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Eine unbequeme Band

Eine unbequeme Band

Die Wuppertaler Crossoverband "Bonez" hat bereits zwei Alben veröffentlicht, die aufhorchen ließen. Im September folgt nun eine Clubtour.

Crossover. Eigentlich ist diese Musik ja fast ausgestorben. Der Mix aus Rap und Rock wurde in den 90er Jahren groß. Bands wie "Limp Bizkit", "Linkin Park" oder auch die deutschen "H-Blockx" rappten ihre Texte über energiegeladene Gitarrenbeats. Die Welle ist aber im Mainstream schon lange abgeebbt.

"Wir sind uns dessen bewusst. Aber die Popmusik von heute nervt einfach. Sie ist überzogen von einem kitschigen Feuerwerk", sagt Simon "Bonez" Felgenträger. Der 27-Jährige ist Sänger und Namensgeber der Wuppertaler Crossover-Band "Bonez".

Zusammen mit Mario Smida (27, Bass), Matthias Wiercinski (24, Gitarre) und dem kürzlich hinzugekommenen Simon Strotmann (26, Drums) hat sich "Bonez" auf die Fahnen geschrieben, "Musik zum Dampf ablassen" zu liefern. Auf zwei Alben haben die Rap-Rocker schon bewiesen, dass sie das können: "Bretter für die Götter" (2012) und "Heiligtümer für die Hunde" aus dem letzten Jahr haben in der Szene aufhorchen lassen. Seit 2011 spielt die Band unter dem Namen "Bonez" zusammen, zuvor waren Felgenträger und Smida mit "Crushhour" über die Talgrenzen hinaus bekannt geworden. 2009 räumten sie den "Deutschen Rock- und Pop-Preis" als beste Band ab. Für die große Karriere aber, stellten die Musiker fest, hätten sie sich zu arg verbiegen müssen.

Dass sich viele Fans in den Texten wiederfinden, liegt auch daran, dass "Bonez" Felgenschläger sie in einfachem, klarem Deutsch aufschreibt. "Deutsche Sänger oder Rapper, die englische Texte schreiben, klingen meist peinlich, obwohl es sich für viele schöner anhört. Ich habe den Anspruch, so zu schreiben, wie ich spreche", sagt der 27-Jährige.

Überzeugen kann man sich davon im letzten Song "Klappe Zu Affe Tot", zu dem die Band auch ein neues Video aufgenommen hat. "Es geht darum, wie viel du sagst, und nicht, wie viel du aussprichst, ich versteh nicht, was du willst und ich glaub, du verstehst es auch nicht", rappt Felgenschläger über den organischen Live-Sound seiner Bandkollegen, gerichtet an die deutschen Rapper, die mit wesentlich weniger Aussagekraft in ihren Texten glänzen. In dem bemerkenswert geschnittenen Video erkennt man auch das Faible von Bassist Mario Smida: Er schminkt sich für Konzerte das Gesicht schwarz-weiß: "Meine Kriegsbemalung und ein Zeichen dafür, sich frei bewegen zu können", sagt er.