Bergische Uni Wuppertaler Architektur-Studium bleibt erhalten

Wuppertal · Die von Berufsverbänden und Stadtgesellschaft heftig kritisierten Pläne für die Einstellung des Studiengangs Architektur an der Bergischen Universität sind vom Tisch. Der Fakultätsrat hat einer in den vergangenen Monaten erarbeiteten Neukonzeption zugestimmt, mit der die Fortführung trotz reduziertem Lehrpersonal gesichert wird.

Demo gegen die mögliche Einstellung des Studiengangs Architektur im November am Campus Haspel. Jetzt sind die Weichen für den Erhalt gestellt.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Auf der Suche nach Einsparpotenzial wegen der vom Land gekürzten Mittel für die Hochschulen hatte das Uni-Rektorat im Herbst bekanntlich das Fach Architektur ins Visier genommen und dessen Auslaufen als eigenständige Lehreinheit ins Gespräch gebracht. Aktuell umfasst sie rund 500 Studierende im Bachelor und Master sowie zwölf Professorenstellen.

Die Folge waren massive lokale und überregionale Proteste – von Studierenden selbst über Politik und Wirtschaft bis zur Architektenkammer NRW. Sie gipfelten in einem offenen Brief an das Rektorat, in dem sich mehr als 150 Unternehmen und Personen für den Erhalt des Studiengangs stark machten.

Dadurch wurde einiges in Bewegung gesetzt. Hochschulintern durch eine Arbeitsgruppe, in der sich Vertreter der Fächer Architektur und Bauingenieurwesen unter Moderation des Uni-Dezernenten Simon Görtz um Konzepte für die Weiterführung bemühten. Und extern durch die Architekten-Verbände BDA und BDB, die sich in einem Arbeitskreis unter anderem mit dem Wuppertaler Bundestagsabgeordneten Helge Lindh um Input für den Erhalt kammerfähiger Studienabschlüsse in Wuppertal bemühten.

„Protestnote“ am Campus Haspel, wo der Studiengang Architektur zu Hause ist – und bleibt.

Foto: WBL

Das Ergebnis der kollektiven Bemühungen bezeichnet Uni-Rektorin Birgitta Wolff im Gespräch mit der Rundschau als „tolles Programm“ – und umreißt den Plan so: Der Studiengang soll künftig statt mit zwölf nur noch mit sechs Professuren auskommen, eine siebte könnte als Stiftungsprofessur des Bundes Deutscher Architekten für den Bereich Bauphysik hinzukommen.

Komplettiert wird das Lehrangebot dann durch die Fachbereiche Bauingenieurwesen sowie Design und Kunst (für Gestaltung, Kunst-/Architekturgeschichte und Farblehre), in denen die Studierenden ein Drittel der für ihren Abschluss nötigen ECTS-Punkte holen können. In den Master-Studiengängen ergeben sich laut Wolff darüber hinaus durch die Kooperation mit weiteren Fachbereichen wie der Mobilitätsforschung viele Wahlmöglichkeiten für unterschiedliche Schwerpunkte.

„Das passt alles sehr gut und sorgt für eine übersichtliche Struktur im bisher noch sehr verschachtelten Studiengang“, so Wolff. Damit einhergehen soll auch eine Reduzierung der Plätze für Erstsemester von 80 auf 65 – verbunden mit der Hoffnung, durch klare Leitlinien und intensivere Betreuung die Quote der Abbrecher zu senken.

Bisher steige rund ein Drittel der Studienstarter in der Architektur vor dem Bachelor aus. Mit großzügigen Übergangsregelungen wolle man auch den aktuell Studierenden entgegenkommen, zumal nach Einschätzung der Rektorin erfahrungsgemäß viele dann ins neue Konstrukt wechseln wollen.

Die Arbeitsgruppe der Uni, die zuletzt in vier Wochen gleich dreimal zusammentrat, habe sich beim Erstellen des Konzepts am Empfehlungs-Template der Architektenkammer für einen „kammerfähigen“ Abschluss entlanggehangelt. Und man treffe mit der stärkeren Orientierung auf die Praxis durch die Inhalte aus dem Bauingenieurwesen auch den Nerv der Bauministerkonferenz. Wolff: „Die will Absolventen, die bauen können und nicht nur darüber philosophieren.“

Voll erreicht werde das Einsparziel von 1,1 Millionen Euro jährlich im Bereich Architektur aber erst 2035, weil die obsoleten Professuren bis auf eine erst ab 2030 auslaufen. Weil die Mittelkürzungen im Landeshaushalt am Ende niedriger ausfielen als ursprünglich angedacht und die Uni Rücklagen behalten darf, sei dieser längerfristige Übergang finanzierbar. „Das liebevolle Verhandeln mit dem Land hat sich bezahlt gemacht“, so Wolff über die Etat-Auseinandersetzungen, an denen sie beteiligt war.

Das gestern vom zehnköpfigen Fakultätsrat einstimmig gebilligte Konzept zur Fortführung des Studiengangs ist auch aus Sicht der wichtigsten Kräfte des Protestes gegen die Abwicklung tragfähig. Dabei handelt es sich um die Berufsverbände Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) sowie den Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh.

Sie waren Initiatoren des Bündnisses, das sich im schon erwähnten offenen Brief gegen die Abwicklung des Studiengangs positionierte – und den Reformprozess begleitete. Die jetzt erzielte Lösung werten sie in einer Stellungnahme gegenüber der Rundschau als „interdisziplinären Ansatz, der die Kompetenzfelder der Fachdisziplinen erhält und Synergien zwischen den Lehreinheiten Architektur, Bauingenieurwesen und Design fördert“.

Sie sei gemeinsam mit dem Rektorat, Vertretern der Fachbereiche, der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen erarbeitet worden. Und weiter: „Dieses Engagement wirkt bis heute fort und findet unter anderem in der geplanten Einrichtung einer Stiftungsprofessur seinen Ausdruck. Diese bleibt ein wichtiger Bestandteil des jetzt beschlossenen zukunftsfähigen Konzeptes.“

Helge Lindh ordnet die Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein: „Dass die Kürzungen für Hochschulbildung im Landeshaushalt auch zulasten der Bergischen Universität die Ursünde sind, steht außer Frage. Das Zusammenspiel von Lehrenden, Studierenden und interessierter Bürgerschaft zugunsten der Architektur ist jedoch ein Beispiel für die herausragende Qualität der Wuppertaler Stadtgesellschaft auch in Krisenlagen. Statt Trotz oder Ohnmacht war das Motto ‚Gemeinsame Arbeit an Lösungen‘. In anderen Universitätsstädten wäre eine solche Rückendeckung seitens der Bevölkerung nicht selbstverständlich oder erwartbar. Das ist auch die Basis der anstehenden Mittelakquise und Werbung für eine Stiftungsprofessur. Der Verlust mehrerer Lehrstühle bleibt nichtsdestotrotz betrüblich.“