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Bürgerticket: Selbstverantwortung und Solidarität

Bürgerticket : Selbstverantwortung und Solidarität

Betr.: Bürgerticket

Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung wissen seit Jahren, dass das Querfinanzierungsmodell der Stadtwerke – aus den Überschüssen profitabler Geschäftsbereiche der WSW wird das Defizit der WSW mobil GmbH gedeckt – nicht dauerhaft tragfähig ist.

Immer wenn das Defizit zu groß wurde, fand sich jedoch eine Ratsmehrheit, die bereit war, das ÖPNV-Angebot zu kürzen. Das war zwar die einfachste Lösung, aber sicher keine, die den Ansprüchen von nachhaltiger Stadtentwicklung und Klimaschutz Rechnung trug. Und natürlich wurde das Service-Angebot der WSW durch die wiederholten Kürzungen immer unattraktiver.

Ein attraktiver ÖPNV kostet Geld. In den Industrieländern ist es in der Regel überwiegend das Geld der Steuerzahler, das planvoll investiert wird, um einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr zu entwickeln und zu betreiben. Da die Stadt Wuppertal keine Haushaltsüberschüsse hat, die in den ÖPNV investiert werden könnten, wäre die Anhebung der Grundsteuer ein mögliches Finanzierungsinstrument: Alle bezahlen, aber nur diejenigen, die ein WSW-Ticket kaufen, dürfen auch fahren.

Ein alternatives Finanzierungsinstrument ist das solidarische Bürgerticket: Alle, die es können, tragen je nach ihren Einkommensverhältnissen zur Finanzierung des ÖPNV bei und alle dürfen ohne Ticket fahren.

Natürlich wäre es noch viel besser, wenn das Land oder der Bund die Kosten für unseren Nahverkehr übernehmen würden, wie das Oberbürgermeisterkandidat Marcel Hafke fordert. Leider ist dieses Finanzierungsmodell nicht realistisch. Die Lösung kann deshalb nur auf dem Subsidiaritätsprinzip basieren.

Wir Wuppertaler haben es selbst in der Hand, für einen zukunftsfähigen ÖPNV und nachhaltige Stadtentwicklung zu sorgen, indem wir die dafür nötigen Mittel bereitstellen. Das solidarische Bürgerticket setzt auf Selbstverantwortung und Solidarität – starke Werte mit großer Tradition in unserer Stadt.

Gibt es noch bessere Vorschläge? Gerne würde ich in der Wuppertaler Rundschau davon erfahren.

Dieter Hofmann (Kompetenznetz Bürgerhaushalt)