Autonomes Zentrum Wuppertal „Dem türkischen Präsidenten ein Wahlkampfgeschenk“

Wuppertal · Das Autonome Zentrum Wuppertal hat sich in einem offenen Brief zu den Plänen der Stadt geäußert, auf dem Gelände an der Gathe zwischen Markomannenstraße und Ludwigstraße eine Moschee der DITIB-Gemeinde zu bauen.

 Aktion am Autonomen Zentrum am 1. Mai 2022.

Aktion am Autonomen Zentrum am 1. Mai 2022.

Foto: Christoph Petersen

„Während in der Türkei der Wahlkampf in die heiße Phase geht und AKP-Politikerinnen und -Politiker hierzulande volksverhetzende Reden halten, plant die Stadt Wuppertal offenbar dem türkischen Präsidenten ein Wahlkampfgeschenk zu machen.

Wie einem Zielbeschluss zur Gathe zu entnehmen ist, will die Stadt den Plänen der DITIB zu ihren Bauvorhaben zustimmen. Wodurch wir aus unseren jetzigen Räumlichkeiten verdrängt werden würden. Nicht, weil das platzbedingt nötig wäre, sondern nur weil die DITIB es so will.

Noch vor fünf Jahren war der Vorbehalt in der städtischen Politik, mit dem deutschen Ableger der türkischen Religionsbehörde zusammenzuarbeiten, größer. Grund dafür war die Affäre um das Ausspionieren türkischstämmiger Bürgerinnen und Bürger durch Imame der DITIB. Und heute, nach Dutzenden weiteren Skandalen und völkerrechtswidrigen Angriffen auf Nachbarländer durch Erdoğans Regime, scheint den politischen Verantwortlichen der Stadt Wuppertal jegliches Problembewusstsein der DITIB gegenüber abhandengekommen zu sein.

Dabei hat sich nichts Grundlegendes geändert. Gerade erst wurden Presseartikel veröffentlicht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des türkischen Generalkonsulats in Düsseldorf vorwerfen, sensible Daten über vermeintliche Anhängerinnen und Anhänger der Gülenbewegung an türkische Polizeidienststellen weitergeleitet zu haben.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Generalkonsulats sind auch gerne mal zu Gast bei der DITIB Gemeinde in Wuppertal. Die DITIB Wuppertal selbst lud erst Anfang des Jahres zu einer Veranstaltung mit dem Historiker Mehmet Işık, welcher den Völkermord an den Armenierinnen und Armeniern relativiert und Kriegsverbrechen osmanischer Truppen rechtfertigt.

Das alles wird von der Stadt ignoriert. Zu groß ist die Verlockung einer Imagekorrektur und vermeintlichen Aufwertung der Gathe, ohne dabei selbst in die städtische Kasse greifen zu müssen. Diese Aufwertung würde nicht nur für uns die Verdrängung von der Gathe bedeuten. Das Aufmotzen der Gathe, mit angeblich 30 Millionen Euro Investition, wird an den dringenden Problemen der meisten Menschen an und rund um die Gathe wenig bis gar nichts ändern.

Zumal DITIB-Führung und Stadt sich scheinbar einig sind in der Bewertung des Lebensraumes Gathe als Schandfleck. Das ist eine ungeheuerliche Respektlosigkeit gegenüber den Menschen, die an und um die Gathe leben, dort Projekte und Gewerbe betreiben. Mit 30 Millionen Euro könnten eine Menge andere, sinnvollere Dinge gemacht werden, um Leben und Wohnen in unseren Viertel für alle zu verbessern!

Anfänglich wurde noch versichert, einen Alternativstandort für das AZ zu finden, sei Voraussetzung für die Realisierbarkeit des Projekts. Doch noch bevor auch nur ein Vorschlag seitens der Stadt an uns herangetragen wurde, ist davon schon keine Rede mehr. Jetzt soll sich um eine Alternative für uns ,bemüht‘ werden, sobald das Vorhaben der DITIB in trockenen Tüchern ist.

Aber wir lassen uns nicht verarschen! Und es wird keinen Tag ohne ein Autonomes Zentrum in Wuppertal geben… Wenn am 6. März im Stadtrat über unsere Zukunft entschieden werden soll, werden wir ebenfalls zum Rathaus kommen. Und wir werden sicher nicht leise sein. Wir wollen kein Wahlkampfgeschenk für Erdoğan und keine DITIBisierung der Gathe!“

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