Wuppertaler Katzenschutzbund Von Schmusetigern und Straßenkatzen

Wuppertal · Katzen sind süß – doch viele von ihnen leiden. In Wuppertal gibt es mehrere tausend Straßenkatzen, denen eine Kastration helfen würde. Doch die Menschen müssen mithelfen.

Auch dieses Kätzchen wartet beim Katzenschutzbund auf ein Zuhause.

Auch dieses Kätzchen wartet beim Katzenschutzbund auf ein Zuhause.

Foto: kom

Katzen beherrschen das Internet. Unter dem Stichwort „Cat Content“ (zu deutsch: Katzeninhalt) ist online alles zu finden, was das katzenliebende Herz begehrt: Angefangen bei Samtpfoten, die sich vor Gurken erschrecken, über Kitten, die sich in eine Vase kugeln, bis hin zu Schmusetigern, die einen Vorhang hochjagen, gibt es wirklich alles zu sehen. Katzen sind einfach überall. Leider nicht nur im Internet: Auch auf den Straßen leben verwilderte Katzen – und es werden immer mehr.

Bereits im April warnte der Tierschutzbund vor der „Katzenschwemme“ im Frühjahr. Diese entsteht vor allem durch ausgesetzte und verwilderte Hauskatzen, die sich unkastriert nahezu ungebremst vermehren, obwohl sie meist ein elendes Leben haben. Nun ist die Katzenschwemme da, und mit Beginn der Sommerferien werden viele weitere Tiere ausgesetzt, weil die Leute – so bitter es ist – in den Urlaub fahren wollen.

  Viele Katzen suchen ein Zuhause – wie dieser hübsche und natürlich kastrierte Kater, der in der Sonne für die Kamera posiert.

Viele Katzen suchen ein Zuhause – wie dieser hübsche und natürlich kastrierte Kater, der in der Sonne für die Kamera posiert.

Foto: kom

Das ist in ganz Deutschland so – und auch in Wuppertal. Vor allem oben an der Hardt leben jede Menge verwilderte Katzen. Sogar so viele, dass die Rundschau durch einen Fall dort auf die Geschichte mit den Straßenkätzchen gestoßen ist. An einem Montagmittag nämlich klingelte das Redaktionstelefon, am anderen Ende eine ältere Dame, die berichtet, dass eine Katze fünf Junge auf ihrem Balkon zur Welt gebracht hat. Sie will, dass der Katzenschutzbund die fünf Kitten und ihre Mutter rettet – doch der kann keine wilden Katzen aufnehmen. Nach einigen Anrufen stellt sich heraus: Die Katze ist gar nicht so verwildert, denn sie lässt sich anfassen und wurde schon länger von der Dame gefüttert.

Und hier wird es rechtlich kompliziert: Denn wer Katzen über einen längeren Zeitraum füttert, übernimmt damit auch die Verantwortung für die Tiere – und muss sie kastrieren lassen, sagt Anke Stein, Vorsitzende des Katzenschutzbundes Wuppertal. In der Stadt gibt es eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht (Tätowierung oder Chip) für alle Katzen, die draußen unterwegs sind. Anke Stein ist sauer, weil sie schon lange versucht, den Leuten zu erklären, dass das Füttern von Straßenkatzen zwar nett und sinnvoll ist, aber das Leiden nur verlängert, wenn die Tiere nicht auch kastriert werden.

Fälle wie den oben an der Hardt erlebt sie tagtäglich. „Viele rufen erst an, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“ – also dann, wenn die Katzen Nachwuchs geboren haben. Das Problem ist, dass 99 Prozent der verwilderten Katzen krank sind – und viele der Katzenbabys sterben, erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Trotzdem überleben auch viele, die dann wiederum Nachwuchs bekommen – sodass wir heute von der Katzenschwemme sprechen.

Deshalb hilft der Katzenschutzbund: „Wir verleihen die Lebendfallen und zahlen die Kastration verwilderter Katzen.“ Anke Stein rät zu einem bestimmten Vorgehen, sollte man eine Straßenkatze kennen: Sie sollte zuerst angefüttert werden. Hierbei lasse sich testen, ob sie angefasst werden könne – bei Katzen ohne Zuhause geht dies nicht. Daraufhin sollte man beim Katzenschutzbund nach der Lebendfalle fragen: Dort wird die Handhabung erklärt und außerdem der Gutschein für die Kastration ausgegeben. Und dann sollte das mit Futter angelockte und eingefangene Tier schnell zum Arzt gebracht werden, damit es nach kurzer Zeit wieder freigelassen werden kann.

In Ausnahmefällen – wenn jemand etwa kein Auto hat – könne der Katzenschutzbund auch mal kommen und die Katze zum Arzt bringen. Aber nur dann – denn durch die vielen Tiere in Not hat der Katzenschutzbund mehr als genug zu tun. Wer den Tieren also wirklich helfen will, sollte sie zur Kastration bringen, sich selbst um die Kitten kümmern, wenn es bereits zu spät ist, oder den Katzenschutzbund mit einer Spende unterstützen. Dort können auch Katzen und Kitten adoptiert werden – natürlich nur mit einer Kastration, um das Elend nicht zu verlängern.

Sicher ist auf jeden Fall: Eine (kastrierte) Katze macht glücklich – nicht nur im Video, sondern auch zu Hause.