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Ecken neu entdecken: Pelerinenviertel: „Das ist keine 0815-Siedlung“

Ecken neu entdecken : Pelerinenviertel: „Das ist keine 0815-Siedlung“

Eine kleine, kaum beachtete Oase der Ruhe, das ist das Pelerinenviertel am Fuß der Hardt im Quartier Ostersbaum. Eingeladen hat uns im Rahmen unserer Reihe „Ecken neu entdecken“ Trauerredner Dirk Hemmerich, der seit 2014 im Viertel wohnt.

Als wir zum vereinbarten Treffpunkt an der Ecke Frankenstraße und Bredter Straße kommen, erwartet uns Dirk Hemmerich bereits. Neben ihm an der Mauer eine Nachbarin, die sich nach unserer Ankunft allerdings eilig verabschiedet. „Sie wohnt bereits seit 60 Jahren hier, und das ist keine Seltenheit“, bemerkt unser Quartiersführer und blickt der Frau hinterher. In seinem kleinen Viertel, berichtet er, leben oftmals bis zu drei Generationen. „Man kommt hier also nicht weg?“, fragen wir. „Oder man kommt wieder“, antwortet Hemmerich.

Gleich zu Beginn unserer Tour gibt es die Erklärung, warum die Siedlung Frankenplatz im Volksmund und bei den Bewohnern eigentlich nur als Pelerinenviertel bekannt ist. „Pelerinen sind lange Umhänge, die gegen den Regen schützen. Hier im Viertel wohnten früher viele Angestellte der Reichspost, hauptsächlich Briefträger, die zur Arbeit Pelerinen trugen. Daher der Name.“ Und sozusagen als Tribut an diesen ohnehin bereits im Volksmund gebräuchlichen Namen erhielt die Treppe, die einmal quer durchs Viertel von der Bredter Straße hoch zur Teutonenstraße führt, im Jahr 2008 schließlich auch offiziell den Namen Pelerinentreppe. Nachdem die Namensgebung des Viertels erklärt ist, schlendern wir die Frankenstraße entlang, den Blick auf die sandfarbenen Häuserfassaden gerichtet.

Auf den ersten Blick erscheinen sie alle gleich, auf den zweiten offenbaren sie Unterschiede. Jede Haustür ist anders gestaltet, hier gibt es Erker, dort einen aufwendig geschmückten Giebel. „Das ist keine 0815-Siedlung“, bemerkt Hemmerich, der bei jedem privaten Rundgang etwas Neues entdeckt. Sein Viertel, ein reines Wohnquartier, wird begrenzt von der recht stark befahrenen Straße Ostersbaum auf der einen und der Hardt auf der anderen Seite. „Viel ist hier nicht, aber das macht ja vielleicht den Charme aus“, sagt der Trauerredner. Eine gewagte These, von der er uns erst einmal überzeugen muss.

Eine Besonderheit erwartet uns an den Häusern Frankenstraße 11 und 13. An der Fassade befinden sich, geschützt hinter Plexiglas, Pfeile zur Kennzeichnung von Luftschutzbunkern. Im Jahr 1943 wurden die Bewohner der Häuser dazu verpflichtet, vorhandene Luftschutzräume mit weißen Pfeilen am Haus zu markieren. Bei Sanierungsarbeiten zwischen den Jahren 2003 und 2007 sind viele der Pfeile leider verschwunden, die Kennzeichnungen an den Häusern 11 und 13 konnten von der Denkmalschutzbehörde jedoch gerettet und hinter Glas konserviert werden. Eine Infotafel an der Hauswand erklärt ihre Bedeutung. Anschließend nehmen wir Kurs auf den Frankenplatz mit Spielplatz und alten Kastanien, das Herzstück des Pelerinenviertels. Obwohl die Siedlung nicht gerade groß ist, hat sich ein Arbeitskreis formiert, der einmal im Jahr auf dem Frankenplatz das Pelerinenfest organisiert – und im Advent ein Kaffeetrinken. Bilder:

Über eine Treppe vom Frankenplatz aus erreichen wir die Teutonenstraße, von der man direkt auf die Hardt steigen und oben am Luisenturm herauskommen kann. Auch hier: bunte, gepflegte Fassaden, hinter den Häusern zum Teil große Gärten und immer mal wieder ein toller Ausblick übers Tal. Was besonders auffällt, ist die Ruhe in dem Quartier, von dem aus man in 15 Minuten die Elberfelder Innenstadt erreicht. Für Dirk Hemmerich die optimale Kombination.

Am Ende der Teutonenstraße nehmen wir die Pelerinentreppe hinunter zum Ausgangspunkt unseres Spaziergangs. Viel war wirklich nicht zu sehen, abgesehen von abwechslungsreichen Fassaden, Treppen und viel Grün. Dass Dirk Hemmerich trotzdem ganz begeistert ist von seiner Wohnsiedlung, können wir nach diesem Rundgang allerdings ohne Zögern nachvollziehen.