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Ein Jahr Sperrung der B7: Knackpunkt Luisenviertel

Ein Jahr Sperrung der B7 : Knackpunkt Luisenviertel

Vor einem Jahr wurde die B7 wegen des Döppersberg-Umbaus voll gesperrt. Ein Fazit nach 366 langen Tagen mit komplett durchschnittener Talachse.

Der Verkehr: Als es losging, hat es eigentlich keiner bemerkt. Kein Wunder — damals waren ebenso wie heute Sommerferien. Und doch: Schon seinerzeit knirschte es rund um Neumarkstraße, Luisenviertel und Robert-Daum-Platz gleich spürbar. Dazu passt, dass die Rundschau bereits am 30. Oktober 2013 eine Prognose der Elberfelder Einzelhändlerinitiative "IG 1" veröffentlicht hatte: Der damalige "IG 1"-Chef Jos Coenen sprach von einem "drohenden riesigen Rückstau-Chaos" im Bereich Neumarktstraße sowie Luisen- und Laurentiusviertel. Er behielt recht. Im Gegensatz zu den Unkenrufern, die im Bereich Wolkenburg den Untergang der innerstädtischen Verkehrsverbindung zwischen Elberfeld und Barmen sahen: Das hat sich nicht bewahrheitet. Es läuft zwar oft zäh auf der Wolkenburg, aber es läuft.

Keine echte Lösung gibt es dagegen für das komplette Umfeld des Robert-Daum-Platzes und das Luisenviertel. Die im November von OB Jung persönlich angeordnete Schließung des Fußgängerüberweges an der Briller-Straße-Sparkasse hatte nur wenige Stunden Bestand. Die Fußgänger akzeptierten sie nicht, brachten sich und andere in Gefahr, die Polizei öffnete den Überweg wieder.

Leichte Entspannung brachten die Kappung der Aue-Ausfahrt zum Robert-Daum-Platz, die abendliche Wall-Öffnung schon ab 18 Uhr sowie die ebenfalls ab 18 Uhr gültige Rechtsabbiegerfreigabe vom Islandufer zur Südstraße. Aber: Dadurch sind spürbare Feierabend-Rückstaus auf der Südstraße entstanden, denn oben an der Stadthalle gibt's für Autos nur eine Geradeaus-und-Abbiegespur, Busse und Taxen bekommen erst spät ihre eigene Fahrfläche.

Apropos erst spät: Schon seit Ende November gibt es den Plan, die von IHK und Friedrich-Ebert-Straße-Händlern vorgeschlagenen Verkehrsänderungen gutachterlich prüfen zu lassen. Nach acht Monaten liegen die Ergebnisse immer noch nicht vor. Aktuell ist von "nach den Sommerferien" die Rede. Es geht beispielsweise um die Umkehrung der Fahrtrichtung an der Bergstraße, um den Abfluss aus der Neumarktstraße zu optimieren, verbessertes Abbiegen von der Bundesallee in die Briller Straße, oder das "Durchziehen" der Fahrtrichtung auf der Friedrich-Ebert-Straße zur Briller Straße, damit der Einfädelstau an der Kreuzung Sophienstraße entzerrt wird.

Die Busse: "Das Konzept ist voll aufgegangen, besonders der Plan, die Bustrasse über Wall und Südstraße am Baustellenbereich vorbei zu führen, hat sich bewährt", erklärt WSW-Mitarbeiter Ludwig Froning, der nicht verschweigt, dass es auch Beschwerden von Fahrgästen gegeben habe. "Natürlich fanden viele es nicht prickelnd, vor der Abrissbirne von ,Koch am Wall' auf den Bus zu warten, auch die nicht komplette Barrierefreiheit an der Ohligsmühle wurde bemängelt, aber wir leben nun einmal mit einer Baustellensituation. Natürlich gibt es den ein oder anderen Stau, aber der Fahrplan ist uns bisher nicht um die Ohren geflogen. Und unser Ticket für Samstage und die verkaufsoffenen Sonntage, bei denen fünf Personen mit einem Tagesticket für eine Person mobil sind, kommt blendend an".

Die Taxis: "Man hat sich daran gewöhnt", sagt Nico Höttges, geschäftsführender Vorstand der Taxi-Zentrale Wuppertal mit Blick auf die B7-Sperrung. Von West nach Ost komme man in Elberfeld als Taxifahrer gut durch, da sowohl der aktuelle Busbahnhof Ohligsmühle als auch der Wall von ihnen befahren werden dürfen. Problempunkt sei vor allem weiter die Lage rund um das Luisenviertel und den Robert-Daum-Platz.
Insgesamt müssen Fahrgäste durch Staus und längere Wege seit einem Jahr mit höheren Kosten rechnen. "Wer keine Alternative zum Taxi hat, beißt in den sauren Apfel", so Höttges. "Alle anderen überlegen zwei- oder dreimal, ob sie sich das leisten. Das spüren wir natürlich."

Verzichtet hat man in Wuppertal aus diesem Grund im Vergleich zu anderen Städten auf eine generelle Tariferhöhung, um die Kosten im Zuge des Mindestlohns auszugleichen. "Das wollen wir den Fahrgästen nicht zusätzlich zumuten", sagt Nico Höttges. Vom Tisch sei dies aber noch nicht.

Der Handel: Die Liste der Geschäfte, die unter Verweis auf Umsatzeinbußen durch die Baustelle aufgeben, wird immer länger. Neuster Fall: die "Schuhoase". Seit 15 Jahren betreibt Ahmet Orhun sein Outlet-Geschäft in Wuppertal — drei Jahre davon in der Luisenstraße. Im April ist für ihn Schluss. "Mein Mietvertrag endet dann", sagt Orhun, "verlängern werde ich nicht mehr." Ihn zieht es ganz raus aus Wuppertal. Zu groß ist der Frust über die B7-Sperrung — und die Folgen. "Die Umsätze sind im vergangenen Jahr radikal zurückgegangen — in manchen Monaten bis zu 60 Prozent", sagt er. Sechs Mitarbeitern musste er bereits kündigen.
Verständnis für die Wuppertaler, die den Weg in sein Geschäft jetzt nicht mehr finden, hat Orhun dennoch. "Die Leute haben keine Lust mehr, ihre Zeit auf der Straße zu vergeuden." Verständnis für die Stadt hat er dagegen nicht. "Uns allen im Luisenviertel tut die Sperrung in der Brieftasche weh, aber niemanden interessiert das."

...vund Barmen? Baustellen und Staus in Elberfeld — ist das die große Stunde für den Einzelhandel in Barmen? Von einer "leichten Umsatzverschiebung Richtung Barmen" spricht Matthias Wewer, Vorsitzender der IG City Barmen. Gibt es das gleiche Angebot in Elberfeld und Barmen, würden Kunden immer öfter lieber in den Osten der Stadt kommen, so Wewers Erfahrung. "Viele sind froh, dass sie bei uns keinen Stau fürchten müssen, dafür aber genug Parkplätze finden." Davon profitiere man in einem geringen Maße, überrollt werde man aber nicht von neuen Kundenströmen.

Die Passantenfrequenzzählung bestätigt das. Im September 2014 lag man in Barmen vier Prozent unter den Zahlen von 2013 — von signifikanten Veränderungen der Fußgängerströme kann man also nicht sprechen.