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Liveticker: Schwebebahn ein Jahr nur samstags und sonntags

Pressekonferenz der WSW : Liveticker: Schwebebahn ein Jahr nur samstags und sonntags

Die Wuppertalerinnen und Wuppertaler, aber auch ihre Gäste, müssen erneut längere Zeit auf die Schwebebahn verzichten. Wegen massiver Schäden fährt das Wahrzeichen bis Mitte 2021 nur noch an den Wochenenden. Das haben die Stadtwerke (WSW) am Freitagvormittag (3. Juli 2020) offiziell bestätigt.

Umweltspur: Bernhard Sander, Oberbürgermeisterkandidat der Wuppertaler Linken, fordert wegen des langfristigen Ausfalls der Schwebebahn die Einrichtung einer Umweltspur auf der gesamten Talachse. Mehr dazu: hier klicken!

FDP: Die FDP-Ratsfraktion bezeichnet die einjährige Zwangspause der Schwebebahn an Fahrtagen außerhalb des Wochenendes als ein „großes Desaster“. Es kommt immer mehr der Eindruck auf, dass in dieser Stadt nichts mehr richtig zu funktionieren scheint, so der Fraktionsvorsitzende Alexander Schmidt. Mehr dazu: hier klicken!

Grüne: Die teilweise Stilllegung der Schwebebahn trifft Wuppertal nach Meinung der Grünen „bis ins Mark“. Sie erwarten nun von den Beteiligten eine „offene Kommunikation“. Mehr dazu: hier klicken!

Ankündigung: Die WSW wollen in der letzten Woche der Sommerferien eine weitere Pressekonferenz einberufen, um über den Zwischenstand zu informieren. Eine der wichtigen Fragen: Warum taucht das Mängelbild innerhalb von ein paar Wochen auf und nicht schon eher? Weil die Schwebebahnen wegen der Corona-Pandemie kaum besetzt waren? Liegt es an den Leerfahrten? Das alles muss geprüft werden.

Externe Stellungnahme: Der Wuppertaler OB-Kandidat Uwe Schneidewind hat sich zu den Problemen bei der Schwebebahn geäußert. Die Stilllegung „für mindestens zwölf Monate ist eine erschütternde Nachricht“. Mehr dazu: hier klicken!

Der WSW-Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Bell: „Ich bin mehr als erstaunt über Kiepe Electric. Sie waren nicht bereit oder in der Lage, als deutscher Hersteller den Auftrag fachgerecht auszuführen. Das ist dramatisch. Es handelt sich hier um ein Weltkulturerbe.“ Ulrich Jaeger: „Heute gibt es noch keine klare Ursachenanalyse. Wir versuchen derzeit dieses Problem zu verstehen.“ Die Räder werden zur Analyse eingeschickt, es werden Materialproben entnommen.

WSW-mobil-Geschäftsführer Ulrich Jaeger erklärt die Problemzonen. Foto: Wuppertaler Rundschau / mivi

Erste Schritte: Weil die Mängel so gravierend sind, mussten zehn Wagen bereits aus dem Verkehr gezogen werden. Ab Montag (6. Juli 2020) gilt bereits ein reduzierter Fahrplan. Dann sind die Schwebebahnen nur noch im Sechs-Minuten-Takt unterwegs.

Zeitfenster: Anfang Mai sei das Schadbild noch nicht festgestellt worden, so Jaeger. Im Laufe des Mai sei es aufgetaucht und habe im Juni enorm zugenommen. Die Schwebebahn müsse bis auf die Wochenenden stillgewegt werden, um die Schienen nicht völlig zu zerstören. Unter der Woche werden die Schienen dann abgeschliffen, so könne der Schaden behoben werden.

Chronologie: Im Mai seien erste Gebrauchsspuren an den Rädern entdeckt worden. Im selben Monat wurden dann auch Schäden an den Schienen festgestellt, so Ulrich Jaeger. Solche Ausbrüche in den Schienen und die damit verbundene Geräuschentwicklung habe es bisher noch nie gegeben. Die Räder sehen laut WSW schon jetzt aus wie normalerweise nach 60.000 Kilometern. Sie seien aber gerade einmal 20.000 Kilometer gelaufen. Dass sich das Material abnutze, sei normal - aber nicht in dieser Geschwindigkeit.

Interne Maßnahmen: Die WSW kündigen eine „Überprüfung interner Prozesse“ an. Dafür sei ein „Kompetenz-Team“ unter Leitung des WSW-Vorstandsvorsitzenden Markus Hilkenbach und „WSW mobil“-Geschäftsführer Ulrich Jaeger gebildet worden. Auch externe Berater würden eingeschaltet. Ziel sei es, „die Prozesse in Betrieb und Werkstätten so zu optimieren, dass auftauchende Probleme schneller erkannt und gelöst“ würden. „Wir werden und müssen auch unsere eigene Arbeit einer vollständigen externen Prüfung unterziehen“, so Hilkenbach. „Die Schwebebahn ist für Wuppertal unverzichtbar. Unsere Aufgabe ist es, aus dem Mängelmodell wieder das Wahrzeichen der Stadt zu machen, auf das die Wuppertaler stolz sein können.“

Lange Gesichter bei der Führungsetage der WSW. Foto: Wuppertaler Rundschau / mivi

Klage: Die Mängel haben juristische Konsequenzen. Die WSW bereiten nach eigenen Angaben gegen den Hersteller der neuen Schwebebahn-Baureihe, den Düsseldorfer Fahrzeug-Hersteller Kiepe Electric, eine „Klage wegen Schlechterfüllung und Schadensersatz“ vor. Dies habe der Aufsichtsrat der WSW mobil in einer Dringlichkeitssitzung am 2. Juli entschieden. „Die Klage ist das letzte Mittel, aber nach einem vierjährigen Leidensweg für uns und unsere Fahrgäste sehen wir keine andere Möglichkeit mehr“, so der WSW-Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Bell. Dem Hersteller seien alle Mängel angezeigt worden und die WSW hätten versucht, mit Kiepe einvernehmlich Lösungen zu finden. Bell: „Der Klageweg ist nicht risikolos, aber wir haben eine Verantwortung für Wuppertal.“ Das Wuppertaler Wahrzeichen dürfe nicht wegen technischer Probleme mit nur 40 km/h durchs Tal schleichen. Bei der Schadensersatzforderung gehe es nicht nur um Einnahmeverluste durch Betriebsausfälle, sondern auch um erhöhten Aufwand für Reparaturen, Umbauten und Ersatzteile, Kosten für Gutachten und Materialuntersuchungen und Folgekosten durch Schäden am Gerüst.

Konsequenzen: „Vor diesem Hintergrund ist die Aufrechterhaltung des regulären Fahrplans nicht mehr möglich“, legt sich Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil GmbH, fest. Insgesamt umfasse die Fehlerliste der neuen Fahrzeuge fast 200 technisch unterschiedliche Einträge. Das habe zur Folge, dass am Ende der Sommerferien nicht mehr ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stehen. „Während der Ferien können wir nur noch einen 6-Minuten-Takt fahren, danach müssen wir zum Schutz des Gerüsts den Fahrbetrieb umfassend einschränken.“ Nach den Sommerferien sind von 29 Fahrzeugen nur noch zehn im Einsatz.

Dietmar Bell: „Das ist ein schwerer Tag für die WSW. Alle Entscheidungen werden die Stadt im Kern treffen.“ Das Vertrauen in den Hersteller sei „massiv erschüttert“, es werden Klagen vorbereitet.

Auch im April mussten die WSW wegen Rissen am Gerüst arbeiten. Foto: Christoph Petersen

Hintergrund: Seit Einführung der neuen Bahnen vor vier Jahren habe immer wieder Probleme mit den Schwebebahnen des Herstellers Kiepe Electric gegeben. Ein „neuer Aspekt“ zwinge die WSW nun zum Handeln: „Ein seit April auftretender atypischer Verschleiß der Räder hat in der Folge zu Schäden am Gerüst geführt. Dies wurde bei umfangreichen Inspektionen des Gerüsts im Juni festgestellt.“

Stellungnahme der Wuppertaler Stadtwerke: „Nach den Sommerferien fährt die Schwebebahn nur noch samstags und sonntags. Von Montag bis Freitag bieten die WSW einen Ersatzverkehr mit Bussen an. Auf diese Einschränkung müssen sich die ÖPNV-Kunden voraussichtlich bis zum Sommer 2021 einstellen. Grund sind neue technische Probleme an den Schwebebahn-Fahrzeugen.“

Countdown: Die Protagonisten trudeln ein, darunter Markus Hillenbach (Vorsitzender der WSW-Geschäftsführung), WSW-mobil-Geschäftsführer Ulrich Jaeger, Arbeitsdirektor Markus Schlomski und der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Bell. Sie werden zunächst in einem Konferenzraum der Vohwinkeler Wagenhalle über die Lage berichten, später geht es dann hoch in die Wagenhalle selbst.

Ambiente: Das heutige Wetter passt zur Stimmung bei den WSW – deutlich eingetrübt.

Nur ein Jahr später: Neun Monate lang mussten die Wuppertalerinnen und Wuppertaler ab November 2018 auf die Schwebebahn verzichten. Damals löste sich auf Höhe der Haltestelle Stadion/Zoo eine Stromschiene vom Gerüst und fiel auf die Fahrbahn. Es folgten langwierige Ermittlungen, der Gesamtschaden wurde auf rund zwei Millionen Euro beziffert. Erst am 1. August 2019 ging es weiter. Nun folgt offenbar die nächste Zwangspause.

Ausblick: Klar ist schon jetzt, dass es sich um keine kurzfristige Maßnahme handeln wird - sondern um eine, die Wuppertal lange beschäftigt. Mit Blick auf den ÖPNV, aber natürlich auch kostentechnisch.

Guten Morgen: Herzlich Willkommen zum Rundschau-Liveticker. Das Thema ist kein schönes. Dem Wuppertaler Wahrzeichen, der Schwebebahn, droht eine weitere erheblich Zwangspause. Dabei geht es um die massiven Probleme mit den so genannten Radreifen, die unter anderem Schäden am Gerüst verursacht haben. Der Aufsichtsrat der WSW hatte sich am Donnerstag (2. Juli) mit dem Thema befasst.

(jak / mivi)