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Krisenstab Wuppertal: Schneidewind fordert mehr Spielraum für Städte

Wuppertaler Krisenstab : Schneidewind fordert mehr Handlungsspielraum

Der Krisenstab der Stadt Wuppertal hat in seiner Sitzung am Mittwoch (24. März 2021) noch keine Entscheidung über mögliche weitere Einschränkungen getroffen. Grund dafür sei, dass die neue, in Kürze erwartete Coronaschutzverordnung des Landes noch nicht vorliegt, heißt es.

„Wir brauchen erst die grundsätzlichen Informationen, wie die Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz von Montag auf Landes-Ebene umgesetzt werden“, erklärt Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Bei Bedarf werde der Krisenstab daher zu einer erneuten Sondersitzung zusammenkommen.

„Wir wünschen uns dringend, dass Bund und Länder den Städten deutlich mehr Handlungsspielraum an die Hand geben. Die Kompetenz für gute, effiziente Konzepte auf kommunaler Ebene wird aus unserer Sicht in der Bekämpfung der Pandemie immer noch viel zu wenig gefordert. Wir können mehr! Das haben wir etwa in Wuppertal mit dem blitzschnellen und erfolgreichen Ausbau von flächendeckenden Schnelltestangeboten unter Beweis gestellt.“ Aktuell habe das Gesundheitsamt rund 100 Testzentren im Stadtgebiet beauftragt, darunter 70 Arztpraxen, 10 Apotheken und 20 weitere Betreiber. Neue Anträge kämen immer noch dazu.

  • Der Verlauf der Corona-Fälle in Wuppertal.
    Aktuelle Zahlen von Donnerstag, 25. März 2021 : Inzidenzwert liegt bei 148,17
  • Sebastian Flüg (CDU).
    CDU Barmen : Forderung an Krisenstab: Spielplätze länger öffnen
  • Blick auf das Landgericht.
    Öffentliche Bereiche : Justizzentrum: Medizinische Maske ist Pflicht

„Mit dieser Test-Infrastruktur kann sich Wuppertal sehr gut vorstellen, NRW-Modellregion zum kontrollierten, sicheren Testen von Öffnungs-Szenarien zu werden“, so Schneidewind. Aktuell seien die Zahlen mit rund 2.700 täglichen Schnelltests noch ausbaufähig. „Wenn die Menschen durch Öffnung von Freizeit-, Kultur- und Sportangeboten konkrete Anreize erhalten, wird das ganz anders aussehen. Wir wollen diese Perspektive.“

Dialog mit dem Land über Impfungen

Mehr eigene Handlungskompetenz der Städte fordert auch Krisenstabsleiter Johannes Slawig am Beispiel der Impfungen: „Wir könnten dank der hervorragenden Arbeit unseres Impfzentrums jetzt mit der Impfung der über 70-jährigen und weiterer Berufsgruppen loslegen, die dringend auf ihre Impfung warten. Das Land möchte jedoch von den einheitlichen Freigaben für alle nicht abweichen. Das mag aus Landessicht begründet sein. Aber wir erleben vor Ort die zunehmende Frustration der Menschen mit Vorerkrankungen oder aus Risiko-Berufsgruppen. Es ist daher für uns nicht länger vermittelbar, dass gerade bei diesem Thema nicht mehr Flexibilität möglich sein soll. Das versteht niemand.“

Das Wuppertaler Impfzentrum habe ab der kommenden Woche freie Kapazitäten und Termine, aber keine impfberechtigten Bürgerinnen und Bürger, während viele Menschen zusehends verzweifelten. „Das haben wir ganz eindringlich an das Land adressiert“, betont Slawig. „Es muss viel mehr Dynamik in diese Prozesse.“

Am späten Mittwochabend hat das Land die Öffnung für die komplette Impf-Priorität 2 erklärt. „Wir sind sehr froh, dass wir damit auch im Länder-Vergleich nachziehen“, so Krisenstabsleiter Johannes Slawig. „Die Problem-Ansprache war offensichtlich erfolgreich.“

Impf-Brücke kommt auch in Wuppertal zum Einsatz

Erleichterung in dieser schwierigen Lage soll der Einsatz der „Impf-Brücke“ bringen, ein Benachrichtigungssystem für definierte Gruppen der nächsthöchsten Impf-Priorität mit dem Ziel, dass Impfdosen, die potentiell am Abend übrig bleiben, auf jeden Fall am selben Tag noch verimpft werden. „Bisher war das in Wuppertal kein Problem. Wir haben dann impfberechtigte Mitarbeiter der Hilfsorganisationen und der Freiwilligen Feuerwehren herangerufen“, berichtet Koordinator Tobias Krebber. „Aber jetzt könnte dieser Fall bedingt durch die noch nicht geöffneten weiteren Impfgruppen eintreten. Außerdem erhalten wir beim BionTech-Impfstoff in der Praxis sieben statt kalkulierter sechs Dosen aus einem Fläschchen Serum.

„Die Impf-Brücke ist keine Lotterie, sondern ein ausgereiftes Benachrichtigungssystem in strengem Vorgriff auf die Impf-Priorisierung des Landes“, betonen Schneidewind, Slawig und Gesundheitsdezernent Stefan Kühn. „Wir werden es zunächst beschränkt auf die Gruppe über 70-jähriger Bürgerinnen und Bürger mit Vorerkrankungen einführen, die eigentlich ab April ein Impf-Angebot durch ihre behandelnden Hausärzte erhalten sollen.“

Die niedergelassenen Praxen sollen mit Start zum 5. April je 20 Impfdosen pro Woche bekommen. Die Verteilung übernimmt die Feuerwehr. „Mit der Verimpfung abendlicher Restbestände können wir das Verfahren für diese besondere Risikogruppe zumindest ein wenig beschleunigen.“ In den nächsten Tagen werde es zur Anmeldung für die Impfbrücke ein Formular auf der Homepage der Stadt geben. Bleiben Impfdosen übrig, erhalten jeweils zehn angemeldete Patienten aus der Risikogruppe eine SMS auf ihr Handy und können direkt zu- oder absagen, bis alle Dosen restlos vergeben sind.