Sucht: "Facebook war in meinem Kopf"

Sucht : "Facebook war in meinem Kopf"

Wir sind ständig online. Können wir noch ohne das Internet? Roman K. merkte: Er ist abhängig. Im Rundschau-Gespräch erzählt er über seine Sucht.

"Ich habe die Zeit verloren", sagt er und schaut auf seine Hände. Den Bezug zu Tag und Nacht, zu den Tageszeiten. "Es hat mich reingezogen." Er spricht von Facebook.
Eigentlich beginnt diese Geschichte zwischen ihm und Facebook ziemlich gut. 2006. Roman K. hatte eine schwere Zeit hinter sich und begann, seine Gedanken aufzuschreiben. Und zu teilen. Menschen lasen seine Worte und mochten sie. Sie drückten "gefällt mir". Sie teilten seine Gedanken. Er bloggte über Depression und teilte die Einträge in dem Netzwerk, das so untrennbar vom Adjektiv "sozial" scheint. Sein Blog über Depression gewann Zuspruch und Roman fand zu neuem Selbstbewusstsein. Sie schrieben, er würde ihnen helfen und deshalb schrieb er weiter. Sie wollten alle seine Freunde sein. Er, der immer Probleme mit Menschen hatte, brachte sie auf einmal zusammen.

Nicht in der realen Welt, dafür in der blauen, auf seinem Bildschirm, mit der Möglichkeit, andere zu ignorieren und seine Blase zu gestalten, wie es ihm gut tat. Facebook malt dir die Welt, wie sie dir gefällt.
"Irgendwann", sagt er, "blieb das Glück aus." Ein anderes Gefühl kam. Wenn er versuchte, nicht online zu sein, war dieses Gefühl da — dunkel und zwanghaft und gar nicht mehr so locker.
Roman K. bekam starke Schmerzen im Nacken und er schrieb weiter. Er konnte nicht aufhören. "Sie brauchen mich doch." Er registrierte nicht mehr den Unterschied zwischen morgens und abends, Frühling und Winter. Jahre können fliegen.
Er will aufhören. In einer Suchtklinik sitzt er mit sechs Menschen in einem Kreis. Sechs Wochen Entzug.

Er ist wieder Teil der normalen Welt. Die blaue, die besucht er nur noch ab und zu. Sie ist nicht mehr wichtig. Aber die reale Welt ist komplizierter. Von den Dingen, die er mag, macht er Fotos. Er würde gern Fotograf werden. Hatte er davor überhaupt schon einmal einen Traum? Jetzt hat er einen. Und Freunde hat er, welche zum Treffen. Er spricht jetzt statt zu schreiben.


Roman K. hat sich an die Wuppertaler Rundschau gewendet, um über seinen Weg aus der Sucht zu sprechen und anderen Menschen, die unter Internetsucht leiden, ein Vorbild zu sein. Er hat in Wuppertal eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich zweimal im Monat im Sozialpsychiatrischen Zentrum Elberfeld trifft. Kontakt zu ihm gibt es über www.onlinesucht-wuppertal.de.tl