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Einsatz im Wuppertaler Rocker-Milieu: Wohl kein „harmloser Boxclub“

Einsatz im Rocker-Milieu : Kein „harmloser Boxclub“

Großaufgebot der Polizei in Wuppertal und Wülfrath: Ein SEK-Komando stürmte in der Wülfrather Kastanienalle um 6 Uhr morgens die Wohnung eines 25-Jährigen, um einen Haftbefehl des Wuppertaler Amtsgerichts zu vollstrecken.

Die Wohnung wurde durchsucht, der Porsche des Beschuldigten soll sichergestellt worden sein. Zwangsprostitution, Zuhälterei und Menschenhandel: Die Tatvorwürfe gegen den 25-Jährigen wiegen schwer.

Bei ihm soll es sich zudem um den „Vice President“ der „United Tribuns Borderland“ handeln – einer Rockergruppe mit Chapter in der Industriestraße in Vohwinkel.

In Wuppertal hatte es weitere Polizeieinsätze bei Mitgliedern des Motorradclubs gegeben, gegen die ebenfalls Haftbefehle vorgelegen hatten, die nun vollstreckt wurden. Unter den drei Inhaftierten soll auch der „President“ der „United Tribuns Borderland“ sein, dem ebenfalls Zwangsprostitution, Zuhälterei und Menschenhandel vorgeworfen werden. „Wegen der vermuteten erheblichen Gewaltbereitschaft der Beschuldigten erfolgten die Verhaftungen durch Spezialeinsatzkräfte der Polizei“, begründete Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert den SEK-Einsatz.

Einer der Beschuldigten soll sich derart massiv gegen seine Verhaftung gewehrt haben, dass man ihn vor dem Abtransport habe ärztlich untersuchen und seine Gewahrsamsfähigkeit feststellen lassen müssen. Die vier Beschuldigten sollen unter anderem im Januar 2020 eine 20-Jährige dazu gezwungen haben, sich zu prostituieren.

  • Symbolbild.
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Der in Wülfrath festgenommene „Vice President“ soll bereits zum Jahresbeginn 2019 die Notlage einer 17 Jahre alten Jugendlichen ausgenutzt und sie in Hotels zur Prostitution gezwungen haben.

Das Chapter in der Industriestraße soll die Rockergruppe erst vor drei Monate angemietet haben. Der Vermieter der Gewerbeimmobilie hatte seine Mieter für die Mitglieder eines „harmlosen Boxclubs“ gehalten. Auch ihn hatte die Polizei morgens geweckt, er hatte den Ermittlern die Türen zum Rocker-Domizil aufgeschlossen. Angetroffen habe man dort allerdings niemanden mehr.

In der unscheinbaren Gewerbehalle sollen die „United Tribuns Borderland“ ehemalige Personalräume bezogen haben. Ein Tresen, eine Sitzecke und in der Ecke eine komfortable Badewanne: Zumindest auf den ersten Blick lassen lässt sich die Räumlichkeiten nicht mit kriminellen Machenschaften in Verbindung bringen. Herumstehende Farbeimer und Maler-Utensilien deuten darauf hin, dass man dort noch mit Renovierungsarbeiten beschäftigt war.

Was jedoch nicht fehlen durfte und überall zu sehen war: Das sogenannte „Center Patch“ - in Rocker-Kreisen die Bezeichnung für das Club-Logo.

Einer anderen Nachbarin waren in den vergangenen Wochen die Luxuskarossen aufgefallen, die vor dem Gebäude geparkt hätten. Komisch sei ihr auch vorgekommen, dass die Bewohner immer nur nachts anzutreffen gewesen wären. Dass es sich um einen Rocker-Club gehandelt habe? Nein, das sei ihr nicht in den Sinn gekommen.

Die vier Beschuldigten warten nun in der Untersuchungshaft auf ihren Prozess. Die Ermittlungen dauern an - sollten sie verurteilt werden, drohen langjährige Haftstrafen.