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Freibad Bendahl: Unterschätztes Sport-Paradies

Freibad Bendahl : Unterschätztes Sport-Paradies

Freibäder sind in diesen heißen Tagen gefragtes Ziel. Bundesweit wurden aber alleine seit Januar 2016 insgesamt 37 von ihnen für immer geschlossen. Das oft in vielen merkwürdigen Vergleichen geschmähte Wuppertal ist in dieser Hinsicht vorzeigbar aufgestellt.

Während es zum Beispiel in der Main-Metropole Frankfurt für über 700.000 Einwohnern sieben Freibäder gibt — hat Wuppertal mit der Hälfte der Einwohnerzahl immerhin fünf Freibäder zu bieten. Unter denen nimmt das Alfred-Panke-Bad — im Volksmund "Bendahl" genannt — eine Sonderrolle ein. In der Heimat der 1.320 Mitglieder starken Wasserfreunde Wuppertal fungiert auch schon mal ein neunfacher Europameister als Badeaufsicht ...

Im Grunde ist das Gelände ein in der Öffentlichkeit unterschätztes Sport-Paradies mit Beachvolleyball- und Soccerplatz, Basketball-Bereich, zwei Tennisplätzen, einem Kinderspielplatz und dem Restaurant "Kriegsfuß" mit der Terrasse zum Bad. Das Bad mit dem eigenen Brunnen, dem auf 25 Grad geheizten 5-Meter-Becken und viel Wald bietet einen neunfachen Europameister von 1974 und 1977, Staffel-Weltmeister 1975 und Olympischen Bronzemedaillengewinner von 1976 in Montreal über 100-Meter-Freistil am Eingang und als Badaufsicht. Gemeinsam mit Lothar Dongus und einigen Teilzeitkräften ist Peter Nocke (62) in "seinem" Bendahl regelmäßig als Badaufsicht im Einsatz.

Wenn er nicht (elegant wie einst) seine Bahnen zieht und dabei die Masters am 1. Dezember in Hannover im Auge hat. Aber den Modellathleten Peter Nocke plagten zuletzt schnöde gesundheitliche Malaisen wie Menschen des Alltags: es gab ein (mittlerweile behobenes) Herzproblem und als er vor dem Gespräch mit der Rundschau aus dem Wasser stieg, quälten ihn drei Körperteile: "Hüfte, Rücken und Schulter."

Nocke ist 2. Vorsitzender der Wasserfreunde, Peter Schwafferts führt den Verein, Lutz Volmer verwaltet die Finanzen und Martin Ingignoli kümmert sich um das Bad. Das unzweifelhaft auch in die Jahre gekommene Herzstück der Wasserfreunde wird von Hausmeister Jochen Klein (79) mit Herzblut und Geschmack gepflegt.

Peter Nocke: "Wir haben zuletzt wieder über 30.000 Euro aus Beiträgen und Spenden in die Erhaltung investiert. Der Eingangsbereich wurde umgebaut, man kann ins Bad reinschauen, Teile der Heizung wurde erneuert, neue Platten verlegt, der Anstrich des Hauses — es fällt immer etwas an."

Das "Eigenbad" der Wasserfreunde ist nur für Mitglieder zugänglich. Schwimmen dort ist aber eine Form von Luxus mit wenig Rummel, viel Ruhe und einer waldreichen Umgebung, das Parken ist auch problemlos. Trotzdem ist der Erhalt des Bades mit dem großen Gelände ein ständiger Kampf. Die Wasserfreunde legen großen Wert darauf, keine geschlossene Gesellschaft zu sein. Der 1. Vorsitzende Peter Schwafferts erklärt: "Wir bieten am 1. September von 11 bis 15 Uhr einen Tag der offenen Tür an. Dann kann jeder kostenlos unser Bad und die Anlage testen und genießen. Außerdem haben wir eine 50 Prozent Rabattaktion auf die Beiträge seit Jahresmitte 2018 angeboten."

Zu den regelmäßigen Frühschwimmern zählt übrigens der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, der sportbegeisterte Pfarrer Manfred Rekowski. Gottes Wort gibt es im Bendahl also auch.