Cronenberg: Rettungsmission auf Leben und Tod

Cronenberg : Rettungsmission auf Leben und Tod

Der Wuppertaler Arzt Achim Stein berichtet am Donnerstag (30. November 2017) ab 19.30 Uhr in der Kulturschmiede (An der Hütte 3) in Cronenberg von seinen Hilfseinsätzen auf dem Mittelmeer. Der Eintritt ist frei.

Noch immer versuchen Tausende von Menschen in seeuntüchtigen Booten von der libyschen Küste aus nach Europa zu kommen. Die Zusammenarbeit der EU mit Libyen erschwert die Rettungsaktionen. Zudem werden die Hilfsorganisationen beschuldigt, sie würden mit den Schleppern zusammenarbeiten.

"Früher hat Berlusconi Geld an Gaddafi gezahlt, damit kein Flüchtling die Küste Libyens nach Europa verlässt. Heute zahlt die EU das Geld an die libyschen Warlords direkt, für den gleichen Zweck." Achim Stein wird überdeutlich, wenn er über seine Erlebnisse auf dem Mittelmeer spricht.

Der Wuppertaler Arzt hat bereits zwei Mal einen Rettungseinsatz vor der libyschen Küste mitgemacht. Der letzte Einsatz, mit seinem Sohn Johannes, ging an die Substanz. "Die Menschen machen sich auf Nussschalen über das Mittelmeer nach Europa auf. Schauen Sie mal hier", sagt Achim Stein und reicht dabei einen dünnen Fetzen irgendwas herüber.

"Aus diesem dünnen Material bestehen die Flüchtlingsboote. Das ist ganz dünner Kunststoff, kaum dicker als eine Plastiktüte. Mittlerweile werden diese Boote in China eigens für die Schlepperbanden in Libyen hergestellt. Da hat sich eine eigene Produktlinie etabliert", sagt Stein scharf.

Im Gesicht des Wuppertaler Arztes von der Ölberg-Praxis wechseln sich die Fassungslosigkeit und der Ärger ab. Seiner Ansicht nach sind die Hilfseinsätze auf dem Mittelmeer keine bloße Aufgabe, sondern eine absolute Pflicht: "Es geht hier um Menschenleben." Sie werden aufgenommen — alle völlig entkräftet, dehydriert und ohne Hoffnung.

Über fünf Tage dauert der Einsatz — die Besatzung ist immer am Limit. Warum diese Menschen den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer wagen, dazu hat Achim Stein eine erschütternde Antwort: "In den Camps vor der libyschen Küste herrschen menschenunwürdige Zustände. Es gibt kaum zu essen und zu trinken. Die Menschen werden misshandelt. Es gibt kaum eine Frau, die nicht vergewaltigt wurde. Die Menschen verlassen ihr Land nicht freiwillig — sie müssen fliehen."

Und wenn die einzige Chance, das Camp zu verlassen, auf einem Schlauchboot über das Mittelmeer ist, dann wird diese genutzt.