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Wuppertaler Hilfsinitiativen: Suchtberatung gehört zur Daseinsfürsorge

Wuppertaler Hilfsinitiativen : „Suchtberatung gehört zur Daseinsfürsorge“

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat in diesem Jahr für den 10. November zum zweiten Mal zum „Aktionstag Suchtberatung“ aufgerufen. Unter dem bundesweiten Motto „Suchtberatung kommunal wertvoll“ machen auch in Wuppertal die verschiedenen Beratungsanbieter auf die Bedeutung ihrer Tätigkeit für Suchtkranke, deren Angehörige und die Gesamtgesellschaft aufmerksam.

„Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Während der Corona-Pandemie noch einmal um über zehn Prozent“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Beratungsstelle für Drogenprobleme, des Caritasverbandes Wuppertal/Solingen, des Freundes- und Förderkreises Suchtkrankenhilfe und des Blauen Kreuzes.

Laut Fabienne Kroening vom Blauen Kreuz hat mit der Corona-Pandemie auch die Anfrage von Angehörigen stark zugenommen. Kroening: „Viele haben im Lockdown bewusster mitbekommen, dass Familienangehörige trinken. Die Zahl der Einmalberatungen Angehöriger ist in diesem Jahr um 70 Prozent gestiegen.“

Während viele andere Anlaufstellen und Behörden über teils längere Zeiträume geschlossen blieben, haben die Suchtberatungseinrichtungen Selbsttests und Masken kostenlos an die Ratsuchenden ausgegeben, um unter den notwendigen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen ihre Beratungstätigkeit in Präsenz aufrecht erhalten zu können.

„Wir haben durchgängig unsere Zielgruppe über Streetwork aufgesucht und erreicht, was in den Lockdown-Zeiten von besonderer Bedeutung war“, berichtet Stefanie Gellert-Beckmann, Vorständin des Freundes- und Förderkreis Suchtkrankenhilfe. Der Verein ist unter anderem Träger der Drogenhilfe-Einrichtung Gleis 1. Zeitweise habe man die Klientinnen und Klienten auch mit Essen versorgt.

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Zwar wurden die telefonische und auch die Video-Beratung ausgedehnt, doch stellten sich alle Einrichtungen mit großem Engagement auf den hohen Bedarf an persönlichen Gesprächen ein. „Immer wieder wurden dabei von den betroffenen Menschen Isolation, Einsamkeit und Existenzsorgen thematisiert“, so Bianca Euteneuer, Geschäftsführerin der Beratungsstelle für Drogenprobleme. Sie beobachtete übereinstimmend mit den anderen Trägern, dass diese Phänomene bei vielen Klienten zu einem erhöhten Suchtmittelkonsum geführt haben.

Beim Caritasverband wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Suchthilfe geschult, um eine hochwertige digitale Beratung anbieten zu können. „Digital und telefonisch kann Beratung in Präsenz ergänzen, aber nicht ersetzen“, sagt Gabriele Kirchner, Caritas-Fachbereichsleiterin für die Suchthilfe. Aufrechterhalten wurden hier deshalb auch die Angebote in Therapie und Nachsorge, deren Erfolge, so Gabriele Kirchner, durch eine längere Unterbrechung gefährdet gewesen wären.

Zusammenfassend kommen die Beratungseinrichtungen zu dem Schluss, dass die Suchtberatung dazu beiträgt, negative individuelle und soziale Folgen sowie häufig eine Eskalation, die sich aus der Dynamik einer Suchtmittelabhängigkeit ergibt, erfolgreich zu vermeiden: „Corona zeigt, dass eine qualifizierte Suchtberatung unabdingbar zur gesellschaftlichen Daseinsfürsorge gehört.“