Ein Glas mit Kerzen liegt immer bereit, um es im kleinen Becken schwimmen zu lassen. „Wenn die Lichter abends leuchten und sich der Himmel im Wasser spiegelt, sieht es besonders schön aus“, sagt Ann-Christin Günther. Die Leiterin des Christlichen Hospizes am Dönberg zeigt auf das Glasdach über dem Wohnzimmer des 2007 eröffneten Wuppertaler Hospizes.
Alle zwölf Zimmer gehen von diesem schön möblierten, hellen Raum ab, den sie die „Halle des Lichts“ nennen. Auch eine Küchenecke gibt es, in der Menschen, die hier ihre letzten Tage oder Monate verbringen, mit Angehörigen kochen und zusammen sein können. „Wir möchten, dass sie die Zeit, die ihnen noch bleibt, ohne Sorge mit viel Leben füllen können“, erklärt Günther. „Es geht darum, am Lebensende gute Erinnerungen zu schaffen.“
Ein guter Ort für das Lebensende
Also wird hier gekocht, gegessen und gelacht, gesungen, gespielt und gestrickt. Auch Heidi sitzt dort gerne in ihrem blauen Lieblingssessel und strickt oder bastelt kleine Engelsanhänger, die sie anderen Gästen und deren Angehörigen schenkt. Sie hat Lungenkrebs im Endstadium und ist vor zwei Wochen ins Hospiz gekommen. „Es ist hier ganz anders als viele glauben“, sagt sie. „Überhaupt nicht dunkel und traurig, sondern ein guter Ort, um hier sein Leben zu beschließen.“
Das Hospiz am Dönberg kannte Heidi schon als Sterbeort ihrer Schwester. Die geschiedene, lebenslustige Frau musste sich auch von ihrer Tochter verabschieden, die erst 38 Jahre alt war. „Ich habe viele liebe Menschen sterben sehen, aber trotzdem das Beste aus meinem Leben gemacht. Nun bin ich übrig und will die wenige Zeit, die mir bleibt, noch genießen und dann in Würde sterben.“
Letzte Wünsche erfüllen
Dazu gehört für Heidi, gepflegt aus dem Leben zu gehen. Gerne möchte sie noch einmal zum Friseur und ins Nagelstudio. Andere wünschen sich, dass der Chor für sie singt, mit dem sie jahrelang musiziert haben, lang vermisste Familienangehörige kommen oder dass sie wenigstens für einen Tag mit dem Wohnmobil unterwegs sein können. Egal, um was es geht – Ann-Christin Günther und ihr Team versuchen, die Wünsche möglich zu machen.
24 Pflegekräfte, vier Verwaltungsmitarbeitende, eine Sozialarbeiterin und 35 Ehrenamtliche sind im Hospiz für die Menschen da, die dort durchschnittlich einige Tage bis drei Monate verbringen, bevor sie sterben. Rund 200 Gäste, die meist zwischen 35 und 65 Jahre alt sind, betreut das Hospiz pro Jahr. „Wir sind grundsätzlich für jeden Menschen da, unabhängig von sozialer Herkunft, Religion, Alter oder persönlicher Vorgeschichte“, betont die Hospizleitern. „Entscheidend für eine Aufnahme ist eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders intensive palliative und pflegerische Begleitung notwendig macht, die von pflegenden Angehörigen, einem ambulanten Pflegedienst oder einem Pflegeheim nicht mehr geleistet werden kann.“
Voraussetzungen für die Hospizaufnahme
Zwei stationäre Hospize gibt es in Wuppertal. Ann-Christin Günther hält das für ausreichend. „Viele Menschen denken bei einer schweren oder unheilbaren Erkrankung automatisch an ein stationäres Hospiz. Doch gerade in Wuppertal haben wir ein breites Netz an anderen Versorgungsformen.“
Dazu gehört neben der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung, die Hausärzte und ambulante Pflegedienste leisten, auch eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung, die es vielen schwerkranken Menschen ermöglicht, weiterhin zu Hause zu leben. Auch viele Pflegeeinrichtungen sind nach Ansicht der Hospizleiterin für eine Sterbebegleitung gut aufgestellt, insbesondere die acht Seniorenheime der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal. Sie arbeiten eng mit dem ambulanten Hospizdienst „Die Pusteblume“ zusammen.
Angehörige und der Abschied
Viele Menschen, die bei Günther nach einem Hospizplatz fragen, kann sie daher weitervermitteln. Wer einzieht, bringt oft noch Angehörige mit, die jederzeit willkommen sind. Sie können dort auch übernachten. Wenn ein Mensch verstirbt, wird er in den jeweiligen Zimmern aufgebahrt und sein Raum liebevoll geschmückt.
„Es bleibt allen genug Zeit für einen persönlichen Abschied.“ Im Eingangsbereich gibt es ein Kondolenzbuch. Eine Kapelle steht für Gebete oder Gespräche mit den drei Seelsorgenden zur Verfügung, die regelmäßig ins Haus kommen. Sie bieten unter anderem Andachten und Gedenkgottesdienste an.
„Für viele ist das Hospiz ein wichtiger Erinnerungsort, den sie auch nach dem Tod ihres Angehörigen regelmäßig besuchen“, erzählt die Einrichtungsleiterin. Um mit den Pflegekräften zu reden, das Trauercafé oder Konzerte und Ausstellungen zu besuchen, die hier stattfinden – oder um einfach eine Kerze in der „Halle des Lichts“ schwimmen zu lassen.