt versuchte, sein Diebesgut durch die demolierte Tür der Netto-Filiale zu bugsieren. Am Heiligmorgen waren dort die Anwohner durch das laute Heulen der Alarmanlage aus dem Schlaf aufgeschreckt worden. Derweilen machte sich der Dieb an der Eingangstüre des Discounters zu schaffen. Minutenlang sprang er erst von außen und dann von innen gegen die Türe, das Sicherheitsglas war längst zersplittert. Am Ende quetschte er sich ohne Beute durch den engen Spalt, die mit Zigaretten gefüllte Mülltüte ließ er im Laden zurück.

Mangels Handschuhen fand man später dort auch noch seine DNA – für die Identifizierung unbedingt nötig war das wohl nicht. Schließlich hatte die aufgeschreckte Nachbarschaft längst zum Handy gegriffen und ein heiteres Filmchen gedreht. (Den Film sehen Sie hier.) Na gut, zum Oscar wird´wohl nicht reichen – dafür fehlte schlicht das Gentleman-Gangster-Potential. Was soll man machen: Der kriminelle Planungsaufwand hatte sich in engen Grenzen gehalten, da hilft auch das beste Drehbuch nicht. Und dennoch: Der Clip wurde zum YouTube-Hit. Die Handyfilmer hatten sich jedenfalls die größte Mühe gegeben, um die Geschichte mit lautstarken Zurufen, wie „Mach mal schön Cheese, guck schön hier rein“ und „Schön lächeln, ne Junge“ aufzupeppen und von der Tragödie ins Komödiantische zu wenden.

Am Dienstag (18. Juni 2019) steht er Angeklagte wegen des Einbruchs und weiterer, kleiner Vergehen vor Gericht. Foto: Sabine Maguire

Derweilen hat es der „Hauptdarsteller“ in einer Boulevardzeitung als „Deutschlands dümmster Supermarkt-Dieb“ längst zu trauriger Berühmtheit gebracht. Gefasst hatte man ihn übrigens erst, nachdem er in der Silvesternacht auch noch eine Bäckerei überfallen hatte. Auch dort hatten Anwohner die Polizei gerufen, die ihn unweit des Tatorts angetroffen und mit zur Wache genommen hatte. Dass man den Netto-Dieb vor sich sitzen hatte, wusste man da noch nicht – der Mann wurde wieder nach Hause geschickt. Später sollen noch Diebstähle bei Peek & Cloppenburg und ein versuchter Diebstahl in einem Elberfelder Restaurant hinzugekommen sein.

Nachdem die Türe dort standgehalten hatte, soll der 25-Jährige später bei einem Kiosk dann gleich zu einem Betonstein gegriffen haben, um Zigaretten und 130 Euro aus der Kasse zu stehlen. Noch in der gleichen Nacht soll es ein Gewegplattenbruchstück gewesen sein, mit dem er sich Zutritt zu einem Kiosk am Steinenfeld verschafft haben soll. Die Beute: 300 Euro aus der Kasse und Tabakwaren im Wert von angeblich 1216 Euro. Dass er geschätzte 20 Stangen Zigaretten mitgenommen haben soll, bestritt der Dieb. Sein Anwalt mutmaßte, dass da jemand gegenüber der Versicherung ordentlich aufgerundet haben könnte. Alles andere hatte sein Mandant da schon eingeräumt und sich entschuldigt.

Danach war jedenfalls Schluss mit der Diebestour – und nun hatte sich „Deutschlands dümmster Supermarkt-Dieb“ vor dem Wuppertaler Amtsgericht zu verantworten. Wie so oft in solchen Fällen, gelangte dort eher die Tragik eines gescheiterten Lebensentwurfes ans Licht. Klauen, um das Diebesgut zu Geld zu machen oder sich mit Drogen zudröhnen zu können – und wenn man Geld oder neuen „Stoff“ braucht, wieder auf Diebestour gehen: So soll es auch beim Angeklagten gewesen sein. Hatten andere den bevorstehenden Heiligabend im Sinn, wer der erst vor kurzem aus Spanien eingereiste Algerier in krimineller Ansicht vor der Netto-Türe gestrandet. Wurde andernorts in der Silvesternacht schon mal der Schampus kaltgestellt, ließ er nach dem Einbruch in eine Bäckerei im Steinbeck in einer Tüte zwölf Cola-Flaschen mitgehen. Ehrlicherweise müsse er sagen: Eigentlich seien es noch mehr gewesen, aber ihm sei im Laden die Tüte kaputtgegangen. Was sich vor Richterin Barbara Bittner ausbreitete, war ein kriminelles „Von der Hand in den Mund-Leben“. Nichts wirklich Spektakuläres - und wäre dieses Netto-Handyfilmchen nicht viral gegangen, hätte wohl kein Hahn danach gekräht.

Für den Dieb gab es am Ende der Verhandlung zwei Jahre Freiheitsentzug ohne Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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