Der Park im Westen des Luisenviertels hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Einst nutzten Fabrikanten das Gelände als Standort zum Bleichen von Textilien. Vor 224 Jahren legte der damals reichste Kaufmann im Tal, Peter de Weerth, eine private Grünanlage auf der Fläche an.
Er nannte sie den „Lustgarten am Brill“ – bis ihm die Stadt Elberfeld 28 Jahre später die Anlage abkaufte und einen öffentlichen Park daraus machte. Ursprünglich floss ein verschlungenes Bächlein in einen Teich, schmale Wege waren umsäumt von Sträuchern und Bäumen. Der erste Landschaftsgarten des Tals hatte einen ausgezeichneten Ruf, den die Stadt wiederherstellen will.
Beim Spatenstich (von li.): Umweltdezernentin Katrin Linthorst, Grünflächen-Ressortleiterin Annette Berendes, Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, Bezirksbürgermeister Soufian Goudi, Projektplaner Oshtoud Daghighian, Bauleiter Thomas Deitermann sowie Freiraumplanung-Abteilungsleiter Alexander Richter haben die Bauarbeiten offiziell eingeläutet.
Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas CabanisIn den vergangenen Jahrzehnten geriet der Park als Drogenumschlagplatz in Verruf und sorgte für Negativschlagzeilen. Bei einigen gilt er bis heute noch als Angstraum, wenn es dunkel wird. Das veraltete Ambiente aus der letzten umfassenden Sanierung in den 1980er Jahren trug zum Image der Anlage bei.
Damit ist jetzt Schluss: Am Dienstag nach Ostern rollten um 7 Uhr morgens die ersten Bagger an. Seitdem reißen die Arbeiter der Dortmunder Firma Boymann den Spielplatz ab sowie den Boden auf. In der kommenden Woche soll der Rückbau beendet sein, sodass die eigentlichen Arbeiten beginnen können. Die Frischzellenkur umfasst neue Spielgeräte, Bäume, Wege und Leuchten. Highlight soll ein selbstreinigendes WC werden, das am Rand des Parks nahe dem Ausgang zur Briller Straße eröffnet wird.
Das stille Örtchen sorgte im Vorfeld für die meisten Diskussionen, etwa weil den Herren der Schöpfung mit einem Pissoir mehr Platz als den Damen eingeräumt wurde. Allerdings sei das männliche Mehrangebot üblich, da diese im Vergleich zu den Frauen in großer Überzahl „wildpinkeln“ würden, erklärte die Stadt bei einer Infoveranstaltung in der Sophienkirche Ende März. Der Zugang zum WC soll laut den Planungen Geld kosten: Wie viel, ist derzeit noch unklar. Durch die Einnahmen soll die Instandhaltung der Toilette finanziert werden. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf rund 350.000 Euro.
Am Boden um den Brunnen des Bildhauers Carlernst Kürten sollen Nebeldüsen angebracht werden. Die Idee dazu kommt von der Stadt selbst, die die Umgestaltung nicht an ein externes Büro ausschrieb. „Wir sind vor Ort, wir schaffen das selbst“, erklärte Projektplaner Oshtoud Daghighian im Gespräch mit der Rundschau. Eine Firma aus Senden wird die Düsen anbringen, die für Luftbefeuchtung an heißen Tagen sorgen sollen. Ergänzend wird ebenfalls ein Trinkwasserbrunnen aufgestellt.
Am meisten unter der Sperrung leiden werden womöglich die unzähligen Tischtennisspieler, die sich im Park regelmäßig auf eine Partie treffen. Zwar gibt es in der Stadt insgesamt 48 Platten und auch in der nahen Umgebung sieben Ausweichstandorte, doch keiner dieser Plätze hat sich in den vergangenen Jahren so sehr etabliert, wie der im Deweerthschen Garten. Zudem stehen die anderen Ping-Pong-Tische häufig inmitten von Spielplätzen und werden deshalb von einigen Amateursportlern gemieden. Für sie wird es dennoch ein Happy End geben: Nach dem Umbau kommt eine dritte Tischtennisplatte hinzu.
Wer Schläger und Ball nicht beherrscht, kann nach der Neueröffnung ausweichen: Es werden zwei Schachtische und eine Boule-Bahn errichtet. Der Spielplatz für die Kinder wird ebenfalls komplett neu gebaut. Geplant sind ein Karussell, eine Wippe, zwei Schaukeln, ein Kletterturm mit Rutsche sowie eine Hütte für die ganz Kleinen.
Die Baustelle war ursprünglich für 2023 angesetzt, musste auf 2025 verschoben und schließlich ein weiteres Mal vertagt werden. Die Kosten halten sich ebenfalls nicht mehr an die anfänglichen Planungen: War einst von 1,6 Millionen Euro die Rede, wird der Umbau inzwischen auf 2,8 Millionen Euro beziffert. Die Stadt muss lediglich einen Eigenanteil von 560.000 Euro tragen. Die restlichen Kosten werden durch Fördergelder des Landes gedeckt.
Der Zeitplan sieht vor, dass der Park bis mindestens Weihnachten in diesem Jahr gesperrt ist. Allerdings könnten sich die Bauarbeiten verzögern, falls während der Maßnahme Überreste aus der Vergangenheit entdeckt werden. Laut Stadt werden Archäologen anrücken müssen: Wie das Arbeiten an Baustellen verzögern kann, erfuhren Wuppertaler in den vergangenen Jahren bereits schmerzlich – etwa beim Fernwärmenetzausbau in der Elberfelder Innenstadt.
Obwohl die Arbeiten bereits seit dem 7. April laufen, trafen sich die Verantwortlichen der Stadt zum Spatenstich erst vergangenen Montag. Wie üblich, lobten die Anwesenden die gemeinsame Arbeit und bedankten sich bei ihren Kollegen. Oberbürgermeisterin Miriam Scherff bilanzierte, dass es nach dem Umbau „mehr Spiel- und Bewegungsflächen“ an diesem „besonderen Ort“ gebe. Umweltdezernentin Katrin Linthorst appellierte bereits jetzt an die zukünftigen Besucher, mit der Natur im Park rücksichtsvoll umzugehen.