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Zoo Wuppertal: Sorge wegen Afrikanischer Schweinepest​

Grüner Zoo Wuppertal : Sorge wegen Afrikanischer Schweinepest

Der Tiergarten der Stadt Nürnberg, der Kölner Zoo, der Grüne Zoo Wuppertal, die Expertengruppe für Wildlebende Schweinearten der Weltnaturschutzunion IUCN, das Friedrich-Loeffler-Institut und ihre Partner sorgen sich um den Bestand der vom Aussterben bedrohten Visayas-Pustelschweine.

In der Natur kommt diese Art nur noch auf zwei, möglicherweise drei, philippinischen Inseln vor. Dort wütet nun die Afrikanische Schweinepest. Der Tiergarten engagiert sich in einem internationalen Netzwerk von Zoos, Zuchtstationen, Forschungseinrichtungen und Naturschützern für den Erhalt gefährdeter Schweinearten.

„Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch vor einer unserer Zuchtstation nicht Halt gemacht hat“, schrieb der Direktor der Talarak Stiftung, Matt Ward, in der vorletzten Juniwoche 2023. Die Stiftung arbeitet auf der philippinischen Insel Negros für den Erhalt bedrohter Arten – der Tiergarten Nürnberg unterstützt sie dabei.

„Den ersten Hinweis auf das Virus gab der plötzliche Tod eines Schweines am 11. Juni, anschließend haben wir ein zweites krankes Schwein beobachtet, das innerhalb von 24 Stunden am 15. Juni starb“, schrieb Ward. „Zu diesem Zeitpunkt wurden dann acht von zwölf Schweinen positiv auf das Virus getestet. Danach verloren wir rund ein Schwein pro Tag, nach nun insgesamt zwölf Tagen sind alle zwölf Individuen verendet.“

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Ward schildert das, was Natur- und Artenschützer wie einen Super-GAU fürchten: Eine Tier- oder Pflanzenart, von der es weltweit nur noch wenige Individuen gibt, wird binnen kürzester Zeit von einer Seuche ausgerottet. Jahrelange Bemühungen, den Tierbestand und seinen Lebensraum zu schützen, die Bevölkerung vor Ort einzubinden und für den Artenschutz zu sensibilisieren – sie können dadurch sehr schnell zunichtegemacht werden. Endemische Arten, die nur in einem sehr begrenzten Gebiet vorkommen, sind dabei besonders gefährdet. Um sie zu schützen, bedarf es zahlreicher Ansätze, die sich ergänzen: Naturschutz vor Ort, Artenschutz in Zoos und Zuchtstationen – und die Arbeit von Forschungseinrichtungen gehen hier Hand in Hand.

Während es beim Naturschutz vor Ort insbesondere darum geht, Lebensräume zu bewahren, haben sich Zoos und Zuchtstationen zum Ziel gesetzt, stabile Populationen der Arten in ihrer Obhut aufzubauen. Diese können im Ernstfall die letzte Reserve sein, wenn eine Tierart in der Natur so in Bedrängnis gerät, wie es gerade mit den philippinischen Visayas-Pustelschweinen geschieht. Zoos des Europäischen Zooverbandes EAZA züchten sie im Rahmen des EEP (EAZA Ex situ-Programme, früher Europäisches Erhaltungszuchtprogramm).

Neun von zwölf asiatischen Schweinearten gefährdet

Eine Strategie besteht dabei darin, die wenigen Tiere auf verschiedene Standort zu verteilen. "Wegen Seuchen und Gefahren wie der ASP achten wir darauf, dass wir den Bestand der Tiere auf verschiedene Zoos und Länder verteilen, um das Verlustrisiko zu minimieren", sagt der stellvertretende Direktor des Tiergartens Nürnberg, Jörg Beckmann. Er ist zugleich Vorsitzender der EAZA Fachgruppe für Tapire, Flusspferde und Schweineartige und Mitglied der Expertengruppe für wildlebende Schweinearten der Weltnaturschutzunion (IUCN).

„Neun der zwölf asiatischen Wildschweinarten sind auf der Internationalen Roten Liste der IUCN als „gefährdet“ gelistet“, sagt Dr. Johanna Rode-White, Vorsitzende der Expertengruppe für wildlebende Schweinearten und Kuratorin im Kölner Zoo. „Das Virus verschärft die Situation der bereits dezimierten kleinen und oft auf Inseln vorkommenden Arten. Wie wir bereits am Beispiel von Bartschweinen, Philippinischen Pustelschweinen und jetzt Visayas-Pustelschweinen sehen konnten, geht das Virus wie ein Lauffeuer durch die Populationen. Das betrifft nicht nur die lokale und indigene Bevölkerung, die auf die Schweine angewiesen sind, sondern beispielsweise auch andere bedrohte Raubtiere, die sich vor allem von Wildschweinen ernähren.“

Impfstoffe solle Seuche eindämmen

Forschungseinrichtungen arbeiten parallel zu den Bemühungen des Natur- und Artenschutzes zum Beispiel an der Entwicklung von Impfstoffen, die Seuchen wie der ASP die Schlagkraft nehmen können. Die ASP ist eine Viruserkrankung, die für Menschen und andere Tierarten ungefährlich, für europäische und asiatische Schweinarten aber tödlich ist. Ursprünglich trat und tritt sie bei wildlebenden Schweinearten in Afrika, wie Pinselohrschweinen und Warzenschweinen auf, für die sie jedoch ungefährlich ist.

Für Eurasische Wild- und Hausschweine, verschiedene Pustelschwein- und Hirscheberarten aus Süd-Ostasien führt sie jedoch praktisch immer zum Tod des Tieres. 2007 gelangte das Virus durch den Menschen nach Georgien und hat sich von dort über Europa und 2018 auch nach Asien ausgebreitet.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) arbeiten seit vielen Jahren mit internationalen Partnern an einem Impfstoff gegen die ASP. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf Impfstoffen, die man als Schluckimpfung auch wildlebenden Schweinen verabreichen kann. Als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit beobachtet das FLI die weltweite Ausbreitung der ASP genau – und mit zunehmender Sorge.

„Ausbrüche der Seuche in Gebieten wie der philippinischen Insel Negros zeigen, wie dringend eine Impfung auch für den Artenerhalt ist“, so die Leiterin des deutschen Referenzlabors für ASP, Sandra Blome. Geht es auf den philippinischen Inseln darum, eine Tierart vor dem Aussterben zu bewahren, geht es in anderen Ländern – auch in Deutschland – für einige Landwirte um die Existenz. Das anhaltende Seuchengeschehen gefährdet sowohl die Europäische Wildschweinpopulation als auch Schweine in Zuchtbetrieben und Zoos.

Auch Zootiere sind gefährdet

Übertragen wird das Virus zum Beispiel durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, über Blut oder wenn die Schweine Fleischprodukte fressen, die von infizierten Tieren gewonnen wurden – etwa weggeworfene Wurstbrötchen im Wald. In Afrika spielen bestimmte Zecken eine entscheidende Rolle bei der Übertragung. Das Virus kann aber auch mehrere Wochen in einem Tierkadaver überleben oder über Werkzeuge, Schuhe und andere Kleidungsstücke oder über Fahrzeugreifen verbreitet werden. Im europäischen Winter kann es sogar monatelang in einem Kadaver infektiös bleiben.

„Die durch die menschliche Globalisierung beschleunigte Ausbreitung der Seuche macht auch vor Zoos nicht halt. Die Sicherheit unserer Zoobestände bedrohter Schweinearten und -rassen ist deshalb für uns umso wichtiger. Um sie zu gewährleisten arbeiten in unseren Zoos speziell für Zootiere ausgebildete Tierärztinnen und Tierärzte.

Die europäische Zoovereinigung EAZA verfügt zusätzlich über spezialisierte Veterinäre, sogenannte Veterinary Advisors, die sich mit den verschiedenen Schweinearten besonders gut auskennen. Wir müssen in diesem Bereich noch mehr Forschung betreiben, um der Seuche wirksam entgegentreten zu können“, so Dr. Arne Lawrenz, Mitglied des EAZA Veterinary Committee und Direktor des Grünen Zoo Wuppertal.

Mit einer Schluckimpfung für wildlebende Schweine gelang es 2009, den bisher letzten Ausbruch der Klassischen Schweinepest einzudämmen. „Mit der ASP haben wir nun zum ersten Mal eine Bedrohung, die zeitgleich die Wildpopulation und die sogenannte Reservepopulation in den Zoos betrifft“, sagt Jörg Beckmann.

Denn wo wenig ist, kann viel verloren gehen: Entsprechend groß ist die Sorge der Zoos einschließlich des Tiergartens Nürnberg, dass die Afrikanische Schweinepest sie erreicht. Neben den Visayas-Pustelschweinen hat der Tiergarten Nürnberg mit Hirschebern zwei gefährdete asiatische Schweinearten in seiner Obhut.