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Viraler Internet-Hit aus Wuppertal: Werbung entdeckt das Funkloch

Viraler Internet-Hit aus Wuppertal : Werbung entdeckt das Funkloch

Das haben sich die Bewohner der Straße "Im Funkloch" auch nicht träumen lassen. Ihre Straße ist derzeit Schauplatz des aktuellen O2-Werbespots "Das Wunder von Wuppertal". Warum? Weil die Macher den Namen einfach mal ganz wörtlich genommen haben ...

"Da die Birke — alles voll." Ein älterer Mann zeigt auf ein paar Bäume, während er durch eine Siedlung geht. "Teilweise waren schon mal Dachpfannen kaputt." Die Kamera schwenkt auf einen Spielplatz. Dort fallen riesige Smileys, Rautenzeichen, Sanduhren und Pfeile vom Himmel. Kinder laufen, um nicht von ihnen getroffen zu werden. "Die sind rechts und links eingeschlagen... die fielen kreuz und quer durcheinander."

Ein Zimmer voller im Funkloch abgestürzter @-Zeichen. Foto: Telefonica

Der Mann, der das — noch immer hörbar aufgeregt — sagt und den Zuschauer durch seine Straße führt, heißt (im Video) Herbert Köster und lebt seit 40 Jahren im Funkloch. Die Straße zwischen Cronenberger — und Fuhlrottstraße gibt es wirklich — und ist für Wuppertaler ganz selbstverständlich.

Das echte Straßenschild. Foto: Telefonica

Für die Kreativen der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe klang sie jedoch so ungewöhnlich, dass sie ihre ganze Kampagne für den Mobilfunkanbieter O2 darauf aufbauten, indem sie den Namen ganz wörtlich nahmen und die Frage stellten, was wohl passieren würde, wenn in dieser Straße tatsächlich alle Daten landen würden, die den Handy-nutzern durch Funklöcher verloren gehen. So entstand ein rund fünfminütiger Film um eine Gemeinde von Funkloch-Anwohnern, die aus dem regelmäßigen Datenhagel eine Touristenattraktion macht, kräftig daran verdient, nur um am Ende von den besseren O2-Netzen um ihre Einnahmequelle gebracht zu werden.

Diese skurrile Geschichte, die als eine gefakte Dokumentation erzählt wird, funktioniert vor allem wegen ihrer wunderbaren Laiendarsteller so gut. Das sind alles waschechte Wuppertaler, wie Nicole Holzenkamp von Kolle Rebbe erzählt. "Das war uns sehr wichtig, dass die Menschen sehr authentisch und natürlich agieren." Auch die Dialoge sind zusammen mit den Wuppertalern entwickelt worden, was den Echtheitscharakter unterstreicht. Gedreht wurde ausschließlich in Wuppertal — und auch das in den echten Wohnzimmern, Werkstätten und Ladenlokalen der Protagonisten, bei denen nur die Namen verändert wurden.

Und so fragt man sich, ob es sie nicht vielleicht doch gegeben hat, die Geschichten aus dem Funkloch — von dem Briefmarkensammler, der auf das E-Mail-Sammeln umgestiegen ist, dem Leiter des Funklocharchivs, der sämtlichen Datenhagel ordentlich verwaltet, und von dem Gastronom, der mit dem "Funkloch"-Lied einen Hit landet. "Auch für uns war das überraschend zu sehen, was da entstanden ist — und dass es eine ganz eigene Wuppertaler Couleur bekommen hat", sagt Nicole Holzenkamp.

Was ihr an unserer Stadt besonders im Gedächtnis geblieben ist? "Ich habe noch nie erlebt, dass eine Stadt so viel Wetter hat. Bei unserem Dreh hatten wir von Regen über Schnee, Hagel, Sonne und Sturm einfach alles."

Ja, das klingt definitiv authentisch und original nach Wuppertal...