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GWG Wuppertal: Bilanz für 2019 mit "stramm positiver Entwicklung"

GWG blickt optimistisch in die Zukunft : „Unsere Preise bleiben bezahlbar“

Jenseits der hauseigenen Pressemitteilung lieferte Oliver Zier, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Wuppertal (GWG), bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2019 auch noch weitere Details und Facetten über den Wuppertaler Wohnungs(bau)markt – und die individuellen Features der GWG.

Ein besonderes Wuppertaler Problem: Nur sechs (!) neue Wohnhäuser sind in der ersten Hälfte 2019 zu den insgesamt 45.000 Wohngebäuden in der Stadt hinzugekommen. Oliver Zier: „Auf dem Markt passiert sehr, sehr wenig.“ Ein Grund dafür: Die Baukosten sind zwischen den Jahren 2000 bis 2018 um 65 Prozent gestiegen, wobei 20 Prozent dieses Zuwachses, so Zier, mit regulierenden Auflagen und Gesetzen etwa in Sachen Dämmung oder Energieverbrauch verbunden sind.

Den Baukostensteigerungen steht allerdings kein Klettern der Mietpreise gegenüber: Die (kalte) Angebotsmiete für neu abgeschlossene Mietverträge liegt in Wuppertal bei durchschnittlich 6,68 Euro pro Quadratmeter – bei den Wohnungen der GWG gar nur bei 5,59 Euro. Oliver Zier: „Das darf allerdings nicht mit dem Durchschnitt aller Mietverhältnisse in Wuppertal verwechselt werden. Der liegt noch viel niedriger.“

Weitere Wuppertaler Kennzahlen markieren das Umfeld, in dem sich die GWG als größter Vermieter der Stadt (5.600 Wohnungen, davon 120 Senioren-Service-Wohnungen plus etwa 41.000 Quadratmeter Gewerbefläche mit 65 Mietern) bewegt: Wuppertal hat eine Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent, das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei (nicht besonders üppigen) 1.730 Euro. Der GWG-Chef: „Wir sind gerade deswegen stolz darauf, viele passende Objekte für die anbieten zu können, die sich nicht so viel leisten können.“ Und Zier verspricht: „Unsere Preise sind bezahlbar und sie bleiben es auch.“

Klar ist: Bei allen Aktivitäten für Instandhaltung, Modernisierung und Neubau hilft der GWG die unverändert anhaltende Niedrigzinsphase. Geplant sind bis zum Jahr 2029 Investitionen von 144 Millionen Euro: Für energetische Fortschritte, Digitalisierung bei der Vermarktung mit virtuellen Wohnungsrundgängen, ein Online-Mieterportal, eine Mieter-App, digitale Gebäudesteuerungen, Dachaufsätze, um zusätzlichen Wohnraum im Bestand zu gewinnen, mehr Grünstrom, Solaranlagen oder Grün-Dächer sowie E-Car-Sharing-Kooperationen und E-Bike-(Lade-)Stationen.

Dass im Segment Neubau wenigr möglich ist, als nötig wäre (der hochwertige Mietwohnungskomplex „Heidter Carree“ etwa war, noch bevor der Bau überhaupt startete, schon sehr heiß begehrt), bedauert Oliver Zier. „Aber die misslichen Jahre der Vergangenheit stecken uns noch zu sehr in den Knochen“, so der GWG-Geschäftsführer.

Die Folgen dieser „misslichen Jahre“ konnten dank Hilfe der Stadt und eines straffen Sparkurses gut in den Griff bekommen werden: Die Belastungen sind gesunken, die Erträge stabil. Das Eigenkapital (ein wichtiges Argument bei Kreditverhandlungen mit Banken) lag 2011 noch bei nur 2,5, im vergangenen Jahr schon bei 25,5 Prozent. Oliver Zier spricht mit Blick auf 2018 und 2019 von „einer stramm positiven Entwicklung“. Dabei schrumpfte der Personalstand von 76 Leuten Ende 2018 auf jetzt 64 Mitarbeiter, wovon sechs Auszubildende sind. Weiter eindampfen könne man die Beschäftigtenzahl aber nicht mehr. Zier gegenüber der Presse: „Jetzt ist Schluss mit dem Personalabbau, sonst leidet die Qualität. Ich kann hier natürlich auch mit nur 20 Leuten arbeiten, dann funktioniert aber nichts mehr.“

Apropos „gesunken“: Das gilt auch für den Leerstand bei den GWG-Wohnungen. 3,3 Prozent beträgt er noch, eine Verbesserung um neun Prozent im Vergleich zu 2018. Die Gesamtstadt listet eine Leerstandsquote von fünf Prozent auf.

Von den 5.600 Wohnungen der GWG sind 1.600 „barrierearm“. Bedeutende Nachfrage nach Objekten, die den strengen Standards der Barrierefreiheit entsprechen, verzeichnet man nicht.

33,9 Prozent aller GWG-Wohnungen sind öffentlich gefördert. Wuppertal als Gesamtstadt hat dagegen nur fünf Prozent Sozialwohnungen zu bieten. Zu den öffentlich geförderten Flächen hinzu kommen bei der GWG außerdem 48 Prozent Wohnungen, die das Kriterium der „Preisgünstigkeit“ erfüllen: Sie kosten durchschnittlich 5,25 Euro pro Quadratmeter. Für Studenten gibt es außerdem Mietpreis-Rabatte.

Die Mieterzufriedenheit wird regelmäßig erfragt: von 67,7 Prozent im Jahr 2013 ist sie auf 73,4 Prozent für 2019 gestiegen. Oliver Zier: „Das wollen wir gerne noch weiter verbessern. Dazu gehört übrigens auch, dass trotz aller Digitalisierungsprojekte der persönliche Kontakt mit den Menschen, die bei uns wohnen, unverändert wichtig bleibt.“

Auch einen Blick auf die harte Corona-Phase gab es bei der Bilanzpressekonferenz: Die GWG verzeichnete kaum Mietrückstände oder gar Ausfälle. Oliver Zier: „Wo es Notlagen gab, haben wir Vereinbarungen getroffen.“ Für die Senioren wurden immer wieder Freiluft-Konzerte, die von den Wohnungen aus erlebt werden konnten, angeboten. Dabei habe man außerdem durch die Auftragsvergabe Künstler finanziell unterstützen können.

Oliver Zier lobt sein Team: „Unsere großartigen Mitarbeiter haben es möglich gemacht, dass die GWG trotz Corona ganz normal funktioniert hat. Und die Handwerksfirmen dieser Stadt haben uns in dieser Phase vorbildlich verlässlich unterstützt.“