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Manche Banken nehmen inzwischen Gebühren: Münzgeld kann teuer werden

Manche Banken nehmen inzwischen Gebühren : Münzgeld kann teuer werden

Weil Banken jede Münze auf ihre Echtheit überprüfen müssen, sinkt dort der Spaß am Hartgeld. Wer Münzen einzahlen möchte, wird mancherorts zur Kasse gebeten.

Es rattert und klimpert. In Sekundenschnelle werden die Münzen aus dem Plastikbeutel von der grauen Maschine aufgesogen und sortiert. Ein Cent, zwei Cent — bis zum Zwei-Euro-Stück. Am Ende kommt ein Beleg aus dem Automaten und das Kleingeld ist auf dem Konto gelandet. So stellt es sich jeden Tag vielfach an den vier Münzgeldautomaten der Stadtsparkasse Wuppertal dar. Als die Maschine voll ist, muss Kundenberaterin Anna Schmidt die sechs Geldtaschen im Inneren leeren.

Entlang der Talachse sind die Automaten in vier der insgesamt 34 Sparkasse-Filialen verteilt. Einer davon steht in der Hauptgeschäftsstelle am Islandufer. Vor allem am Montag, berichtet Sprecher Jürgen Harmke, bilden sich oft lange Schlangen: "Dann bringen zum Beispiel Vertreter der Kirche die Einnahmen aus der Kollekte vom Gottesdienst." Der Bedarf an den Apparaten ist offensichtlich noch groß, Harmke berichtet, dass bis zu zweimal am Tag geleert werden müsse.

In den letzten Monaten war das Bargeld noch mehr Thema in der Öffentlichkeit als sowieso schon. Einmal wegen der Abschaffung des 500-Euro-Scheins, aber auch wegen einer EU-Verordnung zur Prüfung des Münzgeldes. Weil die Banken dadurch seit Anfang 2015 verpflichtet sind, jede einzelne Münze auf ihre Echtheit zu überprüfen, haben sich viele Geldinstitute in letzter Zeit dazu entschlossen, Gebühren für die Einzahlung zu nehmen. Für Kunden der Sparkasse ist die Einzahlung umsonst. Wer kein Konto hat, zahlt mit. Die altbekannten Münzrollen gibt die Sparkasse deshalb nur noch aus, nimmt aber keine mehr entgegen. Aktuell wird auch die Einzahlung für Scheine ausgebaut, von 34 auf 40 Automaten im Stadtgebiet.

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Für Menschen, die viel Geld einzahlen, hat diese Verordnung eine hohe Belastung mit sich gebracht. Der Handelsverband NRW (HV), der im Bergischen Land 2.500 Händler vertritt, berichtet von horrenden Summen. Je nach Höhe und Absprache müssen manchmal fünf bis zehn Euro pro Vorgang gezahlt werden. In letzter Zeit habe der bargeldlose Zahlungsverkehr per EC-, Kreditkarte oder Handy zugenommen. In 2014 zahlten laut HV nur noch 53 Prozent der Kunden mit Bargeld.

Die Abschaffung des ganz kleinen Kleingelds ist ebenfalls ein Thema beim Verband: "Wir forcieren das aber nicht", sagt Pressesprecherin Anne Linnenbrügger-Schauer. Aktuell stehe ein Pilotprojekt in Kleve im Fokus. Bei Einkäufen runden 100 teilnehmende Einzelhändler an der Kasse freiwillig auf oder ab. Dadurch werden die Ein- und Zwei-Cent-Stücke überflüssig. "Die Kunden aus Kleve kennen das gut, mit Menschen von außerhalb gibt es aber häufig Diskussionen", sagt Linnenbrügger-Schauer. Kleve liegt nah an den Niederlanden. Im Nachbarland verzichtet der Handel flächendeckend auf die kleinen Münzen.

Die Sparkasse, sagt Jürgen Harmke, beteilige sich übrigens ebenfalls nicht an einer politischen Debatte zur Abschaffung des Bargelds oder einzelner Münzen und Scheine. "Wir sehen uns als Dienstleiter und versuchen, die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Wenn jemand zum Beispiel eine Menge Cent-Stücke abheben will, versuchen wir, das zu organisieren."