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Lebensrettung in der Schwebebahn

Lebensrettung in der Schwebebahn

In Wuppertal sterben jedes Jahr etwa 400 Menschen an einem Herz-Kreislauf-Stillstand, die bei einer schnell begonnenen Herzdruckmassage vielleicht noch leben könnten, sagt Notfallmediziner Bernd Jeschke.

Wie einfach man Leben retten kann, demonstrierten sieben Rettungsteams in der Schwebebahn.

Langsam rollt der Schwebebahnzug in die Haltestelle. Als sich die Türen öffnen, bleiben einige Fahrgäste erstaunt stehen. Auf dem Boden der Bahn liegt ein weißes Tuch, darauf ein Puppe, an der eine Herzdruckmassage geübt werden kann. Einige schauen zwar neugierig, setzen sich dann aber doch möglichst weit entfernt. Davon lassen sich Dr. Jeschke und Rettungsassistent Philip Steinberg von der Feuerwehr nicht beeindrucken. Mit lauter Stimme erklärt Jeschke den Fahrgästen, worum es bei der Aktion geht. Doch das Interesse der Mitfahrer, selbst einmal eine Herzdruckmassage in der fahrenden Schwebebahn (und unter den Augen der Umstehenden) durchzuführen, hält sich in Grenzen. "Es ist wie im echten Leben", sagt Steinberg, "keiner traut sich."

Dabei könnte man kinderleicht ein Leben retten. "Wenn Sie einen Menschen leblos antreffen", rät Jeschke, "prüfen Sie zuerst, ob er noch atmet. Dann verständigen Sie über den Notruf 112 die Leitstelle der Feuerwehr." Besonders wichtig sei es, nach dem Notruf nicht einfach aufzulegen. "Fast jedes Handy hat einen Lautsprecher, so dass sie mit Anweisung des Mitarbeiters der Leitstelle mit der Wiederbelebung beginnen können." Bei möglicherweise lebensbedrohlichen Situationen bleibt dieser nämlich so lange am Telefon, bis Rettungswagen oder Notarzt an der Einsatzstelle eingetroffen ist.

"Ein Menschenleben zu retten, ist einfacher als die meisten denken", erklärt Dr. Bernd Jeschke, "denn für Menschen mit einem Herzstillstand zählt jede Sekunde!" Als leitender Oberarzt am Institut für Notfallmedizin im Helios Klinikum Wuppertal erlebt er tagtäglich, wie wichtig schnelle Hilfe ist, wenn ein Mensch leblos zusammengebrochen ist.

Die wichtigste Maßnahme für eine erfolgreiche Wiederbelebung ist die Herzdruckmassage. "Das Gehirn stirbt bereits nach drei bis fünf Minuten ohne Durchblutung ab, und es entstehen irreparable Schäden. Deshalb ist es wichtig, so schnell wie möglich mit der Reanimation zu beginnen, um das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen", erklärt Jeschke. "Es reicht nicht, auf den Rettungsdienst zu warten, der durchschnittlich etwa acht Minuten benötigt, um die Einsatzstelle zu erreichen. Denn selbst wenn bei einer erst später begonnenen Reanimation das Herz vielleicht noch mal zu schlagen beginnt, sind schon Teile des Gehirns abgestorben..." Er betont, dass man "bei einer Wiederbelebung nichts falsch machen kann, außer man tut nichts. Tot ist tot." Natürlich könne bei einer Herzdruckmassage auch mal eine Rippe brechen. "Das tut dann sechs Wochen lang weh", so Jeschke, "doch einen Herzstillstand überlebt man nicht, und da tut einem auch nichts mehr weh."

Eine Beatmung ist während dieser Zeit nicht erforderlich. "Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass im Blut genügend Sauerstoff für die ersten acht Minuten einer Wiederbelebung vorhanden ist", sagt Jeschke, "so dass während dieser Zeit auf eine Beatmung verzichtet werden kann." Es muss also "keine Ekelschwelle überwunden" werden, und "drücken kann jeder".