Wuppertaler "Lesefreunde" wollen Interesse an Literatur wach halten

Evergreen : „Es geht auch um den Menschen hinter der Geschichte“

Mit Lesungen in Seniorenheimen und demnächst auch in der Stadtbibliothek wollen die Aktiven der „Lesefreunde“ Literatur wach halten und Interesse wecken.

Wolf Christian von Wedel Pawlow liest gerne Liebesgeschichten oder berühmte Romane wie „Magdalena“ von Maarten ‘t Hart vor. Matthias Dohmen bevorzugt Erzählungen und Anekdoten aus Wuppertal. Hermann Schulz greift zu Heimatgeschichten von Hermann Löns und klassischen Märchen. So wie ihre 16 Kolleginnen und Kollegen der „Lesefreunde“, einer Initiative des Wuppertaler Verbandes Deutscher Schriftsteller, wählen sie sensibel aus, was sie ihrem Publikum in aktuell 19 lokalen Senioreneinrichtungen vortragen.

„Wir möchten unsere Zuhörer mitnehmen auf eine Reise, die kurzweilig unterhält und durchaus auch Erinnerungen weckt an Kinder- und Jugendtage“, sagt Leocadia Dreßler vom Vorstand der Initiative, die gemeinsam mit Jeanine Arnauné die Veranstaltungsreihe organisiert. Dass die Vorbereitungen für jeden Termin durchaus intensiv sind, hat seinen Grund. „Nehmen wir Hermann Löns. Berühmt als der deutsche Heidedichter schlechthin, ist kaum bekannt, dass der 1866 Geborene ein streitbarer Literat, vehementer Umweltschützer und Lebemann war. Getrieben von der Sucht nach Alkohol sind seine (wein)geistigen Ergüsse nicht immer nur eine romantische Darstellung der Natur, er offenbarte sich, wie dem Roman ‚Der Wehrwolf‘ unschwer zu entnehmen ist, auch als Vertreter einer archaischen Blut-und-Boden-Gesinnung“, sagt Hermann Schulz. Und erklärt weiter, dass es zur Intention der Lesungen gehöre, auch den Menschen hinter der Geschichte zu beleuchten.

Was durchaus zur Folge haben kann, dass sich der Blickwinkel auf das Gehörte verändert. „Wir möchten unterhalten und informieren. Vieles von dem, was wir vortragen, ist unserem Publikum schon mal begegnet. Oft in der Schulzeit. Wenn wir das wieder wach werden lassen und dazu mehr über den jeweiligen Autor oder Autorin verraten, verstärkt das das Interesse“, verrät Dorothea Müller. 2019 steht eine Erweiterung des Projektes an, das von Karl Otto Mühl und Hermann Schulz in Wuppertal an den Start gebracht wurde: Neben den regelmäßigen Lesungen in Senioreneinrichtungen gibt es dann auch Literatur live in der Stadtbibliothek.

„Zuhören und sich entführen lassen in eine Welt, die von Worten in Verbindung mit ganz eigenen Bildern und Interpretationen lebt – so lässt sich bei allen Generationen Interesse wecken für Bücher. Und dazu wollen wir die Möglichkeit bieten“, so Dorothea Glauner.

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